2009 – Wie es wirklich war

02. Januar 2009

Horst Evers („Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen“) blickt zurück auf das Krisenjahr 2009:

Januar:
Wirtschaftsexperten haben herausgefunden, dass doch alles noch, noch viel schlimmer ist. Schlimmste Rezession seit der Geburt von Johannes Heesters. Um die Autoindustrie zu retten führt die Bundesregierung den Führerschein ab 15 ein.

Februar:
Unter großem Druck von sich selbst kauft die Bundesregierung, um die Automobilbauzuliefererindustrie zu stützen, 40 Millionen Autositze und verteilt sie an die Bevölkerung.
Die isländische Regierung entschließt sich unterdessen, um den Staatsbankrott abzuwenden, die komplette Insel an Playmobil zu verkaufen.

April:
Führerschein jetzt ab 12. Um die Zulieferfirmen zu stützen kauft die Bundesregierung 50 Millionen Sätze Winterreifen und verteilt sie an die Bevölkerung. Wenn man je zwei Reifen unter einen Autositz legt, hat man einen schönen Sessel. Ganz bequem eigentlich.

Juni:
Mittlerweile beschwert sich die Polstermöbelindustrie wegen der Gratisholzstühle. Die Regierung kauft 50 Millionen Sessel, Sofas oder Couchgarnituren und verteilt sie. Erste Privathaushalte murren, man wisse echt nicht mehr wohin mit den ganzen Sitzgelegenheiten. Für etwas Belebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt sorgt die Herstellung von vier Millionen Plastikhelmen und Plastikuniformen für die isländische Bevölkerung.

August:
Der Unmut in der Bevölkerung über die Sitzmöbelschwemme wächst. Um die Notwendigkeit der vielen Sitzgelegenheiten zu unterstreichen, erlässt der Bundestag ein Gesetz, nach dem fortan jeder Bundesbürger täglich wenigstens zwölf Stunden auf mindestens acht verschiedenen industriell gefertigten Sitzgelegenheiten zu sitzen hat. Unnötiges Stehen wird mit einer Strafabgabe geahndet. Zur Überwachung dieser Sitzverordnung hat Innenminister Schäuble bereits weitgehende Gesetzesänderungen veranlasst. An jedem bundesdeutschen Hintern wird wohl in Kürze eine Minikamera haften. Führerschein jetzt ab acht.

Oktober:
Tatsächlich ist alles noch viel, viel, viel schlimmer, als es schon schlimm war, als noch alles viel schlimmer war. Überall in Deutschland gibt es Proteststeher. Die Wirtschaftsweisen sagen, alles liegt nur an der Halbherzigkeit der Regierung.
Um die Automobilbauzulieferzulieferzulieferzulieferzulieferzulieferindustrie zu stützen, kauft die Bundesregierung zwei Milliarden Meter Autositzstoffe und verteilt sie an die Bevölkerung. Die Sendungen „Wie baue ich mir selbst einen Autositz?“ und „Kochen mit Autositzen“ werden zu den erfolgreichsten Fernsehformaten.
Auf Island kommt es zu Protesten. Immer noch weigern sich viele Isländer sich ausschließlich wie Playmobilfiguren mit steifen Armen, Beinen und Oberkörpern zu bewegen. Bilder von randalierenden Playmobilisländern gehen um die Welt. Playmobil bestellt 2.000 lebensgroße Plastikpanzer bei Matell.

November:
Um den Autobauern zu helfen beschließt die Bundesregierung, die Notenbank, das Münzprägerecht und die Steuerhoheit auf den Verband der deutschen Automobilindustrie zu übertragen. Die Wirtschaftsweisen sind sehr skeptisch, ob diese Maßnahmen ausreichen werden und zeigen sich enttäuscht von der Mutlosigkeit der Regierung.

Dezember:
Die Automobilindustrie nutzt die neu gewonnene Steuerhoheit und beschließt rückwirkend aufs Jahr eine Steuer auf alle Sitzgelegenheiten.

Was sonst noch so passierte: hier


1 Kommentar »

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  1. […] Richtig Rumtrampen erst wieder im Sommer, I guess. Und am Ende des Jahres dann der Rückblick. […]

    Pingback von classless Kulla » Blog Archive » Vorhaberei — 3. Januar 2009 @ 17:15

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