Marxismus-Mystizismus

10. Januar 2009

Nachdem die Linkspartei in Rheinland-Pfalz kürzlich den notorischen Gegner des „Judäochristentums“, Hubertus Mynarek („Das schlimmste Konzentrationslager bereiten wir Tieren“) , zum Kandidaten für die Kommunalwahlen in Odernheim kürte, will sich die benachbarte LINKE aus Hessen dem neuen Trend nicht verschließen und tritt mit Günther Biernoth, einem professionellen Hexer, zur Landtagswahl an.

Overdose hat sich des Falls angenommen und folgendes Juwel aus dem Blog des LINKEN zu Tage befördert:

“Der Mann entstand aus einer Esche und die Frau aus einer Ulme, Ask und Embla. Dies erscheint doch wesentlich logischer als der Matscheklumpen aus dem Adam wurde und dann oh Wunder nicht noch ein Matscheklumpen genommen wird, nein wir haben hier plötzlich eine Rippe die zu einer Frau geklont wird!”

Overdose regt nun einen intellektuellen Showdown zwischen der in Hessen fest in die Linkspartei integrierten Trotzkisten-Sekte Linksruck und dem andersweitig gläubigen Biernoth an, von dem er sich Antworten auf die folgenden Fragen verspricht:

„welche kräuter helfen gegen die finanzkrise? wie oft muss das parlament rituell gereinigt werden? zauberstab oder eispickel – was hatte mehr einfluss auf die revolution? sonnenwendfeier oder ll-demo? demokratie als hexentum oder verhexte demokratie?“

Ergänzende Leitfragen zur Strukturierung der Diskussionen könnten sein: Wodka oder Met? Gulag oder Holzofen? Thing oder Plenum? Ostara-Fest oder Ostermarsch?
Für die Moderation dieses Expertengesprächs über die Zukunft der Menschheit schlage ich Hans-Christoph Stoodt vor, der als sozialistischer Pfaffe die Schnittstelle zwischen Magie und Marxologie, zwischen verschrobener Hexerei und populistischer Hetze markiert.


So. 11.01.09 14 Uhr Breitscheidplatz: Warm einpacken!

09. Januar 2009

Der große Vorsitzende hat die Marschrichtung vorgegeben, ich reihe mich ein in die Volksfront für die Verteidigung Israels gegen den eliminatorischen Antisemitismus.

Da der Aufruf bereits an mehreren Stellen gepostet wurde, anbei die aktuelle Liste der Aufrufer_innen, die sich wie ein Who is Who des jüdischen Lebens, gespickt mit etwas bürgerlicher Politprominenz, liest:

„ADF Berlin e.V. / Evelyn, Semen und Svetlana Agronik / Ahawa e.V. / Sharon Adler, Herausgeberin AVIVA-Berlin.de / Antifa Belzig /American Jewish Committee, Deutschland
Arzenu – Bund progressiver Zionisten in Deutschland e.V. / B’nai Brith Berlin Raoul Wallenberg Loge e.V. / Babel TV / BAK Shalom der Linksjugend / Margarita Bardich, Repräsentantin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin / Dr. Alexander Brenner, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin a.D. / Bund der Verfolgten des Naziregimes e.V. / café critique / Der Kreis der Freunde der Habimah Verein zur Förderung Jüdischer Kultur in Berlin e.V. / Deutsch-Israelische Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam /
Deutsch-Israelische Gesellschaft, Frankfurt am Main / Deutsch-Israelisches Jugendforum, Bundesverband / Avi Efroni, Herausgeber derBerliton.de / Jürgen Elmen, Berlin / Erik-Verlag, Berlin / Esra-Treffen für Shoa Überlebende und deren Nachkommen e.V. / Jörg Fischer- Aharon, Journalist und Publizist, Berlin / Arno Finkelmann, Berlin / Ruben und Xenia Frenkel, Berlin / Freunde der offenen Gesellschaft (FdoG) / Freunde des Bikur Cholim Hospital Jerusalem e.V. / Freunde von Meir Panim e.V. / Leonid und Tatjana Geismann / Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. / Prof. Dr. Heinz Gess, FH Bielefeld /
Prof. Dr. Karl Grözinger, Universität Potsdam / Dr. Elvira Grözinger, stellv. erste Sprecherin Vorstand Scholars for Peace in the Middle East (SPME) / Dr. Dean Grunwald, Editor in Chief, European Info Press Agency, Niederlande / Heike Grünewald, Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Arbeitsgemeinschaft Hamburg / haGalil e.V. / haKadima e.V
Olga und Wjatscheslav Hagelganz / Dr. Nikoline Hansen, stellvertretende Landesvorsitzende FDP Berlin / Phillip Häusler, Mitglied des Bezirksvorstandes der Linkspartei Bezirksverband Treptow-Köpenick / Thomas Heppener, Anne Frank Zentrum / Honestly Concerned e.V., Chefredakteur: Sacha Stawski, Frankfurt am Main / ILI – I Like Israel e.V. / Interessengemeinschaft Gehörloser Jüdischer Abstammung in Deutschland e.V. / Interkult unterwegs e.V., Berlin / Internationales Institut für Bildung, Sozial- und Antisemitismusforschung (IIBSA), London/Berlin / J-Comm Jewish Community http://www.j-comm.de, Internetportal / Jerusalem Zentrum / JCPA / juedische.at /
Jüdische Gemeinde zu Berlin K.d.ö.R. / Jüdische Gemeinde Hamburg / Jüdische Oberschule, Berlin / Jüdisches Bildungszentrum Chabad Lubawitsch / Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus / Jung und Jüdisch Deutschland, e.V. / Anetta Kahane, Amadeu Antonio Stiftung / Dr. Martin Kloke, Verlagsredakteur und Publizist, Berlin / Lehawa, Berlin / Lev und Irina Knoring / Judif und Boris Kokotov / Koordinierungsrat deutscher Nicht-Regierungsorganisationen gegen Antisemitismus / Dr. Raffael Korenzecher, Jewish Berlin Online / Rita Koslova / Kunsthaus Finkels – Jüdischer Kulturverein, Hamburg / Ludmilla Kurjatova / Elena Kushkova / Amir Kusinski-Vovk, Station Manager ISRAIR AIRLINES, Berlin / Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, Hochschule für Jüdische Studien, Heidelberg / Dan Lahav, Jüdisches Theater Berlin – Bimah e.V. / Lehawa Berlin / Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg / Masorti e.V. für jüdische Bildung und Erziehung / Nata Merenkova / Mideast Freedom Forum Berlin e.V. (MFFB e.V.) / Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam / Dieter Nyst, E.H.U.D. Kassam-Rocket-Shield, Hermannsburg / Marja Oksanen / Olaf S. Ossmann / Nina Ossipova / Marina Perevosnikova / Gisela Psarras, Bremen / Monika Puginier, Berlin / Prof. Dr. Diethard Pallaschke, erster Sprecher und Vorsitzender SPME, Universität Karlsruhe / Lea Rosh, Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V. / E. Schafberg, 1. Vorsitzende Jung und Jüdisch Berlin e.V. / Marat Schlafstein, Berlin / Margrit Schmidt, Fotografin, Berlin / Martin Schulz, Journalist / Heinrich Schumann, Bremen / Aron (Micky) Siegbert, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde zu Berlin / Ulrike Sommer, Mitglied im Landesvorstand der Berliner SPD / René Stadtkewitz, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, CDU-Fraktion / Adriana Stern / Chana Steinwurz, Sprecherin des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus / Rita Stockmann, Wizo Berlin / Walter Sylten, Arbeitsgemeinschaft der Vertretungen politisch, rassisch und religiös Verfolgter, Berlin / Fanny Tepman, Berlin / Tuulikki und Kimmo Tepora, Friends of Israel, Finnland / David Usher, Vorsitzender der Elternvertretung der jüdischen Kindertagesstätte, Berlin / Boris Vainrub / Ina Vassilevskaia / Wissenschaftliche Gesellschaft WiGB bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin / Wizo e.V., Berlin / Yad Achat e.V. / Zentralrat der Juden in Deutschland / Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland e.V.“

Neben den offiziell Aufrufenden mobilisieren auch offene Rassist_innen wie politically incorrect und die Moschee-Gegner_innen der IPAHB zur Demo. Falls die entsprechenden Personen vor Ort erscheinen sollten, werden sie hoffentlich wie auf der diesjährigen Al Quds-Gegenkundgebung vom Veranstalter entfernt oder erhalten andersweitig Platzverweise.

EDIT:
Zur antisemitischen Mobilmachung, die in Deutschland wie in Europa im Allgemeinen zunehmend von der verbalen in die militante Phase übergeht, siehe
- Drohungen gegen pro-israelische Demo in Frankfurt
- Rostock: Angriff auf Haus der jüdischen Gemeinde
- Unna: NS-Soli mit Hamas
- „Eine Welle antisemitischer Gewalt schwappt durch Europa“


There goes the dog in the pan crazy!

04. Januar 2009

Während in Berlin die Linkspartei und andere Antiimps gemeinsam mit Hamas, Hisbollah und Grauen Wölfen marschieren, ereignet sich auch in anderen Städten und Ländern scheinbar Paradoxes:

In Frankfurt lässt der notorische Pfaffe Stoodt, sonst gerne zu Lippenbekenntnissen gegen Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus bereit, wieder einmal seinem inneren Luther freien Lauf und ruft zur Demo gegen Israel auf. Vorstellungsrepräsentanzen gibt einige Eindrücke dieser Versammlung, auf der u.a. deutsche und israelische Kriegsverbrechen gleichgesetzt, der Tod als Meister aus Israel dargestellt sowie eine israelische Fahne verbrannt wurde, wieder.

In Hamburg hält Norman Paech, außenpolitischer Sprecher der Linkspartei, emeritierter Professor für Öffentliches Recht und erklärter Gegner von Resolutionen gegen Antisemitismus auf einer Palästina-Demo vor 4.000 Brüdern und Schwestern eine Rede. Dabei weht dem großen Friedensfreund ständig eine Fahne des militärischen Arms der Hamas ins Gesicht.

In Griechenland diskutieren einer Übersetzung des Blogs München Pervers zufolge Linke, die offenbar nicht allein Mülltonnen und Luxusgeschäfte, sondern auch Synagogen gerne brennen sehen würden, und sich Sorgen um eminente Missstände in der israelischen Schweinefleisch-Versorgung machen.

UPDATE:
In der Frankfurter Zivilgesellschaft galt bisher die Maxime „Du sollst keinen Pfarrer neben Stoodt haben“. Doch nun steigt ein neuer Stern am Protest(anten)-Himmel auf: Ingo Roer vom AK Israel-Palästina in der Christus-Kirche, der in seinem Redebeitrag vom 31.12.08 den Bogen vom ordinären Antizionismus über den sekundären Antisemitismus bis hin zum primitiven Antijudaismus schlug:

„Ich bin ein Deutscher und ein Pfarrer. Als Deutscher werde ich mich nicht nur einfach schämen für die Regierung meines Landes, sondern ich bitte um Verständnis für das machtlose, von zu vielen Menschen verlassene, verurteilte, geschundene Volk in Gaza. Wen muß ich bitten? Meine Kirche, die Regierung, meine Landsleute? Alle?
Ich könnte mich nicht mehr als Mensch sehen, wenn ich Menschen als „Hamas“ etikettierte, um sie wie Tiere zu schächten und zu schlachten. Ich sehe mich als Mensch, wenn ich um das Leben bitte für die gequälten, beraubten Frauen und Kinder in Gaza.

Als Pfarrer fühle ich mich, wenn ich Gott um das bitte, was unter Menschen unmöglich zu sein scheint, einander die allgemeinen Menschenrechte zu gewähren bzw. die zehn Gebote zu halten.

Und wenn dieser Gott fragt: „Wo warst Du, Adam, das heißt Mensch, als Deutsche die Juden ermordeten?“, dann kann ich sagen: „Ich lernte damals erst laufen und die menschliche Sprache.“
Und wenn dieser Gott heute fragt: “Wo wart Ihr, als Israelis die Palästinenser in Gaza ermordeten?“
Wenn meine Enkelin fragt:“ Warum waren es so wenige, die gegen die Vernichtung der Palästinenser in Gaza protestierten?“


Palästina in Berlin – Demo 03.01.

04. Januar 2009

Der folgende Bericht zur gestrigen Palästina-Demo in Berlin wurde von einer Genossin für indymedia geschrieben. Da er dort mehrfach umgehend gelöscht wurde, sei er nun hier zur Dokumentation eingestellt.

„In Berlin demonstrierten heute zwischen 5.000 (eigene Schätzung) und 7.000 (Polizeiangaben) Menschen gegen die derzeitigen israelischen Militärmaßnahmen im Gaza-Streifen. Organisator war die Palästinensische Gemeinde Berlin, aufgerufen hatten neben diversen arabischen und islamischen Vereinen auch die Softcore-Islamisten der Milli Görüs (IGMG/IFB), die Muslimbruderschaft (IGD + Ibmus) sowie mit ATB/Alperen Ocakleri eine islamistische Abspaltung der türkischen Grauen Wölfe.

Am Marx-Engels-Forum, dem Startpunkt der Demo, wurde der Großteil der Demonstrant/innen in Vorkontrollen durchsucht, die Berliner Polizei bediente sich dabei wie üblich des rassistischen Profilings (‚dunkle Haut‘ = Moslem = Demonstrant/in). Am Auftaktort bot sich vor allem dank unzähliger Nationalflaggen, neben der palästinensischen auch die libanesische, saudi-arabische, türkische und deutsche, ein buntes Bild, das noch ergänzt wurde durch zahlreiche vorgedruckte Plakate und einige selbstgemalte Pappschilder. Auf diesen waren neben den üblichen Parolen à la „Kindermörder Israel“, „Israel tötet Zivilisten“, „Israel = Terrorist“, „Schluss mit dem Zionismus“ auch ein Schild mit der Aufschrift „Deutschland erwache“, in dem auf ein angebliches Bündnis von EU und Judentum (?), dargestellt durch Euro-Symbol und Davidstern, hingewiesen wurde. Bereichert wurde das Fahnenmeer durch mindestens zwei Hisbollah- sowie einige Hamas-Fahnen und mindestens eine Flagge der rechtsradikalen Grauen Wölfe. In friedlicher Eintracht hatten sich auch einige Vertreter/innen der Linkspartei eingefunden, die mit ihren Parteifahnen und einem blauen Banner mit Friedenstaube und „DIE LINKE im Wedding“ aufliefen. Desweiteren traten auf der linken Seite die Antizionisten von „REVOLUTION“ und ein kleines Häuflein mit einer schwarz-roten Fahne an.

Die Stimmung in der Demo war äußerst aggressiv, während der ersten halben Stunde wurden pausenlos die von den vier Lautsprecherwagen vorgegebenen Parolen lauthals mitgeschrien, darunter neben „Kinder- und Frauenmörder Israel“ auch „Zionisten sind Faschisten“. Zwar konnte die Demo-Leitung die angeordnete Trennung in einen Frauen-/Kinder- und einen Männer-Block zunächst nicht effektiv durchsetzen, ansonsten schien es aber zu keiner Zeit zu Auseinandersetzungen innerhalb der Demonstration zu kommen.

Als Fazit bleibt, dass nach Montag und Freitag am heutigen Samstag zum wiederholten Male einseitige anti-israelische Hetze auf den Berliner Straßen verbreitet werden konnte. Nicht nur gab es keine Distanzierung vom andauernden Raketenterror der islamistischen Hamas, es bot sich auch das paradoxe Bild, dass Linke und LINKE in einer Demo mit offenkundigen Islamisten, Vernichtungsantisemiten, Deutschland-Fans und Rechtsradikalen (Graue Wölfe) laufen. Die entsprechenden Linken stehen damit nicht nur rechts von Palästinser-Präsident Abbas, der die Hamas für ihre Aufkündigung der Waffenruhe kritisierte, sondern fallen auch allen Menschen in den palästinensichen Gebieten, im Libanon oder Iran in den Rücken, die als Gewerkschafter_innen, Kommunist_innen, Antifaschist_innen oder andersweitig Unangepasste unter dem Terror der rechten und islamistischen Kräfte zu leiden haben.

Es bleibt zu hoffen, dass sowohl diese verblendeten Linken mit der entsprechenden Kritik konfrontiert werden als auch zukünftige unheimliche Aufmärsche der Antizionist_innen zumindest gestört werden können.

Erste Medienberichte:
http://www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2310019520.php
http://www.morgenpost.de/berlin/article1008792/Tausende_protestieren_gegen_Isreals_Militaeraktionen.html“


Gegen Bilder – Für Israel!

03. Januar 2009

Die Figur der ‚belle juive‘, der ’schönen Jüdin‘ ist seit Jahrhunderten Bestandteil des mitteleuropäischen Selbstgesprächs über ‚die Juden‘. Elvira Grözinger beschreibt die Historie dieses Topos in ihrem 2003 erschienen Band „Die schöne Jüdin. Klischees, Mythen und Vorurteile über Juden in der Literatur“.

Laut literaturkritik.de

„weist sie darauf hin, dass jüdische und christliche Autoren häufig jüdische Frauengestalten aus der Bibel sowohl zu vorbildhaften „Heldinnen“ als auch zu „Opfern“ stilisiert haben. Vor allem männliche Autoren hätten ihnen verführerische und gefährliche Eigenschaften angedichtet. So sei neben dem Mythos des „hässlichen Juden“ das Klischee der „schönen Jüdin“ mit positiven und negativen Aspekten entstanden. Doch spielten nicht selten bei der Gestalt der „schönen Jüdin“, wie bei ihrem Gegenteil, dem antisemitischen Konstrukt des hässlichen Juden, die Mär von ihrer angeblichen zersetzenden, zerstörenden, ja tödlichen Macht eine Rolle.

Eine der berühmtesten schönen Jüdinnen, um die sich Mythen ranken, ist die biblische Heldin Esther. Schriftsteller wie Jean Racine und Musiker wie Georg Friedrich Händel haben sich mit dieser Gestalt befasst. Über Judith entstanden ebenfalls mehrere Opern. Auch in der bildenden Kunst und in der Dichtung tauchte sie auf, wie etwa bei Donatello, Gustav Klimt, bei Friedrich Hebbel, bei Jean Giraudoux und in Georg Kaisers „Die jüdische Witwe“.

[…]

Dabei besteht das jüdische Eigenbild der Jüdin, gibt die Autorin zu verstehen, seit der Bibel aus ganz anderen Komponenten als aus der körperlichen Schönheit, die bei vielen Verarbeitungen im Vordergrund stehen. Vorherrschend war im Judentum vielmehr das Ideal einer tugendhaften Frau, die Hüterin des Hauses und der Familie ist. Allerdings sei diese Sicht selbst Autoren, die sich als „Judenfreunde“ verstünden, durchweg fremd.“

Gabriele Kohlbauer-Fritz geht im gemeinsamen mit Sander L. Gilman herausgegebenen Sammelband zum „Bild des ‚jüdischen Körpers‘ in Mythos und Ritual“ auf die sexuellen Aspekte dieses Topos ein:

„Das Motiv der ’schönen Jüdin‘ […] ist ein mehr oder weniger vordergründig erotisches Bild und orientiert sich oft an biblischen Vorbildern wie Judith, Salome, Esther oder Rahel. […] In der Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts […] erfährt auch das Klischee der ‚belle juive‘ eine deutliche Sexualisierung. Die Jüdin ist durch die Taufe nicht mehr domestizierbar. Ihre Schönheit wird nicht nur als anziehend, sondern vor allem als bedrohlich empfunden, und sie dient als Projektionsfläche für unzählige Unterwerfungs- und Machtphantasien.“

Die ’schöne Jüdin‘ markiert also eine Schnittstelle von Sexismus und Antisemitismus. Der männliche Blick auf die weibliche Schönheit ist generell ambivalent, schwankt zwischen Anziehung und Abstoßung, zwischen Lust und Angst, zwischen Aggression und Unterwerfung. Ausdruck davon ist etwa der Mythos von der Vagina Dentata. In der ’schönen Jüdin‘ kulminiert diese Ambivalenz, da sie im Allgemeinen für das ‚Andere‘, die (ethnisch aufgeladene) Grenzüberschreitung steht wie auch im Speziellen mit den unzähligen Mythen über das reiche, entwurzelte und unvorstellbar mächtige Judentum aufgeladen ist. Ihre Sinnlichkeit wirkt anziehend und bedrohlich, wie sie auch im Kontrast zum gemeinhin als hässlich und schwächlich beschriebenen jüdischen Mann das Mysteriöse und Perverse des Judentums ins Unendliche steigert.

Der Topos der ’schönen Jüdin‘ gehört nicht der Vergangenheit an, sondern ist weiter virulent, vor allem in der Hochkultur , jedoch auch in popkultureller Form, wie das Cover der ‚Dummy‘-Ausgabe „Juden“ zeigt:

[via]

Vor diesem Hintergrund ist es umso fataler, wenn einige der eifrigsten Verteidiger Israels ihre Version der ’schönen Jüdin(nen)‘ präsentieren. Zwar ergänzt um Attribute der Wehrhaftigkeit bzw. als Pendant zu ’schönen Juden‘, dennoch auf der Klaviatur des deutschen Philosemitismus spielend – von der den Bildern impliziten Forderung, Frauen hätten gefälligst schlank und rank und langbehaart zu sein, ganz abgesehen.

Israel ist mit dem Posten schöner, Unschuld suggerierender Bilder nicht geholfen. Die Realität ist hässlich – auch die der israelischen Verteidigungsmaßnahmen. Solidarität heißt nicht Identität, Solidarität speist sich gerade aus der Differenz. Ihre Aufgabe ist die Abwehr des antisemitischen Feindes, nicht die Umarmung des (vermeintlichen) jüdischen Freundes. Nur radikale Kritik, deren positiver Bezug auf Israel sich aus dem Negativen – weil es ohne eine jüdische Armee noch schlimmer wäre – speist, kann eines Tages das Endes des Krieges gegen die Jüd_innen herbei führen. Bis dahin sollte ein Bilderverbot für links-, anti- und andere deutsche Blogger_innen verfügt werden.


2009 – Wie es wirklich war

02. Januar 2009

Horst Evers („Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen“) blickt zurück auf das Krisenjahr 2009:

Januar:
Wirtschaftsexperten haben herausgefunden, dass doch alles noch, noch viel schlimmer ist. Schlimmste Rezession seit der Geburt von Johannes Heesters. Um die Autoindustrie zu retten führt die Bundesregierung den Führerschein ab 15 ein.

Februar:
Unter großem Druck von sich selbst kauft die Bundesregierung, um die Automobilbauzuliefererindustrie zu stützen, 40 Millionen Autositze und verteilt sie an die Bevölkerung.
Die isländische Regierung entschließt sich unterdessen, um den Staatsbankrott abzuwenden, die komplette Insel an Playmobil zu verkaufen.

April:
Führerschein jetzt ab 12. Um die Zulieferfirmen zu stützen kauft die Bundesregierung 50 Millionen Sätze Winterreifen und verteilt sie an die Bevölkerung. Wenn man je zwei Reifen unter einen Autositz legt, hat man einen schönen Sessel. Ganz bequem eigentlich.

Juni:
Mittlerweile beschwert sich die Polstermöbelindustrie wegen der Gratisholzstühle. Die Regierung kauft 50 Millionen Sessel, Sofas oder Couchgarnituren und verteilt sie. Erste Privathaushalte murren, man wisse echt nicht mehr wohin mit den ganzen Sitzgelegenheiten. Für etwas Belebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt sorgt die Herstellung von vier Millionen Plastikhelmen und Plastikuniformen für die isländische Bevölkerung.

August:
Der Unmut in der Bevölkerung über die Sitzmöbelschwemme wächst. Um die Notwendigkeit der vielen Sitzgelegenheiten zu unterstreichen, erlässt der Bundestag ein Gesetz, nach dem fortan jeder Bundesbürger täglich wenigstens zwölf Stunden auf mindestens acht verschiedenen industriell gefertigten Sitzgelegenheiten zu sitzen hat. Unnötiges Stehen wird mit einer Strafabgabe geahndet. Zur Überwachung dieser Sitzverordnung hat Innenminister Schäuble bereits weitgehende Gesetzesänderungen veranlasst. An jedem bundesdeutschen Hintern wird wohl in Kürze eine Minikamera haften. Führerschein jetzt ab acht.

Oktober:
Tatsächlich ist alles noch viel, viel, viel schlimmer, als es schon schlimm war, als noch alles viel schlimmer war. Überall in Deutschland gibt es Proteststeher. Die Wirtschaftsweisen sagen, alles liegt nur an der Halbherzigkeit der Regierung.
Um die Automobilbauzulieferzulieferzulieferzulieferzulieferzulieferindustrie zu stützen, kauft die Bundesregierung zwei Milliarden Meter Autositzstoffe und verteilt sie an die Bevölkerung. Die Sendungen „Wie baue ich mir selbst einen Autositz?“ und „Kochen mit Autositzen“ werden zu den erfolgreichsten Fernsehformaten.
Auf Island kommt es zu Protesten. Immer noch weigern sich viele Isländer sich ausschließlich wie Playmobilfiguren mit steifen Armen, Beinen und Oberkörpern zu bewegen. Bilder von randalierenden Playmobilisländern gehen um die Welt. Playmobil bestellt 2.000 lebensgroße Plastikpanzer bei Matell.

November:
Um den Autobauern zu helfen beschließt die Bundesregierung, die Notenbank, das Münzprägerecht und die Steuerhoheit auf den Verband der deutschen Automobilindustrie zu übertragen. Die Wirtschaftsweisen sind sehr skeptisch, ob diese Maßnahmen ausreichen werden und zeigen sich enttäuscht von der Mutlosigkeit der Regierung.

Dezember:
Die Automobilindustrie nutzt die neu gewonnene Steuerhoheit und beschließt rückwirkend aufs Jahr eine Steuer auf alle Sitzgelegenheiten.

Was sonst noch so passierte: hier


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01. Januar 2009

„Der Name Fia klingt in unseren Ohren geschlechtsneutral. Wir werden im Folgenden die männlichen grammatischen Formen verwenden.“