Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück
24. Januar 2009Das Bündnis „Alles muss man selber machen“ hatte für den 14. Januar zu einer Demonstration nach Frankfurt gerufen, um „sozialen Fortschritt zu erkämpfen“. Entgegen ihres im Demo-Motto artikulierten Anliegens bestätigte die Demonstration Walter Benjamins Zweifel, ob die Revolution nicht statt der Marxschen Lokomotive der Weltgeschichte eher den Griff des Menschengeschlechts zur Notbremse darstellen müsste.
Aus unerklärlichen Gründen meinte die im Vorbereitungsbündnis neben den diversen Frankfurter Antifa-Gruppen reichlich vertretene Antiimp-Fraktion, die an sich regional ausgerichtete Demo müsse zwingend eine Verurteilung der IDF-Operation Gegossenes Blei artikulieren. Ansonsten stehe ein Rückzug aus dem Demo-Bündnis an. Statt sich nun über den in Aussicht gestellten Rückzug der reaktionärsten, chauvinistischen und am meisten antiimperialistischsten Elemente der Frankfurter Linken zu freuen oder zumindest die Frage aufzuwerfen, weshalb die Verurteilung der weit blutigeren Kriege in anderen Teilen der Welt den Antiimps nicht von Interesse scheint, einigte sich das Bündnis auf einen sogenannten Minimalkonsens, in dem unter dem frommen Titel „Schluss mit dem Morden, Töten und mit dem Leid der Menschen im Nahen Osten!“ u.a. ein Waffenstillstand, die „Aufhebung der Blockade und Öffnung der Grenzen“ und ein Verzicht auf „militärischen Lösungen“ gefordert wurde. Ganz linksidealistisch bekannte man sich zur „Wahrung der Menschenrechte“ und schloss mit der Phrase „Die Grenze verläuft nicht zwischen Staaten sondern zwischen Oben und Unten!“
Als ob die trotz der peinlich bemühten Auslassung des I-Wortes direkt gegen Israel gerichteten Forderungen, die gemeinsam von Hamas-Fan Hayati K. („Palästina von den Juden befreien“), den Rödelheimer Schlägern von Zusammen e.V. und der „progressiven“ (=fortschrittlichen) antifa [f] gezeichnet wurden, nicht schlimm genug seien, bildete sich auf der Demo auch noch ein palästina-solidarischer Block. Neben Nationalfahnen wurde auch ein Konterfei der PFLP-Ikone Leila Khaled spazieren getragen. Ob die Nähe der PFLP zum panarabischen Nationalismus, die zumindest indirekten Verbindungen zum Nationalsozialismus und die von der PFLP in den letzten Jahren durchgeführten suicide bombings gegen israelische Zivilist_innen Motiv oder lediglich Kollateralschaden der Ikonisierung darstellt, könnte wohl nur durch eine direkte Befragung geklärt werden.
Dass eine solche Kontaktaufnahme nicht ratsam ist, stellte der Block im Laufe der Demo unter Beweis, als er sich nach dem durch die Demo-Leitung erzwungenen Abbruch einer anti-israelischen Rede unter Drohgebärden am Lauti positionierte und damit beinahe eine Schlägerei größeren Ausmaßes provozierte.
Wer den Fortschritt im Munde führt, befördert also nicht (zwangsläufig) eine bessere Welt, sondern wie in diesem Falle lediglich das Fortschreiten der Gewalt, der Verdummung und des Antisemitismus. Anstatt eine solche Bewegung voran zu bringen, wie in dem Post-Antifa-Evergreen „Let’s push things forward!“, sollten ihr besser Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Der dem Stolpern folgende Aufprall könnte helfen, das verkehrte antiimperialistische Weltbild vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Weitere Informationen und Diskussionen bei unseren Frankfurter Korrespondent_innen lea , problem child und der sinistra!.

wesentlich deutlicher und endgültiger wird der diesbezügliche mist im text „ius ad bellum“ der gruppe morgenthau dargestellt.
Comment von effe — 25. Januar 2009 @ 00:26
nieder mit antifa [f]atah!!!
Comment von frnakfurter — 29. Januar 2009 @ 04:37
machste fotoblog oder was?
Comment von saltzi — 2. Februar 2009 @ 13:17
foto ist geklaut, digi gibs ers weihnachten.
Comment von waiting — 2. Februar 2009 @ 23:15
http://flickr.com/photos/saltyvin/2895528646/
Comment von saltzwurst — 3. Februar 2009 @ 01:12