Neues vom Spargelkrieg: Geordneter Rückzug
19. April 2008Stell dir vor, es ist Spargelkrieg – und waity geht nicht hin.
Nachdem das allseitige Hauen und Stechen um den neuen Hauptwiderspruch Spargel in vollem Gange ist, sage ich zum Abschied leise Servus und wende mich bisher völlig unbedeutend scheinenden Nebenwidersprüchen zu, die morgen schon weitere Spaltungen der bereits hochgradig atomisierten Blogosphäre provozieren könnten.
Mein Rückzug von der Spargel-Front gründet nicht zuletzt in dem Gebaren Bozics, der in einem erneuten Hetzeintrag am heutigen Tage mündet. Bozic führt dort allerlei Belege angeblich ausländischer Beobachter deutscher Spargel-Selbstherrlichkeit aus dem anonymen web2.0 an, die näherer Überprüfung (IP-Nummer der Bergmannstraße rausrücken!) kaum standhalten würden. Hinter diesem pseudo-kritischen Mummenschanz verbirgt er verzweifelt seine innige Nähe zum nationalsozialistischen Totalitarismus: Hitler setzte ja keineswegs einen 5-Jahresplan zur Spargel-Expansion („Spargel ohne Raum“) auf die Agenda, sondern vielmehr ein komplettes Anbauverbot für den lukullischen Genuss in Stangenform – eine repressive Entsublimierung, die ganz nach dem Gusto des GRÖRAZ (Größten Redakteurs aller Zeiten) ist.
Die Begegnung mit solchen Prachtexemplare an Aufklärungsresistenz und Genussfeindschaft wie Bozic hinterlässt mich stets fragend und traurig – doch weiterhin gilt für mich und auch für euch, Genoss_innen, Horkheimers berühmtes Diktum:
„Je unmöglicher der Spargelgenuss ist1, desto verzweifelter gilt es ihn zuzubereiten.“
- Aufgrund der gesellschaftlichen Umstände (spargelophober Diskurs, Abschiebung von Spargelstecher_innen usw) [zurück]
P.S.
Heute gibts Spargelpizza (Abbildung ähnlich, natürlich ohne ekliges Meeresgetier wie Krabben)

Hm, bin grad nochmal extra zu Karstadt Spargel und Wein kaufen. Das wird lecker!
Comment von zeank — 19. April 2008 @ 16:20
Überidentifikation mit Spargel? die Motivation der emotionalen Empörung darüber, das mal wer Spargel diskreditiert, scheint abseits des Geschmacks zu liegen.
Comment von IdrawESCAPEplans — 19. April 2008 @ 16:36
an der spargelfrage scheiden sich nicht die geister sondern der geist vom ungeiste. dein feiger rueckzug von der spargelfront wird demnach wohl als resignierendes in die haende spielen gegenueber der zerstoerung der vernunft gelesen werden muessen. solch handeln wird nach der revolution stande pede in die spargelststecherkolonnen fuehren. kehre um bevor es zu spaet ist! lass tausend blumen verwelken, doch keinen spargel darunter!
Comment von beauty — 20. April 2008 @ 00:32
[…] Während die Spargeldebatte in Berlin und Internet zum -krieg (Kulla präziser: “antinationalistischer Gemüsekrieg“) eskaliert ist, und der Scheckkartenpunk bereits die Assoziation der Freien und Gleichen am Buffet wähnte, fanden an der provinziellen Heimatfront ganz andere kulinarische Truppenbewegungen statt: […]
Pingback von Und nun zum Süßkram | Karwan Baschi | Paules Blog — 20. April 2008 @ 13:52
gibt es diese angeblichen plakate mit bozic drauf eigentlich wirklich, die im infoladen daneben oder so abzuholen seien? fände ich ja schon ziemlich krass. könnte man auch gleich noch draufschreiben kauft nicht beim paprikahändler oder so
Comment von plakattourist — 21. April 2008 @ 01:13