Das Ressentiment hat einen Namen – Oskar L.

24. März 2009

Bereits vor einigen Tagen hatte ich mich ja dem oberflächlichen Dissen der 28. März-Demos gewidmet. Der sozialrevolutionäre und antinationale Block aus Frankfurt meldet sich nun mit einer Pressemitteilung zu Wort, in der u.a. der Auftritt Lafontaines als „Provokation“ (?) bezeichnet und dem Nationalsozialdemokraten sein autoritäres Staatsverständnis wie sein Rassismus angekreidet wird. Von Antisemitismus und ressentimentbefrachtetem Antikapitalismus keine Rede, obwohl gerade diese Kategorien zentral für die Lafontainesche Ideologie sind.

Die Einstufung des Volkstribuns von der Saar als „berüchtigtem Fremdenfeind und Judenhasser“ wurde mir ja als Übertreibung ausgelegt. Um den Gegenbeweis anzutreten, bedarf es nicht großer Ideologiekritik – manchmal muss man einfach die Leute selbst reden lassen. Im Folgenden daher Lafontaine im O-Ton:

„Problematischer als der Freiheitsbegriff ist für die Zukunft der Welt die Vorstellung der Amerikaner, sie seien ein auserwähltes Volk. Zu dieser gehört auch die Überzeugung, Amerika sei zur Größe bestimmt und der amerikanische Way of Life sei der Weg Gottes. Europäer finden diesen besonderen Aspekt des amerikanischen Traumes meist unangemessen und oft sogar erschreckend, meint jedenfalls Jeremy Rifkin. Und in der Tat, wenn man ein von Rifkin erwähntes Zitat aus Herman Melvilles Buch Weißjacke oder Die Welt auf einem Kriegsschiff liest, dann läuft es einem kalt über den Rücken, auch wenn man weiß, dass dieses Zitat aus der Gründerzeit Amerikas stammt. Ich gebe es verkürzt wieder: »Und wir Amerikaner sind das auserwählte Volk, das Israel unserer Zeit. Wir tragen die Bundeslade mit den Freiheiten der Welt … Gott hat es vorherbestimmt, die Menschheit erwartet große Dinge von unserem Stamm, und große Dinge bewegen wir in unserer Seele.“

„Wird es im Heiligen Land je Ruhe geben? Noch regiert das Alte Testament: Wer einen Menschen erschlägt, wird mit Tod bestraft … Leben für Leben … Auge um Auge … Zahn um Zahn. Den Weg zum Frieden weist das Neue Testament. Dort steht: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“


„Wir brauchen nicht nur europäische Kommissionen, wir brauchen auch europäische Divisionen!”

„Der oft verwendete Begriff der Globalisierung ist nur ein anderes Wort für das Vordringen der amerikanischen Vorherrschaft und Lebensweise auf dem Erdball.« – »Wenn irgendwo die Spielhöllen des Kasinokapitalismus stehen, dann in New York. Wenn Geld die Welt regiert, dann ist New York die Welthauptstadt.

Im Interview mit der »SZ« skizzierte Lafontaine kurz nach dem jüngsten G8-Gipfel, weshalb dieses Treffen so arm an konkreten Ergebnissen blieb: »Nehmen Sie die Frage der Hedgefonds. Als Bundesfinanzminister hatte ich dieses Thema bereits auf die Tagesordnung gesetzt, aber solange die Wall Street und die Londoner City die Politik in ihren Ländern maßgeblich beeinflussen, ändert sich nichts.« Bereits 1999 hatte Lafontaine in seinem Buch Das Herz schlägt links darauf hingewiesen, »wie sehr die anarchische Veranlagung der angloamerikanischen Marktwirtschaft die Herausbildung von Gemeinsinn und gesellschaftlicher Solidarität behindert“

„Das ist ein Märchen. Eine solche Chance bestand nicht, vor allem weil Amerika strikt dagegen war – ein Land, in dem die Wahlkämpfe der Präsidenten im wesentlichen von der Wall Street finanziert werden. Auch die britische Regierung hat sich vehement gegen solche Pläne gewehrt, weil die britische Politik sehr stark von der Londoner City gesteuert wird. Das zeigt: Wir kommen erst weiter, wenn der Kauf der Politik durch große Spender aus der Finanzwelt beendet wird.“

„In diesem Zusammenhang lehnt Lafontaine das jüngste Projekt der bayrischen Staatsregierung, die beiden Münchner Hochschulen zur „University of Munich“ zusammenzuschließen ab. Ihn stören die englischen „Wortfetzen“ und er beklagt „die deutsche Unsicherheit in Sachen Behauptung von Sprache und Kultur“. […]

Ein Kapitel in dem Buch von Lafontaine trägt die Überschrift „Ausländer und wir“. Lafontaine betont schon mit dieser Überschrift den Unterschied zwischen „uns Deutschen und den Anderen“. […] Er tritt für eine „Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung“ ein. Er warnt wie Schröder und Beckstein „vor der Entwicklung von Parallelgesellschaften“. Besonders stört Herrn Lafontaine in dem Kapitel, dass „rund 18% der türkischen Haushalte in Deutschland Arbeitslosen- und Sozialhilfe beziehen“. […] Furchtbar findet es Lafontaine, dass im amerikanischen Präsidentenwahlkampf „Bush und Kerry Teile ihrer Wählerschaft in Spanisch ansprachen“. […] In einem anderen Kapitel warnt Lafontaine davor, dass Europa gegen Ende des „21. Jahrhunderts „eine moslemisch arabische Mehrheit“ hätte, dass will der Nationalist natürlich verhindern. Deshalb ist Lafontaine gegen eine Aufnahme der Türkei in die EU und prinzipiell meint er, „in einem Land hoher Arbeitslosigkeit ist es deshalb fahrlässig und töricht eine weitere Zuwanderung zu fordern“.“


10 Kommentare

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  1. ich sehe nicht, dass das „judenhasser“ rechtfertigt

    Comment von bigmouth — 24. März 2009 @ 11:47

  2. Und wo ist da jetzt der „Judenhasser“ in den Zitaten?

    Comment von forty — 24. März 2009 @ 13:59

  3. „ich kann beim besten willen kein hakenkreuz erkennen.“

    Comment von waiting — 24. März 2009 @ 23:03

  4. […] nationalsozialist oskar l. in frankfurt/m. katinka poensgen (”anti-nazi-koordination“) gegen streit. […]

    Pingback von » lafo gegen krise | kotzboy.com — 29. März 2009 @ 21:25

  5. @waiting: Ob Lafontaine wirklich „die Juden“ hasst, kannst du mit den Zitaten nicht belegen. In Lafontaines Vorstellung wird die Welt von einer kleinen Gruppe von Personen gesteuert, die das Böse des Kapitalismus verkörpern, und die Lafontaine mit Begriffen wie „Wallstreet“ und „Londoner City“ benennt. Dass Antisemiten dies als Chiffren für das „jüdisches Finanzkapital“ benutzen, ist bekannt. Der Umkehrschluss, dass mit Wallstreet immer Juden gemeint sind, ist aber zweifelhaft. Das so einfache wie überflüssige Argument, dass an der Wallstreet wohl nicht mehrheitlich Juden arbeiten, wird mindestens ein Teil derjenigen, die „Wallstreet“ sagen, akzeptieren und daher den letzten Schritt der Identifizierung des „Finanzkapitals“ mit „den Juden“, eben nicht gehen. Man sollte Menschen wie Lafontaine den primitiven Rationalismus ihres schwarz-weißen Weltbildes nicht absprechen, auch wenn es vielleicht bequemer ist, ihnen ein einfaches irrationales Motiv (Hass auf Juden) zu unterstellen.

    Wohl gemerkt, vielleicht ist Lafontaine wirklich einfach nur ein Judenhasser. Belegt hast du es aber nicht. Wenn es deine Meinung ist, ist das in Ordnung, nur denke ich, dass solche nicht belegbaren Aussagen in der Auseinandersetzung nicht gerade hilfreich sind.

    …Es fehlte übrigens noch das schöne „Fremdarbeiter“-Zitat. Es ist bezeichnend, dass sich die deutsche Presse vor allem über das Wort „Fremdarbeiter“ aufregte, nicht aber über die Denkfigur, dass wer-auch-immer UNS die Arbeitsplätze WEGNIMMT.

    Comment von versuch — 31. März 2009 @ 11:31

  6. … natürlich „Wall Street“ …

    Comment von versuch — 31. März 2009 @ 12:16

  7. jaja, schrecklicher verdacht: ist lafontaine antisemit?

    sry, mir ist diese reinwaschung echt zu billig. es ist so offenkundig, dass sich bei l. völkisch grundierter nationalismus, ressentiment gegen das raffende kapital und verklärung der arbeit, verschwörungstheorie, glorifizierung des staate,s antiamerikanismus, antizionismus und antijudaismus (gegen das „auserwählte volk“ und dessen „auge um auge“) zu einem ideologiegebräu vermischen, das nur als moderner antisemitismus zu charakterisieren ist. dass ein politiker wie lafontaine die zielgruppe seines hasses nicht ausbuchstabiert, tut wenig zur sache – der stammtisch liest die codes quasi-instinktiv.

    Comment von waiting — 31. März 2009 @ 21:36

  8. hast mich überzeugt.

    Comment von versuch — 31. März 2009 @ 23:40

  9. ich kann da das gefühl „hass“ schlicht nicht erkennen. bei „judenhasser“ denke ich an julius streicher, nicht an winston churchill

    Comment von bigmouth — 31. März 2009 @ 23:45

  10. @bigmouth: das ist wohl der punkt. von „antisemit“ hat waiting mich inzwischen überzeugt. ich hatte die zitate eins und zwei nicht richtig bewertet. bleibt noch der feine unterschied zwischen „antisemit“ und „judenhasser“. aber der liegt vielleicht eher in der psychologischen verfassung des antisemiten – geschenkt.

    Comment von versuch — 1. April 2009 @ 00:10

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