Jahn 2.0

30. Juni 2008

Der Lindwurm basht Arnd Krüger, Professor am sportwissenschaftlichen Institut der Uni Göttingen. Krüger hatte auf einer Tagung verlauten lassen, die während der Olympischen Spiele 1972 in München entführten und ermordeten israelischen Sportler seien „freiwillig in
den Tod gegangen, um Israel zu nutzen“. Grund sei das „unterschiedliche Körperverständnis“ der Israelis, welches u.a. im Willen, behindertes Leben um jeden Preis zu vermeiden, und einer exorbitant hohen Abtreibungsrate indiziert sei.

Um Krügers Antisemitismus angemessen einschätzen zu können, müsste man wohl seine Ausführungen genauer kennen (der Volltext ist mir nicht bekannt). Aus dem oben
Zitierten lassen sich aber bereits mehrere Klassiker des Ressentiments herauslesen:

- die Juden sind selbst schuld an der Aggression und Mordlust, die ihnen entgegenschlagen
- die Juden lassen sich freiwillig umbringen („wie die Schafe zur Schlachtbank“)
- die Juden sind auch nicht besser als ihrer fanatisierten Gegner, die Nazis und Islamisten, die
ihr Leben ebenso einer ‚höheren Sache‘ opferten
- die Juden teilen die Nazi-Ideologie vom ‚auserwählten Volk‘, das von unwertem Leben
gereinigt werden müsse
- die Juden sind (sexual)moralisch verkommen und regeln ihre soziale Reproduktion nicht in
natürlicher Manier
- die Juden sind durch eine Übermacht des weiblichen Geschlechts korrumpiert, die männlichen
Juden können ihren Samen nicht ordnungsgemäß weitergeben, das Judentum ist verweiblicht

Dass die Abtreibungsrate in Israel (1997) 50% unter der US-amerikanischen Quote lag, stört einen deutschen Metaphysiker wie Krüger nicht. Schnöde Empirie war schon immer im Wege, wenn es galt, kulturelle oder rassische Unterschiede zu konstruieren.

Btw kann man in diesen Tagen wunderbar die deutsche Variante hochspezialisierter Arbeitsteilung beobachten: während der gutsituierte Professor auf Fachtagungen akademisch verbrämt über die Juden raunt und das Auswärtige Amt über sein Outlet, das Hessische Institut für Friedensforschung, den Ex-Vizeaußenminister Irans zum Propagieren von Holocaustleugnung und der Zerstörung Israels einlädt, pöbelt der Mob auf der Straße „Wir bauen eine U-Bahn von Spanien nach Auschwitz“.


2 Kommentare

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  1. echt ekelhaft dieser typ. das die göttinger uni immer noch reagiert hat, ist mir echt schleierhaft. aber die akademische bürokratie scheint eher daran interessiert den vorgang möglichst klein zu halten… der dvs schwafelt ebenfalls nur schwammig rum, anstatt sich kräftig zu distanzieren. aber verurteilung von antisemitismus und antizionismus ist denen zu sehr standpunkt. akademische freiheit muss es schon geben.

    eine ähnliche diskussion gibt es grad in potsdam um einen verhinderten vortrag der bdv-vorsitzenden erika steinbach…

    Comment von machnow — 1. Juli 2008 @ 19:25

  2. in der dvs nimmt immer noch henning eichberg an tagungen teil, die dvs müsste sich wenn dann von sich selbst distanzieren.

    Comment von Laura — 2. Juli 2008 @ 20:06

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