Europa tötet

22. August 2009

Eine wochenlange Odyssee

[…]

Ende Juli waren sie aufgebrochen, rund 80 Flüchtlinge aus dem bitterarmen und repressiven Eritrea, die durch Sudan nach Libyen zogen und von dort über das Mittelmeer nach Italien wollten. Nur fünf von ihnen haben die Reise überlebt. Die zwei Männer, zwei Jungen und eine Frau wurden am Donnerstag von Italiens Küstenwache nach wochenlanger Odyssee von einem Schlauchboot gefischt und auf die Insel Lampedusa gebracht. „Wie ein Geist“ habe die Frau ausgesehen, „ihr Körper wie ein Skelett und ihre Augen leer“, berichtete die Mitarbeiterin eines Hilfswerks.

Die anderen Bootsinsassen sind vermutlich alle tot. Die Geschichte der Überlebenden ist die eines Horrortrips. „Nach zwei Tagen verloren sie die Richtung, und ihr Treibstoff ging zur Neige, weil sie im Kreis herumirrten“, gab Laura Boldrini, Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, die Aussagen der Eritreer wieder. „Dann hatten sie auch keine Lebensmittel und kein Wasser mehr, und Menschen begannen zu sterben. Es war auch sehr heiß.“ Manche tranken Meerwasser und starben. Andere verdursteten. Die Toten wurden über Bord geworfen.
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Am schlimmsten: Niemand half den Flüchtlingen. Nur einmal habe ein Fischkutter Brot und Wasser hinterlassen. Das sei beispiellos: „Es ist alarmierend, dass diese Menschen 20 Tage lang im Mittelmeer drifteten, ohne dass ein anderes Boot anhielt und ihnen half. Das ist ein wirklich niederschmetterndes erstes Mal“, so Boldrini.

Christopher Hein vom Italienischen Flüchtlingsrat ging weiter: „Da das Meer zwischen Lampedusa und Libyen Tag und Nacht überwacht wird, kann es einfach nicht sein, dass ein 12 Meter langes Boot so lange herumdriftet und niemand das merkt“, sagte er. „Das bedeutet, dass man diese Menschen bewusst ihrem Schicksal überlassen hat.“

[…]

Mindestens 124 afrikanische Migranten sind dieses Jahr beim Versuch der Überfahrt von Nordafrika nach Europa gestorben. Seit Juli patrouillieren Italien und Libyen gemeinsam im Mittelmeer und schicken Flüchtlinge zurück, bevor sie italienischen Boden betreten. Knapp 1.000 Flüchtlinge wurden auf diese Weise bereits von Europa ferngehalten.“

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(Unter)Strich statt Höhe

02. August 2009

Overdose über die Broschüre eines Bündnisses, das sich „auf der Höhe der Zeit“ (*floskel floskel*) wähnt und unterdessen versäumt, die Geschichte gegen den Strich zu bürsten.

Derivat hat besagte Broschüre ganz genau gelesen und eine skandalöse Fußnote ausfindig gemacht, welche unbeabsichtigt die Identität von sprachlicher Form, Inhalt und Habitus der konstituierenden Gruppen deutlich macht.


Praktisch widerlegt

02. August 2009

Angesichts der Repression gegen die Protestbewegung haben die Demonstrantinnen und Demonstranten im Iran jedenfalls derzeit wesentlich Besseres zu tun, als sich mit der Frage des zukünftigen Verhältnisses zu Israel zu beschäftigen.

Beim letzten Freitagsgebet geschah es, dass die Anwesenden aufgefordert wurden, ’Nieder mit Israel’ zu skandieren. So etwas ist in diesem Rahmen durchaus üblich. Die Menge antwortete aber ’Nieder mit Russland’. Russland gilt als Unterstützer der Mullahs.