Immer noch.

31. Mai 2008

„Seit 40 Jahren sind die palästinensischen Bürger für Tel Aviv Freiwild ­ wie die Juden unter Hitler.“ [pdf, via]

TelAvIvo, hilf uns doch – den Rotfuchs gibt es immer noch!


Abnormale Tagung

21. Mai 2008

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Sabotage in Iran

20. Mai 2008

Wo wir gerade schon dabei sind:
in Iran, wo das Gesundheitsrisiko bei Streiks über einen verdorbenen Magen durch den Verzehr ranziger Bratwürste hinausgeht, bedient sich die Belegschaft einer Schifffabrik im südlichen Landesteil erstaunlich militanter Methoden bei der Durchsetzung ihrer Forderung nach Lohnauszahlung. Das IWSN berichtet:

„Sadra workers go on strike and cut off the shipyard’s electricity

Today, 14 May, the workers of Sadra Shipbuilding in Bushehr, southern Iran, went on strike. They managed to cut off the electricity supply of the Sadra industrial island, where the oil and gas platforms are built. As a result all production came to a standstill for a number of hours.

The main reason for this strike, which involved 500 people, was because the workers have not been paid last month’s wages. After the electricity was cut off the shipyard’s management held negotiations with the workers’ representatives. The managers promised the workers that all their backpay will be paid by Monday [19 May].
After these negotiations the workers agreed to go back to work provisionally.“

[via entdinglichung once again]

Außerdem befinden sich laut entdinglichung derzeit 6.000 Arbeiter_innen der staatlichen Zuckerfabrik Haft Tapeh in Streik. Rock on!


Morgenrot in Ägypten

20. Mai 2008

Das linke israelische Challenge Mag über die jüngsten Arbeiterproteste in Ägypten und die neuen Perspektiven der säkularen Linken:

„There is another encouraging sign as well. Until now, in the absence of a workers‘ movement, the section of the Left that sought to distance itself from Mubarak had no population to work with, so it limited its activity to supporting the Palestinian national movement. In the year 2000 it backed the Intifada, and especially Hamas, which it saw as leading the resistance. Now, however, the workers‘ struggle has made a new approach possible, neither national nor Islamic. It is opening a third, internationalist alternative. Since the start of the awakening, the labor movement has provided the Left with its natural environment, and there is the feeling that leftist forces are again on their feet.

The new labor movement in Egypt has put the working class on the map, both locally and in the wider Arab world, which suffers from similar economic, social and political conditions. The echoes from Mahalla have penetrated the world as a whole. That is the movement’s most important achievement to date. It has shown that the choices in the Arab world need not be confined to Islamic fundamentalism or secular dictatorship.“

[via entdinglichung, of course]


Wenn das Es dem Über-Ich Beine macht …

19. Mai 2008

Welche einen veritablen intellektuellen Amoklauf in Zeitraffer beobachten möchte, der sei ans Herz gelegt, die aktuellen Postings des Evangelen H.-C. Stoodt im Blog der Anti-Nazi-Koordination nachzulesen. Eine Laufstrecke, für die Andere Jahre oder zumindest Monate benötigen, legt das Über-Ich der Frankfurter Zivilgesellschaft binnen weniger Tage zurück. Ob Wetterauer Dorfnazis oder antiziganistische Pogrome in Italien, ob Bundeswehreinsätze in Afghanistan und Libanon oder der alte Koks-Kotze-Komplex – nichts ist vor Stoodts Fahndung nach antideutschen, also bellizistisch-rassistisch-kriegstreiberischen Elementen der Zersetzung sicher.

Dass dabei nicht einmal ein Mindestmaß an journachristlicher Sorgfalt – ob Stoodt auch das Johannes-Evangelium im Alten Testament verortet oder die Hugenotten für eine buddhistische Exil-Sekte hält? – an den Tag gelegt wird, versteht sich von selbst. Schließlich müssen die 5 Mitglieder eines weltpolitisch unbedeutenden Polit-Zirkels zu einer Bedrohung des Friedens in Frankfurt, Deutschland und dem Stoodt so Nahen Osten aufgeblasen werden. Was als notorisches Geltungsstreben eines Don Quijote der Moral gelesen werden könnte, ist jedoch zugleich das typische aufgeblasene Ich eines latenten Antisxxxxen, dessen Es ihm einflüstert, von Feinden umgeben zu sein, die ihm zugleich lächerlich winzig („Sekte“) und monströs-mächtig erscheinen.

Besonders manifest wird sein Verlust jeglichen Differenzierungsvermögens – Denken heißt unterscheiden! – in einem auf dem Blog eingelegten Zwischenspurt, in dem er die jüdisch initiierten, jedoch an sich überkonfesionellen und (konservativ-)zivilgesellschaften Organisationen Honestly Concerned und I like Israel wider besseres Wissens dem „Bereich ‚antideutscher‘ Positionen“ zuordnet:

„ILI, Politically Incorrect und Honestly Concerned haben, und das war mein beispiel einer Zusammenarbeit von Kräften aus dem bereich “antideutscher” Positionen, HC und PI, im Sommer 2007 gemeinsam gegen die jüdische Kommunistin Felicia Langer gehetzt. das ist unbestreitbar.“

Es bleibt zu hoffen, dass Stoodt, bevor er zum Endspurt ansetzen kann, die Luft ausgeht und er aus dem Rennen aussteigt. Ausnahmsweise würde ich mich sogar mal freuen, wenn jemand den justizophilen Pfarrer mit seinen eigenen Waffen schlägt und der Rennleitung Bescheid gibt – gilt die Insinuation, das Eintreten für die politische Emanzipation der Jüd_innen in Form des Staates Israel sei „antideutsch“, nicht als Volksverhetzung?

P.S.
Übrigens, auch wenn an dieser Stelle völlig fehlplatziert, möchte ich hiermit ein für allemal klarstellen, dass entgegen der Unterstellung anonymer Internet-Spekulanten weder mein bürgerliches noch mein digitales Ich identisch mit einer Userin namens „AN-A“ ist.


Strippenzieher im Hintergrund – Der Marburger Kühnl und die Frankfurter Schurken

14. Mai 2008

Nachdem in der bundesdeutschen Linken wahlweise die Politik der kalten Schulter – jede Subströmung werkelt vor sich hin und bemüht sich, die konkurrierenden Ansätze soweit als möglich zu ignorieren – oder der warmen Umarmung – man nehme alles, was sich links nennt, mische Post-Op, Wertkritik und Mülltonnen-Riot und nenne sich progressiv – obsiegt hat, und die vom großen Vorsitzenden Justus W. einst so energisch geforderte Spaltung in Antideutsche und Antiimps außer den Kommentator_innen im Kotzkübel kaum noch einen Hund hinter dem Ofen hervorlockt, regt sich seit einiger Zeit in einem kleinen, aber tapferen Dorf Widerstand gegen die formierte (linke) Gesellschaft. Das Dorf nennt sich Frankfurt, und dort hat sich eine Art Debatte entsponnen, in der andauernd neue Fronten gebildet, *ismus-Vorwürfe ausgetauscht, Ausschlüsse gefordert und Drohungen ventiliert werden.
nada gibt einen unvollständigen Überblick über die seltsame Gemengelage. Neben sinistra! vs. morgentha sind die S.O.S. (Schurken Ohne Staat) und deren Portal www.kritischebildung.de (hihi) derzeit der heiße shit in crack city. Eine Erklärung der S.O.S. zu den „Frankfurter Zuständen“ ist bereits der eher lahmen Polemik der neocommunistinnen
sowie dem wie Joachim Bruhn auf Speed klingenden Pamphlet der Anti-Left Cocaine Communists zum Opfer gefallen.

Viel geschrieben, viele Gräben gezogen und befestigt, viel Blut, Schweiß und Tränen vergossen – neue Erkenntnisse über die Weisheite von 2001 ff. hinaus aber weitgehend Fehlanzeige. Angesichts der steinerweichenden Dummheit der S.O.S. kein Wunder. Dennoch an dieser Stelle der Versuch, diese Auseinandersetzung in ein anderes, eventuell fruchtbareres Licht zu stellen, indem der theoretische Background der S.O.S. beleuchtet wird. Theorie ist zuviel der Ehre, bestehen die S.O.S.-Pamphlete doch im Kern nur aus einer Aneinanderreihung von Fremdzitaten und den in unterschiedlichen Variationen eingestreuten Begriffen Rassisten und Kriegstreiber. Doch fällt schon seit einer legendären Veranstaltung vor einigen Jahren, wo ein S.O.S.ie seinen Wehrmachtsopa gegen Nazi-Unterstellungen in Schutz nahm, immer wieder der Name Kühnl, wenn es um eine angeblich tiefschürfende, materialistische Faschismusanalyse geht. So auch auf kritischebildung.de:

„Ein Standardwerk, das eine sehr gute Übersicht über den Faschismus gibt ist die Quellen- und Dokumentensammlung von Reinhard Kühnl: Der deutsche Faschismus.“

Wie es um Kühnls Antifaschismus bestellt ist, kann man sich schon nach seinem Kommentar zur Goldhagen-Debatte 1997 denken, als es aus ihm gegen den jüdischen Miesmacher herausbrach: „Wir Deutschen dürfen uns den antifaschistischen Widerstandskampf nicht nehmen lassen“.

Doch gemach, keine Vorverurteilung: treten wir Anti-Deutschen einen Schritt zurück und betrachten zunächst die Denke des Mentors und väterlichen Freundes Kühnls, des Widerstandskämpfers und Politikwissenschaftlers Wolfgang Abendroth. Johannes Agnoli stellte dessen Ansatz in einem Beitrag unter dem Titel „Das deutsche 68. Theoretische Grundlagen und geschichtliche Entwicklungen einer Revolte“ (in: SoZ – Sozialistische Hefte für Theorie und Praxis, Nr. 16/’08, im Original von 1989) folgendermaßen dar:

„Abendroth hatte eine Schule gegründet, die eine auf die sozialistische Produktionsweise gestützte, radikale soziale Demokratie anstrebte, eine Demokratie jedoch, die sich bereits in der Bonner Verfassung als vorgestellt und vorgeschlagen sah. Objekt der Kritik war also nicht so sehr der Verfasssungsstaat oder die Verfassung, sondern eine von den Bedürfnissen der großen ökonomischen Gruppen und den Interessen der Bourgeoisie dominierte Politik, die sich weigerte, die Verfassungsbestimmungen zu verwirklichen. Der „verfassungsrechtliche Weg zum Sozialismus“ brachte also einen Kampf gegen die politische Klasse und die vermeintliche Missregierung mit sich, Missregierung nicht im italienischen Sinne des Wortes verstanden, sondern als Auflösung des demonkratischen Inhalts des Staates – eine Position, die wir heute bei den deutschen ‚Grünen‘ wiederfinden. Im Zentrum der Kritik stand demnach der „Bruch zwischen Norm und Wirklichkeit“; die Verfassungsnorm war zu wahren, die politische Wirklichkeit zu verändern.“

Genau dieses Beharren Abendroths auf den bürgerlichen Idealen, die vom Kapitalismus bloß korrumpiert würden, ihm also äußerlich, dem Sozialismus aber innerlich wären, zeichnet auch seinen Schüler Kühnl aus, wie das kosmopolitbureau nachweist:

„Schon seit Jahren propagiert Kühnl die allgemeine Durchsetzung des Rechtszustandes, den er durch den in der bürgerlichen Gesellschaft praktizierten Konkurrenzkampf, in dem das Recht des Stärkeren herrscht, behindert sieht. Er glaubt, auf Grundlage der Menschenrechte eine „politische und moralische Alternative zum real existierenden Kapitalismus“ formulieren zu können: „Die allgemeinen Menschenrechte setzen die Gleichheit der Rechte für alle Menschen voraus, und sind eine Negation dieses anderen Prinzips: Naturgesetz ist, daß der Stärkere sich durchsetzt, und der Schwächere auf der Strecke bleibt.“

Es bedarf einer über der Gesellschaft stehenden institutionalisierten Zwangsgewalt, die über die Einhaltung des prekären Friedens wacht. Nur wenn man Polizeiknüppel, Gefängnis und finalen Rettungsschuß nicht als Gewalt betrachtet, kann man behaupten, daß diese mit der Durchsetzung der Menschenrechte verschwindet.
….
Die Versöhnung mit dem geläuterten Staat ermöglicht die Demokratie, die Regierung mit Zustimmung der Regierten. Kühnl berauscht sich an den Zauberwörtern „Volkssouveränität“ und „Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Der in den Menschenrechten „angelegte“ Widerspruch zwischen Freiheit und Zwang ist verschwunden: Freiheit und Zwang fallen jetzt unmittelbar zusammen. Alles ist gut. Nur seltsam, irgendwie will sich das versprochene Paradies nicht so recht einstellen. Das ist Kühnl natürlich nicht entgangen, und darum fällt ihm etwas ein: Menschenrechte und Volkssouveränität seien eben noch nicht genügend „verwirklicht“.

Der an sich gute Staat, der eine soziale Demokratie sein könnte, ist durch böse Kapitalisten und ihre Freunde gekapert worden. Der Inbegriff der Usurpation ist deshalb die Steuerhinterziehung, mit der die Kapitalisten das Volk um das betrügen, was ihm legal zusteht. Da gilt es allerlei Verschwörungen aufzudecken, mit denen „der enorme und ständig wachsende gesellschaftliche Reichtum gezielt in die Hände einer kleinen privaten Minderheit geleitet wird“.

Wie sein Lehrer Wolfgang Abendroth begeistert sich Kühnl für das Grundgesetz, besonders für Artikel 14, der u. a. besagt, daß der Gebrauch des Kapitaleigentums nicht nur dessen Vermehrung, sondern „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit“ dienen müsse.“

Wie nahe der Faschismusforscher Kühnl seinem Forschungsobjekt steht, zeigt seine Schein-Kritik des Nationalsozialismus:

„Kühnl wirft [Hitler] allen Ernstes vor, die Deutschen um die Volksgemeinschaft betrogen zu haben: „Volksgemeinschaft wird als bereits bestehend, mit der Existenz des Volkes von Natur aus gegeben dargestellt, so daß die bestehende Herrschaft als gerechtfertigt erscheint und eben diejenigen, die die Klassenherrschaft überwinden und die wirkliche Volksgemeinschaft damit erst herstellen wollen, als Unruhestifter und Volksfeinde diffamiert werden können.“

Der Strasser-Flügel der NSDAP habe, so Kühnl, „die theoretische Basis des Marxismus übernommen“ und sich gegen „die Reduzierung des nationalen Sozialismus auf den Antisemitismus“ gewandt, ja eine „eindeutig klassenkämpferische Linie“ vertreten. Eben deshalb sei er 1934 von dem heuchlerischen, mit dem Monopolkapital verbandelten Hitler ausgeschaltet worden.“

Doch welche die „wirkliche Volksgemeinschaft“ ersehnt, die kann künstliche Gesellschaften, Staaten ohne Tradition und echtes Volk, nicht ertragen. So auch Kühnl, der laut kosmopolitbureau weiß:

„Israel ist auf – „manches sträubt sich da in mir, das so zu benennen“ – „Siedlungskolonialismus“ gegründet. Das sei eine Form der Kolonisierung ohne „Abstammungsland“. „Die Leute, die da hin kommen, haben kein (..) Vaterland.“ So etwas könne man lediglich mit der Besiedlung der USA vergleichen.
….
Israel begehe, so Kühnl, „Völkerrechtsbruch“ und sei ein „Besatzungsregime“, „das hat die Friedensbewegung in Israel selbst gesagt.“
….
Dem „kritischen“ Kühnl drängt dann sich auch sofort die mittlerweile rhetorische Frage auf, wie „Israel das denn durchhalten kann, wenn das Völkerrecht doch so ist“. Schuld ist, wer hätte das gedacht, die „Hegemonialmacht“ USA. … „Die Bastion Israel muß“ deshalb für „die USA voll verfügbar sein“, weil es ja den Anspruch der arabischen Staaten gebe, über ihr Öl selbst zu entscheiden, deshalb seien sie für die USA „Schurkenstaaten“. Besonders perfide ist das Argument, Israel hätte so viele UN-Resolutionen gebrochen, „aber der Irak soll dafür bombardiert werden.“ Die unausgesprochene Konsequenz dieser Logik wären Bomben auf Israel.“

Dass Kühnl zu guter Letzt die suicide bombings legitimiert und sein persönlich-politisches Problem mit Israel durch Gleichsetzungen mit dem NS endzulösen sucht, sei hier nur noch der Vollständigkeit halber angemerkt:

„Kühnl […], der am 8. November 2002 in seiner Rede gegen das „Problem Israel“ zu dem Ergebnis kam, die Bomben-Anschläge auf Busse und Pizzerien seien „marginal“ und außerdem legitim („Die jungen Palästinenser sagen: ,Wir haben ja nur unsere Körper‘“, romantisierte und rechtfertigte Kühnl die an Juden verübten Massaker; ein Gedicht von Erich Fried vorzulesen, in dem Juden in die Nähe der Nazis gerückt werden – „Nun seid ihr geworden wie sie“–, ist sowieso bei allen anti-israelischen Veranstaltungen obligatorisch.)“

Es ist ebenjener Duktus des Marburger Antiimperialismus, der die S.O.S. vom „Kampf vieler deutscher Arbeiterinnen und Arbeiter gegen den Faschismus“, von der „Kritik vieler NGO‘s an der Arbeitsweise (schlechte Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit usw.) von kapitalistischen Großunternehmen wie beispielsweise Coca Cola, Nike“, von Israel als „Besatzungsregime“ schwadronieren lässt und ihnen die folgende Ungeheuerlichkeit diktiert:

„Die gesellschaftliche Form und die wirtschaftliche Produktionsweise, die Auschwitz erst ermöglicht haben, wirken in Deutschland und in Israel, wie auch in jedem anderen kapitalistischen Nationalstaat weiter.“

Doch, wie am Beispiel ihres Vordenkers Kühnl ausgeführt, nicht eine besondere Radikalität ist es, die S.O.S. gemeinsam mit ordinären National-Sozialisten zur projektierten Zerschlagung Israels treibt, sondern gerade eine Schein-Revolte, die sich radikal gebärdet, jedoch äußerst konformer, konservativer Natur ist. Ihr bei allen Absatzbewegungen doch tief verwurzeltes Verhaftetsein in den Formen von Kapital, Staat, Recht und den korrespondieren Idealen von Freiheit und Gleichheit und die Verbundenheit mit dem proletarischen Flügels des deutschen Volkes sind es, die sie zwangsläufig in die antisemitische Hetze und die zugehörige gewalttätige Praxis treiben. Dem dermaßen verhärteten Wahn ein Ende setzen könnten nur täglich wiederholte Schläge auf den Hinterkopf mit der Adorno-Gesamtausgabe – doch wer fände sich bereit, ein solches Opfer zu bringen?

UPDATE:
Kritische Würdigung der S.O.S. seitens der sinistra! aus dem Jahr 2006


Alles ist die Sekte

13. Mai 2008

„Welche Rolle der gerade aktuell von “antideutschen” Sekten wie der “Gruppe Morgenthau“, “Gruppe 8. Mai“, oder gar “wartezeit überbrücken … bis zum communismus” unterstütze Islamhass im größeren Zusammenhang dabei spielt, der […] auch mit “Honestly Concerned” oder, in gleicher Front, offenen Rassisten wie “Politically Incorrect” zusammenarbeitet, fasst ein soeben veröffentlichter Artikel von Knut Mellenthin zusammen. Dieser Zusammenhang umfasst die Kooperation staatlicher Stellen mit dem Ziel der Etablierung eines präventiven Sicherheitsstaats, die imperialistische Militarisierung der Außenpolitik mit der Stoßrichtung in den Mittleren Osten, die Aufwertung offener Faschisten wie etwa der italienischen Alleanza Nazionale – und eine Nummer kleiner kann man in Anbetracht der Innenansicht Frankfurts hinzufügen: und den kleinbürgerlich-gewaltfaszinierten Fremdenhaß wie zB. in Frankfurt-Hausen.“

[hihi]


Kein Dancefloor in Auschwitz – Zum 8. Mai

09. Mai 2008

Eine Rede von monochrom.at [via] zum 08.05.05, die sich aus österreichischer Perspektive mit dem Tag der militärischen Niederschlagung des Nationalsozialismus beschäftigt und sich nicht der in der Antifa und der angeschlossenen Blogosphere virulenten Abziehbilder eines heroischen Triumphes bedient:

„Gedenken wir der je 20 Russen und Russinnen, die in einem kaum vorstellbaren Vernichtungskrieg auf einen gefallenen Deutschen oder Österreicher kamen, und was sonst noch auf deren Seite mitlief.
Gedenken wir aber nicht des Opfers, das unsere russischen Brüder und Schwestern brachten, um die entfesselte deutsch-österreichische Nazi-Bestie zu überwinden.
Gedenken wir ihrer vielmehr als Menschen, als Brüdern und Schwestern, indem wir ihnen nicht in der Diktion des europäischen Militarismus gedenken, der die Nazis mit ihren alliierten Gegnern im Sinne einer Kontinuität verbindet. Ehren wir sie, indem wir ihnen nicht den militaristischen Krampf einer Ehrung antun. Glorifizieren wir nicht ihr Leiden, ihre Schmerzen und die Gewalt, in der sie umkamen, indem wir sie zur militärischen Leistung verkitschen.
Täuschen wir uns nicht durch gut geöltes und alteingesessenes Militärvokabular darüber hinweg: Die meisten von ihnen starben nicht freiwillig. Sie starben nicht für ihr Vaterland, ihr Volk oder ähnlichen Müll. Sie starben auch nicht für Stalin und sein Regime, wie sie nicht für den österreichischen Nationalstaat, die Ehre der österreichischen Nation oder das jetzt errichtete pluralistische Regime starben. Ihr Sterben war kein Opfer, sondern Sterben.
Sie kämpften und starben, weil ihnen keine Wahl blieb.
Sie kämpften und starben, weil sie die faschistische Vernichtungsmaschine bedrohte.
Sie kämpften und starben, weil zu kämpfen und dadurch vielleicht zu überleben, ihre einzige Chance war, vielleicht zu überleben.
Und sie starben, weil sie eben keine Soldaten und Soldatinnen waren, will sagen: keine gut ausgebildeten und gut ausgerüsteten Kampfmaschinen, sondern Menschen, die sich in äußerster Notwehr gegen den Faschismus warfen. Oder von Stalin geworfen wurden.
Menschen, die den Faschismus nicht dank soldatischer Tugenden mit Mut, Tapferkeit und Umsicht im Morden bezwangen, sondern nur durch die schier unvorstellbare Masse, als die sie sich der deutsch-österreichischen Vernichtungsmaschine entgegen warfen, um sie zu stoppen. Und dabei hier zu Hunderttausenden starben.
Denn wir sollten nicht so feige sein, sie aus durchsichtigen Gründen zu lauter kleinen John Waynes zu verkitschen, um darüber zu vergessen, dass die ethnischen Konsequenzen der faschistischen Theorie und Praxis große Teile der BewohnerInnen der Sowjetrepublik ganz unmittelbar betrafen. Sie wurden als Untermenschen geführt, betrachtet, behandelt und in kaum fassbarem Ausmaß ermordet.
Ich möchte heute all dieser Russen und Russinnen gedenken und ihnen danken, ohne dabei in den soldatischen, den militaristischen Tonfall und seine Phrasen zu verfallen, der schon viele tausend Jahre hindurch Leid und Elend in die Welt gebracht hat.
Ich möchte ihrer nicht in markigen Phrasen von Pflicht und Ehre, von Einsatz und Heldenmut gedenken. Ich will keine Kampfmaschinen, keine Körperpanzer aus ihnen machen, und was dergleichen mehr das Patriarchat an Leitbildern erfunden hat, um seine ständige Interessenvertretung namens Krieg und Expansion in die Menschen zu betonieren.
Ich möchte sie nicht noch einmal als Menschen ermorden, indem ich als Soldaten und Soldatinnen von ihnen spreche. Ich möchte ihnen danken und ihrer gedenken auf die einzige Weise, die mir dem Grauen angemessen erscheint, das unsere Großväter und Großmütter und mancher vielleicht noch, der heute hier unter uns steht, sie durchleben ließen.
Ich möchte von ihnen sprechen, nicht in der Sprache der Gewalt und der Männlichkeit, der Sprache der Herrschaft und der Ausbeutung.
Wir danken ihnen und gedenken dieser Menschen, nicht weil sie uns befreit haben – denn wir haben das nicht verdient.
Wir danken diesen Menschen, dass ihr millionenfacher, schlecht ausgerüsteter, ihr unvorbereiteter oder bürokratisch organisierter Tod die Welt befreit hat, jedenfalls vom deutsch-österreichischen Faschismus.“

Es wäre eh zu fragen, ob die mittlerweile als Standard etablierte Parole „Wer nicht feiert, hat verloren“ nicht ziemlich dumm ist. Einerseits, wo man (als Commie) andauernd gegen Staat, Volk und Kapital verliert, und darum keinen Anlass hat, sich über vermeintliche Loser zu mokieren – mal abgesehen von der fragwürdigen Suggestion, das nach 1949 ökonomisch prosperierende (West)Deutschland habe unterm Strich ein klares Minus eingefahren. Andererseits, wo bis zum 8. Mai 1945 (und selbst darüber hinaus, man denke an jene Unglücklichen, die noch nach der Befreiung an den vorher zugefügten Verletzungen starben oder schlicht weil sie sich an der ersten vernünftigen Mahlzeit überfraßen) soviel verloren ging, deutscherseits vernichtet wurde, dass eine Befreiungsfeier entgegen ihrer Intention auch immer die Leichenberge von Auschwitz zur Tanzfläche deklariert. Dass die Alliierten für 6 Millionen Ermordete zu spät kamen, sollte die Lust an der Feierei doch eigentlich stark trüben.

Naja, dank Lohnarbeit und praktischem Antifaschismus sowie der für morgen zu erwartenden Wiederkehr des Immergleichen keine Zeit, diese steile These auszuführen. Denkt halt mal selbst nach!

P.S.
Die Reduktion der Befreier_innen auf die Rote Armee in der monochrom-Rede finde ich zu platt.


03.05. 14 Uhr: Demo gegen Friedhofsschändungen in Weißensee

01. Mai 2008

Obwohl die NEA als ausrichtende Gruppe einer, vorsichtig formuliert, sehr traditionalistischen Auffassung von antifaschistischem Kampf folgt – bis hin zur Aufführung von Machwerken wie „Der vierte Weltkrieg“ – sei doch der Besuch der folgenden Demo allen Berliner_innen ans Herz gelegt:

Berlin-Weißensee:
Jüdischer Friedhof erneut geschändet – Antifa reagiert

Am 29.4.2008 kam es in Berlin-Weißensee das erste mal seit 9. Jahren zu einer Schändung des jüdischen Friedhofes der Gemeinde Ados Israel. In der Nach vom 29.4. verschafften sich Unbekannte Zutritt zum Friedhof und beschädigten 23 Grabsteine und zehn Stelen. Erst 24 Studen später wurde der Friedhof erneut attackiert. Die AngreiferInnen stießen 19 Grabsäulen und 33 Grabsteine um. Die Täter flüchteten unbekannt.
Die Angriffe auf den jüdischen Friedhof belegen das selbstbewußte Auftreten organisierter Rechtsextremisten in den Bezirke Pankow, Weißensee, und Prenzlauer Berg. Am 13. April 2008 überfielen Neoanazis einen antifaschistischen Jugendlichen am hellerlichten Tage gegen 14 Uhr auf der Michelangelostraße und schlugen ihn zusammen. Diese Vorfälle stehen in einer längeren Reihe neonazistischer Übergriffe. So werden seit Ende des Jahres 2007 in Pankow Jugendliche AntifaschistInnen kontinuierlich von Neonazis bedroht (1). Die Schändungen auf dem Friedhof sind die masiivsten seit set9. Jahren 1999 wurden 103 Grabsäulen auf dem jüdischen Friedhof umgestoßen. „Wir wollen diese Zustände nicht tatenlos hinnehmen. Die Tatsache, das Führungsmitglieder der NPD, wie Matthias Wichmann und Robert S., so wie der Neonazi Anwalt Wolfram Nahrath in Weißensee scheinbar ungestört ihr Unwesen treiben ist für uns ein Grund auf die Straße zu gehen.“ so Martin Stern, Sprecher der Antifa Gruppe North East Antifascists (NEA). Aus diesem Anlass findet am 3. Mai um 14 Uhr am S-Bahnhof Greifswalder-Straße eine antifaschistische Demonstration statt. Aufgrerufen werden alle Menschen, die sich gegen Neofaschismus und Antisemitismus einsetzen.

Berlin, 1.Mai 2008
North East Antifascists (NEA)
www.nea.antifa.de
nea@riseup.net

Quellen:
(1)
Kooperiert NPD mit militanter »Anti-Antifa«?
http://www.jungewelt.de/2008/04-28/052.php
Erneute massive Bedrohungen gegenüber linken Jugendlichen
http://nea.antifa.de/lokales/pmpankow.html

[Quelle]