Date Berlin

30. Juni 2008

Zwecks Spreading Da Word wie Steigerung meines kulturellen Kapitals im Folgenden einige wichtige Berliner Termine der nächsten Wochen:

04.-06.07.08 Linke BuchTage @ Mehringhof,
u.a. mit Helmut Reichelts Neuer Marx-Lektüre, dem Christlichen Antisemitismus der Jungen Freiheit, Kittkritiks Deutschlandwunder, Heinz Steinerts Forschungen zur Dialektik der Aufklärung, Christian Schmidts Street Art, dem Nationalsozialismus und seinem Geschlecht, den Deutschen und ihrem Fussball sowie den radikalen Juden.

Dummerweise demonstriert am Samstag zeitgleich die gesammelte Berliner Linke anlässlich des 15. Jahrestages der Abschaffung des Rechtes auf Asyl für „Solidarität ohne Grenzen“ aka „globales Recht auf Migration“. Interessens- und Gewissenskonflikte vorprogrammiert.

Weiter im Text:

11.07.08 @ berghain
Shackleton, Appleblim, Mala and more

30.07.08 @ Watergate
Troy Pierce/Konrad Black

Außerdem folgende Ausstellungen:

bis 04.07.08 @ Brückenstr. 1
Urban Art Society Berlin

bis 28.07.08 @ Martin-Gropius-Bau:
Jewgeni Chaldej-Retrospektive

ab 05.07-03.08.08
urban affairs @ Brauerei Friedrichshöhe
(ft. den tollen Bimer und El Tono, leider auch den Antisemiten Noaz (Palästina = kleines Kind/Mutter, das von Israel bedroht wird), der hoffentlich von Just gecrosst wird)

01.-30.08.08 we b*girlz-Festival @ various places/Berlin
(ft. alles, was female HipHop aufzufahren hat … u.a. Roxanne Shanté (tbc), Bahamadia, Martha Cooper-Exhibition, Yarah Bravo und diverseste Graff-Artists und B-Girls)


Jahn 2.0

30. Juni 2008

Der Lindwurm basht Arnd Krüger, Professor am sportwissenschaftlichen Institut der Uni Göttingen. Krüger hatte auf einer Tagung verlauten lassen, die während der Olympischen Spiele 1972 in München entführten und ermordeten israelischen Sportler seien „freiwillig in
den Tod gegangen, um Israel zu nutzen“. Grund sei das „unterschiedliche Körperverständnis“ der Israelis, welches u.a. im Willen, behindertes Leben um jeden Preis zu vermeiden, und einer exorbitant hohen Abtreibungsrate indiziert sei.

Um Krügers Antisemitismus angemessen einschätzen zu können, müsste man wohl seine Ausführungen genauer kennen (der Volltext ist mir nicht bekannt). Aus dem oben
Zitierten lassen sich aber bereits mehrere Klassiker des Ressentiments herauslesen:

- die Juden sind selbst schuld an der Aggression und Mordlust, die ihnen entgegenschlagen
- die Juden lassen sich freiwillig umbringen („wie die Schafe zur Schlachtbank“)
- die Juden sind auch nicht besser als ihrer fanatisierten Gegner, die Nazis und Islamisten, die
ihr Leben ebenso einer ‚höheren Sache‘ opferten
- die Juden teilen die Nazi-Ideologie vom ‚auserwählten Volk‘, das von unwertem Leben
gereinigt werden müsse
- die Juden sind (sexual)moralisch verkommen und regeln ihre soziale Reproduktion nicht in
natürlicher Manier
- die Juden sind durch eine Übermacht des weiblichen Geschlechts korrumpiert, die männlichen
Juden können ihren Samen nicht ordnungsgemäß weitergeben, das Judentum ist verweiblicht

Dass die Abtreibungsrate in Israel (1997) 50% unter der US-amerikanischen Quote lag, stört einen deutschen Metaphysiker wie Krüger nicht. Schnöde Empirie war schon immer im Wege, wenn es galt, kulturelle oder rassische Unterschiede zu konstruieren.

Btw kann man in diesen Tagen wunderbar die deutsche Variante hochspezialisierter Arbeitsteilung beobachten: während der gutsituierte Professor auf Fachtagungen akademisch verbrämt über die Juden raunt und das Auswärtige Amt über sein Outlet, das Hessische Institut für Friedensforschung, den Ex-Vizeaußenminister Irans zum Propagieren von Holocaustleugnung und der Zerstörung Israels einlädt, pöbelt der Mob auf der Straße „Wir bauen eine U-Bahn von Spanien nach Auschwitz“.


Post(?)-Faschistischer Antiziganismus in Italien

29. Juni 2008

In Italien sollen die Fingerabdrücke aller Roma inklusive ihrer Kinder aufgenommen und digital gespeichert werden (mehr).

Zur Verhinderung dieser rassistischen Volkszählung wurde nun eine Petition against the ethnic filing of Rroms in Italy initiiert:

„SAY NO to the the ethnic filing of the Rroms – with or without fingerprints’ record

The Home Minister of Italy and member of North League, Roberto Maroni, announced recently that he intends recording the fingerprints of Rroms located in Italy. In the most cynical way, he justifies this measure by the need to protect the children!

This proposal has been widely criticized by Italian politicians, culture’s personnalities, by civil society, the Council of Europe and the European Commission, but Mr. Maroni continues despite everything to defend his proposal.
Berlusconi government is criticized in Europe and in democratic world for its persecution policies towards the Rroms. In its 27th June editorial, The Independent qualified this behaviour a «spasm of cruelty» and the party of Mr. Maroni as a « notoriously xenophobic » one. The editorial ends with this lapidary statement : « Every act of popular violence against foreigners, every instance of official discrimination against the Roma, diminishes the country’s claim to be regarded as a civilised nation.»

We fully agree and say NO to this proposal, which recalls the darkest years of European and world history! Let us not forget that the Rroms were often « guinea pigs » of repression and extermination policies, as those Rromani children from Czech on which the Nazis tested the „Zyklon B“ before generalizing its use it in the gas chambers.

Sign the petition against any ethnic filing of the Rroms and prevent the return of the brown plague“

Die Petition wurde von der EveryOneGroup lanciert, einer menschenrechtlich orientierten Initiative in Italien, die sich im Gegensatz zum großen Teil der dortigen Linken den Kampf gegen den sich pogromartig austobenden Antiziganismus und die Solidarität mit den von staatlicher wie volklicher Repression bedrohten Roma zu eigen macht.


Totalität

28. Juni 2008

Deutsche gegen Deutsche.


Homophobe Arschlöcher

08. Juni 2008

Scheiss auf Analyse:
scheiss Homophobe – scheiss Kreuzberg – scheiss EM – scheiss Deutschland.

Homophober Überfall nach Drag-Festivall

In der Nacht vom 07. auf den 08. Juni kam es in Berlin-Kreuzberg zu einem brutalen homophonen Übergriff.

Sieben Gäste des Drag-Festivalls, dessen Abschluß-Party an diesem Abend im SO36 stattfand, wurden auf dem Nachhauseweg am Mariannenplatz von mehreren Männern aus drei vorbei fahrenden Autos mit homophoben Sprüchen bepöbelt. Diese sprangen kurz darauf aus ihren Wägen und begannen auf die Gruppe einzuschlagen. Die Angreifer rissen sie zu boden und traten weiter auf sie ein, wobei eine der Angegriffenen ihr Bewustsein verlor. Kurz darauf flüchteten die Täter. Die Betroffenen trugen zahlreiche Prellungen und Platzwunden davon, eine der Betroffenen musste am 8. Juni auf Grund heftiger Blutungen aus dem linken Ohr in die Ambulanz eingeliefert werden.

Das dies kein Einzelfall ist belegen die Ereignisse der letzten Zeit. Im Rahmen der „Gayhane“-Veranstaltungen im SO 36, welche von einem Publikum mit vorwiegend türkisch-stämmigen Hintergrund besucht werden, kam es in letzter Zeit ebenfalls immer wieder zu Angriffen dieser Art. Die Täter sammeln sich hierzu meist gezielt in den Seitenstraßen um Gäste der Party abzupassen. So ist es auch nicht verwunderlich, das auf einem der Autos, aus denen heraus die Gäste des Drag-Festivalls angegriffen wurden ein Aufkleber der Grauen Wölfe klebte.

„Dies ist allerdings kein „migrantisches“ Problem, wie es von deutschen Rechtspopulist_Innen gern dargestellt wird. Auch viele Teile des bierseeligen deutsche Fußballpublikums in der Oranienstraße ließen es sich nicht nehmen die Gäste des Festivalls, die in ihren Augen nicht heterosexuell genug aussahen, zu beschimpfen und somit eine unangenehmes Klima vor dem Veranstaltungsort zu erzeugen“ so eine der Organisator_Innen des Festivalls.

Um auf den Übergriff, aber auch auf das in letzter Zeit immer offenere homophobe Klima in Kreuzberg aufmerksam zu machen, wird am 9. Juni, ab 19 Uhr auf dem Mariannenplatz eine Demonstration unter dem Motto „Smash Homophobia!“ stattfinden.

http://www.drag-festival.net

[via]


Locker gelogen: Das Erlebnis Deutschland

07. Juni 2008

einestages, die „Zeitgeschichten auf SpiegelOnline“, bedienen sich zur Geschichtsvermittlung des Web2.0-typischen user generated contents. Das spart Kosten, simuliert Nutzernähe und erzeugt den Anschein von Authentizität: statt staubtrockenener Historiker_innen, deren Ergüsse sich wie in Fließtext umgewandelte Formularauszügee lesen, berichten „Zeitzeugen“ ihre eigenen Erlebnisse: sie „waren selbst dabei, sie haben es mit eigenen Augen gesehen“. Der oral history-Turn, in die Breite des Volkes gebracht durch die Produktionen von Guido Knopp, hält im Internet Einzug. Da darf denn nun auch der Sohn des Wehrmachtssoldaten endlich die Geschichte seines Vaters („der Kessel war die Hölle auf Erden“) und damit des „größten Desasters der Weltgeschichte“ – der militärischen Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg – erzählen, die üblichen Phrasen von all den soldatischen „Tugenden“ und zugleich „hochtraumatischen Erlebnisse“ an der Front inklusive – alles übergossen mit einer klebrig-menschelnden Soße aus Sentimentalität, falscher Empathie und Selbstmitleid.

Wo Zeugnisablegen als Methode der Wahrheitsfindung in ihr Gegenteil, die Lüge, verkehrt wird, da lauert der Nationalismus als größte Lüge überhaupt schon um die Ecke. In Zeiten der fussballinitiierten Normalitätseuphorie drängt sich diese Lüge feist ins Rampenlicht. Bei einestages tritt Monique Bienge – eine 17jährige schwarz-rot-blonde Brandenburgerin, die durch ein zufällig entstandenes Bild beim PublicViewing 2006 auf die Titelblätter der Presse geriet – als Charaktermaske der nationalistischen Lüge auf. Auf dem Foto sieht man ein für Mainstream-Verhältnisse recht attraktives, doch nicht überdurchschnittlich schönes Mädchen mit blonden Haaren, rasierten Achseln, einem unschuldig-weißen Top und den üblichen Insignien des Party-Patriotismus (bemalte Wangen, Schal usw.). Inmitten eines Fahnemeeres schreit sie auf den Schultern eines Freundes sitzend ihre Begeisterung für ihr Team, ihr Volk, ihr Vaterland heraus. Die massenhafte Verbreitung des Bildes war wohl kein Zufall, symbolisiert sie als jugendlich-poppige, nett-unaggressive (die süßen Zähnchen!) und weibliche Person inmitten nationaler Farben doch genau das Bild, welches die Deutschen damals sich selbst und der Welt präsentieren wollten: harmlos wie ‚kleine Mädchen‘, doch geschlossen wie eine Division von Elite-Soldaten.

Dieser Widerspruch zwischen hedonistischem Feierwillen und unbedingter Uniformität findet sich auch im „Zeitzeugenbericht“ von Bienge wieder. Zunächst versucht sie die Genese ihres Fantums zu erkunden, muss aber selbst die Waffen strecken („kann ich eigentlich gar nicht genau sagen“) und verweist auf ein ominöses, in ihr lange „schlummerndes Fussball-Gen“. Der Gen-Mythos wird schon im nächsten Satz wieder dementiert, erweist sich hier doch das unreflektierte Mitmachen als Movens der Fussballbegeisterung: „Wenn jeder deiner Freunde selbst Fußball spielt und ständig zu Spielen fährt, dann findest du das auch toll und rutscht da einfach so hinein.“
Am Spieltag selbst waren selbstverständlich alle „in bester Laune“, angekommen am Brandenburger Tor schließlich tauchte man ein in die „riesige Menschenmenge in Schwarz-Rot-Gold“. Beeindruckend sind die Parolen wie „Deutschland vor, noch ein Tor“, die „einstimmig“ erschallen. Die sonst selbsverständliche Trennung von den Mit- bzw. Gegenmenschen scheint aufgehoben in einer vorher unbekannten Kollektivität: „So ein Gefühl hatte ich noch nie erlebt, ein solches Miteinander! Jegliche Scheu und Distanz war verflogen.“ Selbst das typische Nörglertum der Deutschen, die sich sonst bei jedem Ast des Nachbarn, der über den eigenen Gartenzaun ragt, zum Gerichtstermin verabreden, war verflogen, was Bienge ungläubig festhält: „Ein Mann hinter mir regte sich nicht etwa darüber auf, dass ich ihm die Sicht versperrte, nein, er fragte mich gutgelaunt, woher ich denn die coole Sonnenbrille hätte. Prompt bot ich ihm ein Tauschgeschäft an: seinen famosen Deutschland-Schal gegen meine Sonnenbrille. […] Ohne zu zögern, schlug er ein.“

Mit dem Schal bestückt, stimmt die sonst stille Bienge einen Schlachtgesang an und animiniert die Umstehenden zum Mitsingen: „Irgendwie kam ich mir stark und selbstbewusst vor. Dabei schlottern mir bei Referaten in der Schule gewöhnlich vor lauter Angst die Knie“

Die eigene Stärke hängt direkt am Erfolg der 11 Repräsentanten der Nation auf dem Platz: „Als das erste Tor fiel, lief es mir kalt den Rücken runter – so überwältigte mich die Stimmung. Alle jubelten und lagen sich in den Armen, obwohl man sich gar nicht kannte. So hatte ich Deutschland noch nie erlebt und ich war in dem Moment richtig stolz, dazuzugehören. Gemeinsam zog man die Luft durch die Zähne, sobald sich die Situation vorm Gegnertor zuspitzte und raunte zusammen bei jeder knapp verpassten Torchance. Nirgendwo gab es schlechte Laune oder Aggressionen. Man fühlte sich wie eine große Familie. Ein berauschendes Gefühl.“

Die Menge verschmilzt, schaltet sich selbst gleich, die Differenzen zwischen den Stilen, Geschlechtern, Klassen treten in den Hintergrund zugunsten einer Einheit, die bis in die kleinsten Bewegungen reicht. Deutschland ist kein Ideal mehr, keine geschichtliche Verpflichtung oder eine normative, in Verfassungsform gegossene Ordnung, sondern ein Erlebnis, ein Gefühl, eine fast vorbegriffliche, unfassbare, mytische Atmosphäre. Von der Qualität des Spiels, überhaupt vom Sport, ist an keiner Stelle die Rede, auch der Gegner wird mit keinem Wort erwähnt – von Bedeutung ist allein die Stimmung, welche die Masse zusammenschweißt.

In all der Beschwörung von guter Laune und Feierei aber ist schon die Aggression als Option aufbewahrt:
„Der Abpfiff tat der Stimmung keinen Abbruch. Klar, wir hatten ja auch gewonnen! Euphorisch grölten sich die Menschen auf der Straße zu, während sie den Heimweg antraten.“

Glück gehabt, Deutschland hat gewonnen – ansonsten wäre das Grölen wohl weniger euphorisch, mehr bedrohlich ausgefallen. Wie jede Party zu ihrem Schluss kommt, so auch die WM, deren Ende Bienge folgendermaßen rationalisiert:

„Nach der WM war dann allerdings wieder alles wie vorher. Die Leute waren nicht mehr so aufgeschlossen; von dem Miteinander war nichts mehr zu spüren. Das stimmte mich ein wenig traurig. Trotzdem: Ich habe den „Ausnahmezustand WM“ sehr genossen und möchte ihn niemals missen. Für mich war es ein Märchensommer“

Das „Miteinander“ war also lediglich ein „Märchen“ – dass es ein wahres Miteinander aller Menschen geben könnte, wird so als naive Mär abgetan. Die identische Masse zerfällt, dem Viewing-Erlebnis beraubt, wieder in ihre mikrosozialen Einheiten – Dorf, Familie, Schulklasse, Clique, RZB, Subjekt. Das Erleben des und die Erinnerung an den „Ausnahmezustand“ stabilisiert jedoch den von jeglicher Träumerei gesäuberten Normalzustand – die Traurigkeit, die Abkapselung, die Ignoranz und die mörderische Konkurrenz. Einerseits scheint der Nationalismus damit über die isolierten, spektakulär begangenen Eruptionen hinaus an Bindungskraft zu verlieren – andererseits besteht mittlerweile keine wahrnehmbare, öffentlich formulierte Opposition gegen die nationale Unterwerfung mehr. Die Jugend und die Linke, zeitweise Horte von zumindest selbstbezüglichem Desinteresse (Grunge, z.B.) oder politischem Antagonismus, sind über das Party-Ticket beinahe total integriert. So blieb es denn 2006 Kleingrüppchen wie der auf Autobeflaggung spezialisierten autonomen Müllabfuhr oder einer Kampagne der Naturfreundejugend vorbehalten, einige Sandkörnchen ins Getriebe der neuesten deutschen Einheit zu streuen.

Gerade diese quantitativ absolut vernachlässigenswerte Minorität einiger Tausender wurde medial äußerst misstrauisch beäugt und mit Sonderberichterstattung belegt – man denke nur an die Hetze gegen den Verfasser der Broschüre gegen das Deutschlandlied, Benjamin Ortmeyer. Das Aufbauschen der Wirkmächtigkeit des Anti-Nationalismus und das zwanghafte Schielen auf das Ausland – erst vor wenigen Tagen fragte gmx.de „Mag UNS denn niemand?“ – indiziert die nicht nur zeitliche Beschränktheit von „Stärke“ und „Selbstbewusstsein“. Schließlich fundiert der Stolz auf die Nation schon rein begriffsmäßig auf dem Nichts, der leeren Abstraktion der nationalen Identität, für die keine allgemeingültige Definition gefunden werden kann. Zusätzlich aber wissen die deutschen Bienges, dass sie im Gegensatz zur Population manch anderer Länder im Grunde nichts miteinander anfangen, ohne nationalen Anlass nicht einmal ein ordentliches Fest auf die Beine stellen können.

Die Brüchigkeit der Verbindung zwischen den isolierten Subjekten evoziert eine Aggression, die sich 2006 vor allem nach der Niederlage gegen Italien in Schmährufen, Boykottaufrufen und Angriffen auf italienische Fans und Einrichtungen Bahn brach. Der „Focus“ wärmt für die EM nun wieder die Mär von den linken Nestbeschmutzern auf und lügt unter dem Titel „Aufwärmphase für Deutschland-Hasser“: „Die Linke würde Fußballfans am liebsten aussperren.“ Zum Zwecke der Denunziation wird das Leipziger „Conne Island“ zum Linkspartei-Projekt, dessen „anonymes ‚Kollektiv‘ […] Fans der Ballack-Elf praktisch Hausverbot“ erteile. (Man stelle sich bloß das Gesicht der süßen Monique Bienge vor, die von Anonymen Linksradikalen mit quasi-faschistischen Methoden am Besuch einer Veranstaltung, die sie sowieso nicht interessiert, gehindert wird.)

Als Sturmgeschütz der demokratischen Rechten weiß der „Focus“, dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelt, sondern um eine linke Marotte, die – sich rapide ausbreitend – eine wahre Gefahr für 80 Millionen Bürger_innen darstellt:

„Für die Partei, die immerhin gerade zum Sturm auf die West-Parlamente ansetzt, dient der Deutschland-Hass nicht zum ersten Mal als Kitt fürs Linke Wirr-Gefühl. […] Der merkwürdige Hass auf das eigene Land scheint auch auf andere linkslastige Organisationen überzuschwappen.“

Während „Millionen Deutsche zur WM 2006 plötzlich ein lockeres und europataugliches Verhältnis zu ihrem eigenen Land entdeckt[en]“, steht die Linke als regierungsuntauglich, verkrampft, verschlossen und irrational-wirr da. Dass die Lockerheit in millionenfacher Person es nötig hat, sich in Denunzierungen und Pathologisierungen völlig jenseits journalistischer Sorgfalt gegen eine Veranstaltung mit einem Teilnehmerkreis im zwei- oder dreistelligen Bereich oder drei pubertierende Mitglieder der Grünen Jugend zu ergehen, zeigt die dunkle Seite der Lockerheit an. Locker sitzt bei den Mehrheitsdeutschen vor allem eines – die Bereitschaft, Abweichler aus den eigenen Reihen oder Gegner aus dem Ausland mit Häme, Spott und, im Ernstfall, Schlägen zu überziehen. Leider deutet nichts auf eine Trendwende hin zu einer nationalen Verkrampfung hin.


Feminismusliebe und Gummipuppensex

07. Juni 2008

Endlich mal wieder eine Headline, die google-Treffer en masse sichert.

Aus Gründen der politischen Korrektheit seien hier auch noch die Links zur entsprechenden, selbstverständlich hochkritischen Diskussion um das Für und Wider der Zweisamkeit mit Gummipuppen nachgetragen:
beim (auf? im?) mädchenblog gings los, bei scheckkartenpunk gehts weiter.