UmsGanze am Abgrund

19. November 2010

2009 trat das angeblich bundesweite kommunistische … Ums Ganze-Bündnis mit einer Broschüre auf den Plan, die in gewohnt umfassender Manier „Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit – Zur Kritik des kapitalistischen Normalvollzugs“ (Download als PDF) benannt war.

Der AK Hotel Abgrund legt nun eine Sonderausgabe der Frankfurter Studierendenzeitschrift Diskus zur Kritik der Broschüre vor. Das Heft kann hier online eingesehen werden und sicher unter diskus@copyriot.com in der papiernen Variante geordert werden. In seinem Editorial führt der AK zur UG-Broschüre aus:

„Schon die ersten Sätze und Kapitel sind weder als Diskussionsangebot formuliert, noch eine adäquate theoretische Auseinandersetzung: vereinfachendes Hauptwiderspruchsdenken, linke Schlussstrichrhetorik, ein unmöglicher Umgang mit Geschlechtlichkeit, Rassismus und Antisemitismus und hinter allem steckt die Konkurrenz, auf Kosten
jeder Kontingenz. Mit vielem hatten wir gerechnet, aber dass so weit hinter die Einsichten und Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zurück gefallen, ja eigentlich das Rad neu zu erfinden versucht wird ohne aus alten Fehlern zu lernen, hat uns dann doch überrascht.
Dass dieser Unfug innerhalb der Popantifa-Szene weitgehend unwidersprochen geschluckt wurde, ist uns letztlich ein Rätsel geblieben.
[…]
Unsere Kritik richtet sich dagegen, dass das in der Broschüre vorgelegte Politikkonzept in sich grundlegend falsch ist. Es können noch so viele Ergänzungsbände publiziert werden, die Gesellschaftskritik von uG würde dadurch nicht richtiger werden. Der Tenor der hier veröffentlichten Texte ist daher keineswegs, dass einzelne Sachen in der Broschüre fehlen würden, oder ›unterbelichtet‹ sind, sondern dass mit einem derartigen Analyseansatz, bei dem die kapitalistische Konkurrenz als Letztbegründung für alle gesellschaftlichen Prozesse herhalten muss, fast alles schief geht, was so schief gehen kann.“

Nach der Lektüre des leider etwas konfusen Vorworts der diskus-Redaktion werde ich mir demnächst einmal den mit feinem Sinn für Humor betitelte Artikel „Wie hoch ist die Zeit? – Zur Kritik einiger Aspekte der … UmsGanze-Broschüre“ antun. Gegebenfalls folgen dann einige kommentierte Zitate auf diesem Blog.

Wie dringlich die u.a. in dem diskus-Heft geübte feministische Kritik an Broschüre wie Bündnis ist, zeigt unfreiwillig die Zusammensetzung der Podien des bevorstehenden UG-Kongresses: nach flüchtiger Zählung sind von 23 namentlich genannten Referent/innen offenbar 20 männlich konstruiert. UG verwendet also nicht allein im „Text […] bei Gattungsbegriffen das grammatische Maskulin“1.

P.S.
Weitere kritische Auseinandersetzungen mit der UG-Broschüre hier, hier und hier.

  1. UG-Broschüre, S. 16 [zurück]

10 Kommentare

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    Pingback von “Ums Ganze”: Die Rückkehr des Hauptwiderspruchs in der Affirmation der deutschen Normalität « meta . ©® . com — 19. November 2010 @ 02:47

  2. hmm sind die jetzt angeblich bundesweit oder angeblich kommunistisch…..

    Comment von f — 19. November 2010 @ 14:45

  3. warum gibt’s die denn nicht online? warum bestehen die darauf, dass ich gefälligst papiermüll zu produzieren habe?

    Comment von bigmouth — 19. November 2010 @ 18:24

  4. sowohl broschüre (soweit ich sehe als raubupload oder wie das heißt) als auch diskus ist online, also was meinst du?

    @ f:
    angeblich bündnis.

    Comment von waiting — 19. November 2010 @ 19:12

  5. von diskus scheint es leider nur das inhaltsverzeichnis online zu geben, nicht aber das ganze heft.

    Comment von ambivalenz — 19. November 2010 @ 20:55

  6. wo gibt’s die diskus denn online? du verlinkst auf n einseitiges inhaltsverzeichnis

    Comment von bigmouth — 19. November 2010 @ 20:55

  7. nene, dat is alles online – clickable style: ihr müsst die artikelüberschriften im inhaltsverzeichnis anklicken, dann kommt ihr zu den pdf’s der einzelnen artikel.

    p.s.
    der diskus -> den diskus
    ;)

    Comment von waiting — 19. November 2010 @ 20:59

  8. du bist ja doch Lea-Won!

    das ist echt bescheuert gelöst, da wäre ich in 100 jahren nich drauf gekommen, in nem pdf rumzuklicken. sollten sie echt auf ihre seite schreiben

    Comment von bigmouth — 19. November 2010 @ 21:16

  9. der ist doch bayer, ich bin bade_n.

    links im pdf kommen mir öfters unter. aber ich kann dennoch mal den internet-minister dieses akademischen schmierenblättchens um bessere darstellung bitten.

    Comment von waiting — 19. November 2010 @ 22:09

  10. Es ist schon zum Verzweifeln:

    „Diese Verengung des Form-Begriffs auf das vermeintlich abstrakt-allgemeine des Kapitalismus, ein Vorgehen, das von ihnen [umsGanze] als Funktionsbestimmung richtig bezeichnet wird, verklärt allerdings den theoretisch interessierten Reduktionismus die reine Funktionalitätsbestimmung zur Begriffsarbeit.“

    Zunächst stellt sich hier die Frage, was ein „theoretisch interessierter Reduktionismus“ ist, dann ob vor und nach „die reine Funktionalitätsbestimmung“ nicht Kommas stehen sollten oder ob vielleicht noch irgendwo irgendein Wort fehlt.

    Wenn man schon eine theoretisch anspruchsvolle Broschüre fabriziert, sollte man sie nicht vielleicht vor Veröffentlichung auch nochmal durchlesen, statt nur tolle Fotos reinzupappen?

    Ja, ich weiß, „there is no such thing as a free lunch“, und wer linke Theoriedebatten verstehen will, der/die muss schon einiges an Durchhaltevermögen mitbringen. Aber ich frage mich, ob es nicht auch eine Kleinigkeit verständlicher ginge. Dann würden die Texte zwar nicht mehr so unglaublich dialektisch, weise und belesen daherkommen, dafür würde sie ein gelegentlicher Schreib- oder Grammatikfehler aber nicht gleich zum Kreuzworträtsel machen.

    Comment von frust — 7. Dezember 2010 @ 20:41

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