Hoffnung (1)

10. Mai 2011

„All jenen professionellen, passionierten Antikommunisten, die jetzt feixend und händeringend behaupten: ENDLICH SEID IHR KOMMUNISTEN AM ENDE, müssen wir deutschen Kommunisten, egal ob wir nun hüben oder drüben hausen, erwidern: DAS IST NICHT WAHR: WIR FANGEN GERADE WIEDER EINMAL AN, DEN ANFANG DES ANFANGS DES WEGES ZU SUCHEN, DER UNS MÖGLICHERWEISE ZU UNSEREM ZIEL FÜHREN KANN.

Selbst wenn sich dieser Weg einmal als der falsche Weg erweisen sollte, wird dies wenigstens den Vorteil haben, dass unsere Nachgeborenen wissen, welchen Weg sie keineswegs einschlagen dürfen. Selbst wenn unsere Nachgeborenen ebenfalls einen Weg einschlagen sollten, der sich abermals als ein weiterer falscher Weg erweisen sollte, wird dies ebenfalls wenigstens den Vorteil haben, dass die Nachgeborenen unserer Nachgeborenen wissen, welchen Weg sie keinesfalls einschlagen dürfen.

Irgendwann werden irgendwelche Nachgeborenen der Nachgeborenen unserer Nachgeborenen den richtigen Weg einschlagen, der sich offensichtlich inmitten eines Wirrwarrs von Irrwegen befindet.“

Gisela Elsner: „Stellungnahme“, 1990.


Endlösung in Wuppertal? (2)

06. Mai 2011

Wie die Großen, so die Kleinen: eine breite Koalition von links außen über die Mitte bis nach rechts entdeckt in Wuppertal die Meinungsfreiheit – gegen Israel. Nur bösen Zungen käme hier das Wort von der sekundären Volksgemeinschaft über die Lippen.

Nachtrag:
Position des American Jewish Comitee


Endlösung in Wuppertal?

04. Mai 2011

tapfer im nirgendwo: Wuppertal packt die Badehose ein:

„In einer deutschen Stadt wird im Jahre 2011 öffentlich über die „Endlösung der Judenfrage“ nachgedacht und niemand macht sich Sorgen. Vielleicht hat sich einfach niemand die Mühe gemacht, die auf englisch verfasste Homepage zu lesen, denn im Original steht dort:

„The issue of Palestinian Refugees (expelled by force and by ethnic cleansing in 1948 from their own lands, farms and properties) is the core of Palestinian cause as a whole. Solving the issue of Palestinian refugees is a key element towards the final solution.“


Stellungnahme der Gruppe FEKA
:

„Die Ausstellung wurde von der Gruppe „Bürger_innen beobachten die Polizei“ nach Wuppertal geholt und sollte mit einem entsprechenden Rahmenprogramm anlässlich zuvor gehäuften Berichten über unverhältnismäßigen Umgang der Wuppertaler Polizei gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund und anderen „Randgruppen“ eine öffentliche Diskussion darüber ermöglichen.
Hier reichte dem Wuppertaler OB die Begründung Polizeibeamte würden „verunglimpft“ (obwohl er zugab, die Ausstellung persönlich nicht angesehen zu haben) um die Ausstellung zu schließen. Hetze gegen jüdische Menschen ist für ihn scheinbar kein gleichwertiger Grund. Er oder andere Verantwortliche der Stadtverwaltung müssten sich nur kurze Zeit mit den eingeladenen Redner*innen der Konferenz, den Verlautbarungen der veranstaltenden Gruppen und den vergangenen Konferenzen beschäftigen, um festzustellen, dass in diesem Rahmen massiv nicht nur gegen Israel als Staat, sondern gegen jüdische Menschen an sich gehetzt wird. Angesichts der deutschen Geschichte in der Polizeibeamte wohl häufiger Täter als Opfer waren, ist die Begründung der Stadt sie könne die Veranstaltung nicht absagen obwohl sie 2008 bereits bewiesen hat, dass sie es kann, eine unerträgliche Farce und Verhöhnung der Opfer des eliminatorischen Antisemitismus.“

Mehr Infos und bürgerlicher Protest beim Mideast Freedom Forum.

Update:
Zusätzliche Gegenkundgebung der FEKA


USA hilf uns doch – SpiegelOnline gibt es immer noch

03. Mai 2011

Darf man einen Massenmörder umbringen – und dann noch seine Freude darüber öffentlich bekunden? Der deutsche Diskurs über die gezielte Tötung Bin Ladens wimmelt von den altbekannten selbstgefälligen, legalistischen und pseudopazifistischen Rhetoriken. Die in den letzten Jahren in die Latenz abgesunkenen Ressentiments, welche 2001 ff. so virulent waren, finden sich mit einem Schlag wieder in den Leitartikeln und Kommentaren des Mainstreams.

Im Folgenden eine kleine Auswahl:

„Für Fischer-Lescano bezieht sich der US-Präsident damit auf ein „alttestamentarisches Gerechtigkeitsempfinden“, also Auge um Auge, Zahn um Zahn. Dies käme einem „Racheakt“ gleich, sei aber „kein völkerrechtlicher Legitimationsgrund“.

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das hat noch Gewicht in einer Nation, zu deren identitätsstiftenden Mythen die Eroberung des Wilden Westens gehört, jener rechtlosen Gegend, in der die Siedler auf sich selbst angewiesen waren.“

„Dass dem alttestamentarischen „Auge-um-Auge“-Prinzip Genugtuung bedeutsamer ist als Gerechtigkeit, zeigen die unschönen „Siegesfeiern“, die solchen von Terroristen zuneigenden Sympathisanten beschämend ähneln.“

„Wenn es jedoch einfach darum ging zu sagen: Wir revanchieren uns jetzt an demjenigen, der uns vor zehn Jahren so viel Leid gebracht hat, und bringen ihn um, weil er andere umgebracht hat, dann hätte man klassisch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ vollzogen. Das ist aber eigentlich in den meisten Ländern dieser Erde nicht mehr das Rechtsprinzip, das hinter Verurteilungen steht.“

Die verschiedenen Ressentiments schießen in einem SpiegelOnline-Artikel zusammen:

„Viel bildet sich der christlich geprägte Westen ein auf seine zivilisatorische Überlegenheit den islamischen Ländern gegenüber. Doch das, was gerade in den USA geschieht, vermittelt einen anderen Eindruck. Wenn US-Amerikaner den Tod Bin Ladens mit Tänzen und Sprechchören feiern, graust es den hiesigen Betrachter – der Jubel wirkt befremdlich, weil er uns zeigt, dass die US-Gesellschaft uns fremder ist, als es scheinen mag.

„In God we trust“ steht auf jeder US-Dollar-Note, doch dieser Gott ist nicht der verzeihende, neutestamentarische Gott – sondern der rachsüchtige aus dem Alten Testament. Hierzulande gilt Resozialisierung als Ziel von staatlicher Strafe – in den USA ist es die Vergeltung, bis hin zur Todesstrafe.

Dass die Todesstrafe, wie bei Bin Laden, auch ohne Prozess verhängt werden darf, wenn nur das Verbrechen und der Zorn darüber groß genug sind, und dass ihr Vollzug euphorisch gefeiert wird, belegt, wie tief die „Auge um Auge“-Ideologie in der US-amerikanischen Gesellschaft verwurzelt ist. Die Rachsucht mag mächtig sein – moralisch überlegen ist sie nicht.

[…]

Es sind wohl letztlich leider nicht „die Kräfte des Friedens“, die hier gesiegt haben, wie Merkel meint, sondern die Anhänger einer archaischen Blutrache-Moral. Dass sich die Spitzen unserer Regierungsparteien dieser Ideologie unterwerfen, bedeutet einen zivilisatorischen Rückfall. Die Erleichterung über den Tod Bin Ladens ist nachvollziehbar, der Applaus für seine Hinrichtung ist es nicht.“

Die USA als fremde, rückständige und unzivilisierte Macht, beherrscht vom Dollar und einem Gott, der sich nicht durch Jesus‘ pädagogischen Eros, sondern durch seine Rache-Ideologie auszeichnet. In diesem Sittenbilde wird mit einer Zielsicherheit auf anti-judaistische Begriffe und Stereotype rekurriert, dass man zumindest von einer antisemitischen Grundierung, wenn nicht von einer teilweisen Fusion von Antiamerikanismus und Antisemitismus sprechen muss. Umgekehrt war und ist der mörderische Antisemitismus, der die zum Teil aus Deutschland entsandten Attentäter des 11.9. nach New York als proijiziertes „Zentrum des Weltjudentums“ leitete, hierzulande natürlich keine Rede wert.

Nachtrag:
Einen längeren Vortrag von 2005 zu Historie, Begriff und Funktion des Antiamerikanismus hier.


Türsteher sind Bullen!

03. Mai 2011

Von taz.de:

Gegen Mittag wurde an gleicher Stelle der Demonstrant Frank Wegener von der Polizei aus seinem Rollstuhl geworfen. „Die wollten auf die Demonstranten los, aber ich stand im Weg“, so Wegener. Daraufhin hätten PolizistInnen erst versucht, seinen Rollstuhl anzuheben und ihn dann jedoch kurzerhand aus dem Rollstuhl auf den Asphalt geworfen und liegen lassen. „Ich musste mir von der Polizei noch anhören, was ich denn mit einem Rollstuhl auf einer Demo zu suchen hätte und dass ich doch lieber zu Hause bleiben soll.“

Die Polizei antwortete bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage hierzu.

Aus einer Mail:

„Am 20.02.2011 um 6:00 betrat ich (nachtblind, mit Stock) mit J. (gehbehindert), zwei Freunden aus England und M. (meine Begleitperson) das Gelände des Berghains. Während M. sich anstellte, gingen wir anderen an der wartenden Schlange vorbei zum Türsteher. Diesem erklärte ich unsere Situation und fragte, ob wir an der Schlange vorbeikönnten. Er
ging kurz in den Club hinein um nachzufragen. Kurz danach erschien er mit einem zweiten Türsteher, der uns mitteilte, dass wir uns bitte hinten anstellen sollten. Als ich ihn fragte, ob er einen Stuhl oder einen Hocker für meine gehbehinderte Begleiterin « J » habe, sagte er:
„Man muss schon wissen worauf man sich einläst. Ich geh doch auch nicht ins Schwimmbad, wenn ich nicht schwimmen kann!“

[…]
Circa 40 Minuten später hatte es den Anschein, als würden J. und meine Freundin aus England Einlass in den Club erhalten, doch als einer der Türsteher unsere Gruppe erkannte, sagte er: „Ich habe euch doch gesagt, dass ihr nicht reinkommt“ Darauf
entgegnete ich, dass dies nicht stimme. Er habe gesagt, wir sollten uns anstellen. Wir gingen also nicht ins Berghain hinein, blieben aber noch davor stehen, um uns zu beschweren.
[…]
Die Türsteher wollten davon nichts wissen und zeigten auch keine Einsicht. Stattdessen spürte ich plötzlich eine Hand auf meiner Brust, die mich nach hinten schubste. Ich entfernte mich daraufhin von dem Eingangsbereich und rief die Polizei an.
[…]
Auf einmal ertönte ein Schrei von meiner Freundin aus England. Ihr wurde von dem zweiten Türsteher, ohne jegliche körperliche Bedrohung ihrerseits, der Arm auf den Rücken gedreht. Laut Arzt wird die Genesung dieser Verletzung ca. 12 Wochen andauern. Anschließend wurde nun auch meine Begleitperson von zwei Türstehern körperlich angegriffen und über
den kompletten Platz geschubst. Aufgrund dieses Gewaltausbruches drehte ich mich erschrocken und ging in Richtung des Lärms, um meinem Freund zu helfen. Meine Freunde folgten bedingt durch Js Gehbehinderung zeitlich verzögert. Die Türsteher ließen letztendlich von uns ab, da war es bereits 07:00 Uhr.
Eine Anzeige wurde bei der Polizei erstattet.
Wir forden, dass das Berghain das tut, was die Mehrheit der Clubs ohnehin schon macht, und zwar das Einrichten einer besonderen Schlange für Behinderten mit einem einfachen Zugang. Oder einfach nur, dass die Türsteher aufgeklärt werden!“


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