Kein Sex mit dem Ex II – Exkommunikation und Instrumentalisierung

14. August 2008

„Pure Ideologie“, „krude Ideen dieser linken deutschen Strömung, die nur auf die Abschaffung von Marktwirtschaft und Demokratie hinaus will“, „Religiösität zutiefst verabscheut“, „linksextreme Ideologie“, „kommunistisches Plansoll“, „totalitäres, antidemokratisches Spektrum“ – was sich liest wie ein Auszug zur DKP aus dem aktuellen Verfassungsschutzbericht, sind in Wahrheit Zitate aus einem Entgegnung von Ingo Way und Stefan Wirner auf Stephan Grigats letztwöchiges JungleWorld-Dossier „Mit Wimpel und Mützchen?“.

Auffällig an dem Text von Way/Wirner ist der Jargon, der sich nicht von dem Sound durchschnittlicher Totalitarismustheoretiker wie Jesse oder Backes unterscheidet. Hier wird kein eigener Gedanke formuliert, hier wird nur Ideologie in baukastentaugliche Sätze übersetzt – angezeigt auch durch den ungewöhnlich hohen Anteil an Zitaten von Grigat, der einen zwischenzeitlich glauben lässt, es mit einem Wiederabdruck des Grigatschen Dossiers zu tun zu haben. Resultat ist die komplette Absenz von Belegen oder Begründungen für die eigene Argumentation – hier wird nur unterstellt, angeklagt und empört. Die Voraussetzungen und der Maßstab der „Kritik“ bleiben im Dunkeln, werden nicht offen gelegt.

Letzten Endes scheint sich hinter diesen zwei Seiten beredter Sprachlosigkeit vor allem eines zu verstecken: die Fassungslosigkeit angesichts einer Bewegung, die sich mit einer verfolgten Gruppe solidarisiert, ihr dem Anspruch nach beistehen möchte in ihrem Abwehrkampf gegen Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung – ohne sich jedoch positiv auf dieses Kollektiv und sein Selbstverständnis zu beziehen. Diesen Widerspruch können Way/Wirner offenbar weder nachvollziehen noch begreifen. Die Schranke ihres Verständnis bildet dabei die bei Way schon länger, bei Wirner recht frisch erworbene Ideologie von Marktwirtschaft, Demokratie, Effizienz und Rationalität. In dieser Logik muss alles funktional sein, sich alles rechnen. Handeln muss sich lohnen, wirtschaftlich sein, Gewinn abwerfen – das Interesse an einer Sache geht automatisch mit einer moralischen oder materiellen Profiterwartung einher. Wer diesen Gewinn wie scheinbar die Antideutschen verweigert, die nach allen Seiten dem Versöhnen, dem Zusammengehen, dem Gemeinmachen eine Absage erteilen, der kann nach Way/Wirner entweder nur wahnhaft sein, oder doch heimlich berechnend, die Juden am Ende doch für die eigenen Zwecke instrumentalisierend („Juden als nützliche Idioten“).

Die identifizierende Denke der Neu-Liberalen sträubt sich gegen die Nicht-Identität, welche die antideutsche Israelsolidarität anleitet: für etwas einzutreten, ohne (notwendig) Teil desselben zu sein; für etwas einzutreten, dessen Grundprinzipien man eigentlich bekämpft; für etwas zu agitieren, das man lieber heute als morgen überwinden würde. Je mehr Way/Wirner selbst berechnen, einspannen, verwerten – die Juden, Israel, als Brücke zur falschen Versöhnung mit dem staatsförmigen Nachlassverwalter des NS, als Alibi für die Reintegration in die einst verhasste Gesellschaft, als Anschubfinanzierung für die eigene Karriere in der Mitte bzw. der Welt - desto vehementer betätigen sie sich als begriffslose Mahner vor den Manipulationsversuchen der Antideutschen. Je weniger sie noch die Erfahrung der realexistierenden Widersprüche der Gesellschaft zulassen, je mehr sie sich einpassen, eins werden wollen mit der Macht, desto mehr müssen sie den (scheinbar) antagonistischen Widerspruch in Form der Autonomen,
Antifa oder eben Antideutschen exkommunizieren.

[Gremliza-Modus]Was ich bereits in der Ausgabe 12/07 dieses Blogs über Ingo Way schrieb, besitzt auch weiterhin Gültigkeit:

„Die Bekämpfung solch gesamtgesellschaftlich irrelevanter Splittergruppen wie ‘der Antifa’ dient in keiner Weise irgendeiner politischen oder theoretischen Auseinandersetzung, wie der Begriff Debatte suggeriert, sondern ist den noch mit dem Stigma des Linksradikalismus behafteten Konvertiten Signal an die Macht, den Staat, um ihre Bereitschaft zu vollständiger Unterwerfung anzuzeigen. Straftaten? – Nicht mit uns! Wir sind anständig, wir sind wachsam, wir sorgen (virtuell) für Ordnung.

Nicht nur ordentliche Bürger werden so aus den transformierten Radikalinskis, sondern wahre Blogwarte, die sich gegen jede mit ihrer Vergangenheit assoziierte Abweichung richten. Dieser Prozess des Überläufers, der den vehementesten Feind seines ehemaligen Lagers gibt, ist so erbärmlich wie altbekannt, und ich ärgere mich bereits jetzt, für solche Konformisten die Zeit, die ein Blog-Posting beansprucht, verschwendet zu haben.“[/Gremliza-Modus]


30 Kommentare

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  1. ach, wie wahr, wie traurig, dass es wahr ist-und noch trauriger, dass dieser gedankenfreie, ja denkfeindliche hirnsiff in der jungle world erscheinen konnte.
    (fein natürlich auch der gremliza – modus, wo doch jeder bezug auf gremliza, diese „demagogische glucke“ (so die wertmüller-küken „hedonistsche mitte“),für leutchen á la way/wirner so was von abgeschmackt sein muss…)

    Comment von anonym — 15. August 2008 @ 13:42

  2. schoener Text, gelungene Kritik. chapeau!

    Comment von streifenstyle — 15. August 2008 @ 16:16

  3. „Aber unbegreiflich bleibt mir der Verlierer, der von ganzem Herzen Ja! zu dem System sagt, das immerzu Nein! zu ihm sagt.“

    http://jungle-world.com/heuteblog/310/

    Comment von ___-___ — 15. August 2008 @ 18:48

  4. […] diese replik von ingo way und stefan wirner hat vielleicht mehr zu bieten, als mein kommentar bei “tous et rien”. oder auch ganz im gegenteil, wie waity unterstellt. […]

    Pingback von dissidenz.olifani.de » “juden als nützliche idioten” — 16. August 2008 @ 03:07

  5. Ich würde sagen Schons hat recht und gebe mich abgeklärt: Grigath und Way/Wirner haben einander verdient.

    Da dreht sich doch die Debatte in Ermangelung einer Kontroverse mit der sog. „Restlinken“ vollends um sich selbst. Antideutsche Kritik war schon immer tendenziell ein Selbstgespräch der Linken untereinander. Allerdings gab es auch Zeiten wo dieses bitter nötig war. Sicherlich ist romantischer Antikapitalismus einfacher zugänglich als eine vernünftige Kritik, eben weil es dort nichts zu verstehen, sondern nur sich im Recht zu fühlen gibt. Die Kritik daran hat die Linke dank der Interventionen der Antideutschen entwickelt. Aber die Ikonen dieser Strömung bringen eben nichts wirklich neues zustande, statt dessen wird scheinbar der Tonfall in nächster Zukunft dennoch schriller.

    Comment von besserscheitern — 17. August 2008 @ 12:26

  6. […] Sinnlose Sommerlochdebatten sind auch eine gute Art die nachrichtenfreie Zeit mitten im Hochsommer zu überbrücken. Die Jungle World bekommt die Aufmerksamkeit, Wirner und Way die Aufträge bürgerlicher Zeitungen, letztendlich eine Win-Win-Situation, selbst für Stephan Grigat. Der kann sich nämlich in seinem Erfolg ruhmsonnen, dass sein mittelprächtiger Artikel zu einer hochprozentigen Debatte führt, an deren Ende mal wieder alle ganz genau wissen wo sie stehen. Wartezeit überbrücken kann wieder den stahlharten sowie linientreuen ‘Communisten’ raushängen lassen, Jolly Rogers linksdeutsche Ressentiments werden vom deutschliberalen Way bestätigt und Wirner, der vor seiner höchst persönlichen Wende als anti-antideutscher Hasadeur in der Jungle World Redaktion für Furore gesorgt hat, darf weiterhin den Hauptfeind der Menschheit attackieren, die doofen Antideutschen. […]

    Pingback von Bad Blog » By the Way, Wirner still hates antigerman… — 17. August 2008 @ 21:39

  7. naja, da machstes dir jez biszchen (hihi) einfach, wa!? zwar ist viel in die linke durchgesickert, vor allem in das antifa-segment, aber zum einen ist das kein statischer zustand, sondern ein dynamischer prozess, der sich nur durch dauerndes diskursives feuer halten und erneuern lässt (sollen ja auch mal frische leute nachwachsen …), und backlashes sind auch zur genüge zu beobachten, ablesbar an turns zum gsp, der antigentrification-bewegung (media spree versenken) oder dem altbekannten rückzug ins private mit entsprechendem ideologischen getöse, wie es way/wirner vorführen.
    zum anderen hat sich ja der eigentliche hauptgegenstand antideutscher kritik, die spezifisch deutsche ausgestaltung des kapitalverhältnisses, nicht verflüchtigt. leider ist das unter dem ganzen gewedele und der koran-erforschung etwas aus dem blick geraten.

    also lieber militante aufklärung statt saturierte abklärung.
    ;)

    Comment von waiting — 17. August 2008 @ 21:46

  8. „Wartezeit überbrücken kann wieder den stahlharten sowie linientreuen ‘Communisten’ raushängen lassen“

    hihi.
    hart wie stahl, zäh wie leder usw

    Comment von waiting — 17. August 2008 @ 21:49

  9. ingo way, einer der letzten aufrichtigen freunde der juden, zitiert wohlwollend eckhard jesse, der für die kaltstellung der ns-geschichte (‚historisierung‘), nicht jedoch hitlers votiert:
    hXXp://ingoway.wordpress.com/2008/08/07/zitat-des-tages-2/

    zu jesse, praktischerweise direkt bei way verlinkt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Eckhard_Jesse

    „Kritik löste die These aus, der Nationalsozialismus habe in Deutschland einen Modernisierungsschub bewirkt, wie sie in dem Sammelband „Schatten der Vergangenheit“ von Backes und Jesse vertreten wird. Andere Autoren des Sammelbandes forderten, Deutschland solle aus dem „Schatten der Vergangenheit“ heraustreten. Zusammen mit Backes und Zitelmann war Jesse in diesem Sinne für eine „Historisierung“ des Nationalsozialismus eingetreten. Damit, so konkret- und Freitag-Autor Otto Köhler, wolle Jesse einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der deutschen NS-Geschichte ziehen und einen Anknüpfungspunkt für einen „positiven Nationalismus“ schaffen.[5]

    1998 kam es zu Protesten, als HAIT-Mitarbeiter Lothar Fritze in seiner Antrittsrede die moralische Rechtfertigung des Hitler-Attentäters Georg Elser hinterfragte. Zwar befürwortete Fritze das Attentat, zweifelte aber an Durchführung und ethischer Begründung. Nachdem sich Backes und Jesse hinter den Mitarbeiter gestellt hatten und eine Distanzierung ablehnten, verließ u. a. der US-amerikanische Historiker Saul Friedländer den Beirat des Instituts und warf dem HAIT eine Relativierung von NS-Verbrechen vor.“

    Comment von waiting — 17. August 2008 @ 22:28

  10. und backlashes sind auch zur genüge zu beobachten, ablesbar an turns zum gsp

    schlicht zurecht. ich meine. schau dir doch mal an, was für verschwurbelten blödsinn 80% der antideutschen textproduktion so sind. dahlmann, bruhn, nachtmann, grigat, scheit – was von denen ist denn gute theorie, bitte?

    Comment von bigmouth — 17. August 2008 @ 23:37

  11. das mit der modernisierung kann man debattieren, finde ich. ist doch die frage, ob das nicht ein proto-fordismus war. (und die moderne ist ja nicht per se was gutes, nicht wahr? ;) ). den rest nicht.
    way ist eben ein strammer nationalliberaler.

    Comment von lahmacun aka Laura — 18. August 2008 @ 00:00

  12. @ bigmouth:
    bruhn + scheit kann man nicht so abtun, lies mal die alten sachen, und grigat ist halt durchschnitt, holzt seit jahren das selbe runter.

    @ laura:
    das ist halt albern, jesse/backes wollen da ja nicht auf die dialektik der moderne raus, sondern den ns retten, der ja „nicht nur schlecht“ war.

    Comment von waiting — 18. August 2008 @ 00:15

  13. @waiting: ja, schon klar, die mag die herren auch nicht. nur stellt sich halt die frage, ob sie in ihrer apologie den ns nicht doch besser treffen als antideutsche, die was von negativer aufhebung labern. dahrendorf hat übrigens genau das gleiche geschrieben. – bei den kapitalisten war der ns eben notwendige modernisierung (und die shoah nebensächliches), die die demokratie und bühende marktwirtschaft nach 1945 erst ermöglichte. von negativer aufhebung quatscht man dort nicht, dazu ist man zu ehrlich, da macht man sich nichts vor.

    Comment von lahmacun aka Laura — 18. August 2008 @ 08:05

  14. ich sollte in der früh keine kommentare verfassen, weil ich zu dieser zeit offensichtlich nicht einmal mehr die grammatischen grundregeln im griff habe. erschreckend.

    keynes hat hitler für die ns-wirtschaftspolitik gelobt. aber keynes war definitiv kein kommunist.

    Comment von lahmacun aka Laura — 18. August 2008 @ 08:07

  15. […] Mehr über die Antwort von FdoG-Ingo und Ex-Jungle-Stef auf Grigats Einlassungen zum Philosemitismus steht bei waity: Kein Sex mit dem Ex II – Exkommunikation und Instrumentalisierung. […]

    Pingback von classless Kulla » Blog Archive » Aus der offenen Gesellschaft — 18. August 2008 @ 14:01

  16. „naja, da machstes dir jez biszchen (hihi) einfach, wa!? zwar ist viel in die linke durchgesickert…“

    Ich nehme mal an das galt mir. ;) Diesen Aspekt des Dynamischen Charakters von Bewegungen lasse ich bei dem Argument in der Tat immer zu weit außen vor (und bekomme ihn dann korrekterweise um die Ohren gehauen). Andererseits finde ich Bigmouths Einwand nicht so verkehrt. Die ganze ISF Clique zitiert sich immer schön untereinander und simuliert damit einen Diskurs.

    Ich hab mittlerweile ein mulmiges Gefühl, wenn ich in der Uni vor einem weder linken noch gar antideutschen Publikum mit den Perspektiven des ISF ankomme. Das hat indem Fall aber den Vorteil, dass dieses Publikum dann erstmal diese sehr spezielle marxistische Leseart erklärt bekommen möchte und man dann selber öfter drüber nachdenkt, ob das alles so plausibel ist. Am Welterklärungstresen in der linken Kneipe um die Ecke wird ja immer sehr viel einfach durchgewunken.

    Comment von besserscheitern — 18. August 2008 @ 17:37

  17. […] , sagt Wartezeit überbrücken, und hat, obschon selbst weblogger, vollkommen recht. […]

    Pingback von Zum Zustand der post-antideutschen Szene: eine kleine langweilige Umschau | der letzte hype — 18. August 2008 @ 21:30

  18. „Andererseits finde ich Bigmouths Einwand nicht so verkehrt. Die ganze ISF Clique zitiert sich immer schön untereinander und simuliert damit einen Diskurs.“

    ein zitatkartell wie andere auch, oder?
    dass es in freiburg eine menge blinder flecken gibt, ist seit tocotronic klar … bruhn ua denken sehr eindimensional, kriegen geschlecht, kolonialismus usw. überhaupt nicht unter, klar, trotzdem gehören sie in den besseren texten m.e. zu den wenigen, die sich am denken kapitalistischer totalität jenseits von ableitungsmarxismus und sozialerevolutions-romantik versuchen.

    Comment von waiting — 18. August 2008 @ 22:01

  19. neben die definition des wortes borniert gehört dieser auszug aus einem user-kommentar in ways blog:

    „Ganz abgesehen davon – was mich betrifft ist das, was du Kommunismus nennst, bereits verwirklicht. Meine Partizipation am gesellschaftlichen Reichtum richtet sich nach meinen Bedürfnissen. Ist das bei dir eigentlich nicht so? Niemand anderes als ich selber entscheidet, ob ob ich eher das Bedürfnis nach Cola oder nach Bionade habe. Meine Bedürfnisse sind Grundlage meines Wirtschaftens – ganz abgesehen davon dass ich durchaus auch Bedürfnisse habe, die beim besten Willen nichts damit zu tun haben, was du “Partizipation an gesellschaftlichem Reichtum” nennst.“

    Comment von waiting — 18. August 2008 @ 23:13

  20. Gibt es etwa einen Unterschied zwischen Bedarf und Bedürfnis?!

    :-)

    Ewiges Highlight aus dem Way-Universum bleibt aber das hier: http://www.classless.org/2006/07/27/freunde-der-offenen-gesellschaft-vs-kritische-theorie/

    Comment von classless — 19. August 2008 @ 12:35

  21. „Danach gab es aus dem recht konsterniert wirkenden Publikum die Frage, ob denn da bei Adorno nicht noch etwas mit Dialektik gewesen sei, worauf Ingo Way zugab: “Mir ist nicht klar, wozu Dialektik gut ist.” Holmes darauf: “Dialektik im Denken ist nicht schlecht, aber es gibt keine Widersprüche in der Realität.”

    :)

    Comment von waiting — 19. August 2008 @ 22:56

  22. ganz unrecht haben sie aber nicht. es gibt interessenwidersrpüche, aber das sind nicht in dem sinne widersprüche, wie zB in der logik.

    und über dialektik sagen 100 verschiedenen leute 100 verschiedene sachen. deswegen sagen ja auch theoretisch sehr unterschiedlich positionierte leute, dass man immer sehr keitisch sein sollte, wenn jemand das D-Wort benutzt

    Comment von bigmouth — 19. August 2008 @ 23:59

  23. „keitisch“?

    Der Punkt, daß sie recht demonstrativ gar keine Position dazu vorgetragen haben und die ganze Angelegenheit einfach beiseite wischen wollten. Parteiausschlußverfahren eben.

    Comment von classless — 20. August 2008 @ 18:37

  24. „es gibt interessenwidersrpüche, aber das sind nicht in dem sinne widersprüche, wie zB in der logik.“

    noe.
    zb muss ich arbeiten zwecks existenzsicherung, andererseits untergrabe ich dadurch wieder meine existenz (krankheit, verschleiß, umweltzerstörung) -> realer widerspruch. oder: ich bin auf den schutz von recht und polizei angewiesen, solange ich im kap. lebe, andererseits können mich andere fraktionen derselbem institution (armee) in den tod an der front schicken.

    Comment von waiting — 20. August 2008 @ 23:17

  25. das ist aber eben nicht dassselbe wie ein widerspruch in der logik. das problem ist, dass viele leute aber sehr oft in texten so tun, als wäre es das. und dann daraus ableiten versuchen, deswegen müssten diese notwenedig zur abschaffung führen oder so. das ist schlicht humbug

    Comment von bigmouth — 22. August 2008 @ 00:19

  26. jedenfalls ist es mehr als ein interessenswiderspruch, wenn ich mit ein und der selben tätigkeit zugleich meine existenz erhalte UND untergrabe. oder mich von denen schützen lasse, die mich unter anderen umständen töten. oder, andere ebene, von männern zugleich souveränität und härte verlangt wird und andererseits anforderungen an emot. intelligenz + neue väterschaft usw gestellt werden.

    wen meinst du mit „leuten“ in „texten“?

    Comment von waiting — 22. August 2008 @ 00:48

  27. das ist aber trotzdem ein anderer sachverhalt als „x ist gerade und ungerade“ oder „ein nichtausgedehnter körper“

    ich muss noch mal nachschauen, aber ich glaube, diese arguemtnationsfigur findet sich häufig, auch schon bei marx. das ist halt dieser hegelianismus, der sich immer wieder einschleicht. vollkommen deutlich grotesk zb in engels „dialektik der natur“. dialektik als bewegungsgesetz usw

    Comment von bigmouth — 22. August 2008 @ 10:04

  28. @bigmouth: es gibt auch in der logik nicht nur den einen widerspruch. und dialektische widersprüche sind eben nur als bewegung begreifbar. zum beispiel der beginn der wissenschaft der logik bei hegel: sein und nichts schließen sich gegenseitig aus (widerspruch!) sind allerdings über das werden vermittelt, wobei werden nur als bewegung begriffen werden kann. das ist ein anderer widerspruch als bspw. eine antinomie, oder der satz der identität, der ja gerade eine widerspruchslosigkeit der logik fordert. demgegenüber ist die gesellschaftliche bewegung (und gesellschaft ist auch nur als bewegung zu verstehen) eine durch antagonismen hindurch. so im kapital der widerspruch von toter und lebendiger arbeit, von abstrakt-allgemeiner und konkreter arbeit usw.

    Comment von overdose — 22. August 2008 @ 11:38

  29. ich werde halt den verdacht nicht los, dass dialektik schlicht humbug ist

    Comment von bigmouth — 22. August 2008 @ 12:20

  30. […] der schlechtwettersommer neigt sich dem ende zu und neu entfachte liniendebatten lenken vom noch schlechter werdenden wetter ab. gescheit wäre, wie dieser unlängst gegen die neocons way und wirner adornierte, […]

    Pingback von bash vs. staat: der ball ist auf der linie « vorstellungsrepraesentanzen — 23. August 2008 @ 19:55

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