Materialien gegen Bozic

18. April 2008

Als kleine Handreichung zur Spargel-Petition im Folgenden eine Materialsammlung, damit jede und jede_ selbst die Mündigkeit erlangen kann, um sich für ein Ja oder Nein zu entscheiden.

Der Spargel, in Bozics strukturell antisemitischem Weltbild als „Edel-Gemüse“ verhöhnt und als „Delikates[se]“ verspottet, zählt historisch gesehen zu den erniedrigten, geknechteten, verächtlichen Wesen. Dies besonders in Zeiten der Krise, wo der Kapitalsouverän seinen Untertanen diktiert, den Gürtel enger zu schnallen und zugunsten des Vaterlandes auf sogenannten unnötigen Luxus zu verzichten:


„Im 20. Jahrhundert kam es beim Spargelanbau vor allem in Zeiten des allgemeinen Wohlstandes zu einem Aufschwung, während in den großen Krisen (1. und 2. WK) die Herstellung von Grundnahrungsmittel der Vorrang galt. Der Grund für die Reduzierung des Spargelanbaus in den Kriegen liegt im niedrigen Kaloriengehalt des Spargels.“

Die Marginalisierung des Spargels hat ihre besondere deutsche Seite: nicht nur wurde er dem Moral Bomber Churchill bei einem Besuch im Niederrhein vorenthalten, schließlich wurde sein Anbau im Gebiet des ‚Deutschen Reiches‘ gänzlich verboten:

„Winston Churchill hat ihn damals bei seinem Besuch im Haus Deckers nicht probieren können – den selbst angebauten und zubereiteten Spargel der Familie Deckers in Walbeck. Zu nationalsozialistischen Zeiten war der Anbau des „weißen Goldes“ verboten.“

Wie Bozic die Existenz ausländischen Spargels verschweigt, so leugnet er auch diese dunklen Seiten der inländischen Spargel-Historie und erweist sich damit als Gemüse-Arisierer vor dem Herrn. Die widerständische Geschichte des Spargels, wie sie etwa in Eugen Gerstenmaiers berühmten Zitat – “Spargeln und Menschen haben ein gemeinsames Schicksal: sobald einer den Kopf hochreckt wird er abgestochen“ – verschwindet hinter den von Bozic in Anschlag gebrachten harten, knackigen, fitten Gemüsearten wie der Paprika, die sich im kapitalen Alltag gegen ihre Konkurrenten mit brutaler Selbst- (Pestizide etc.) und Fremddisziplinierung (Ausschlagen etc.) durchsetzen.

Wie der Insasse der bürgerlichen Gesellschaft es zwar tut, aber nicht weiß, was er tut, so vollzieht Bozic seinen prä-justierten Abwehrreflex gegen Luxus, Ausschweifung und gegrillten grünen Spargel ideologisch-unbewusst nach. Die tautologische Rationalisierung des Ressentiments gegen die schmackhaften Stangen brachte der englische Schriftsteller Lewis Caroll bereits im 19. Jahrhundert auf den Punkt:

„Ich bin froh, dass ich keinen Spargel mag“, sagte Alice zu ihrer Freundin, „denn würde ich Spargel mögen, müßte ich ihn auch essen – und ich kann Spargel einfach nicht ausstehen!“

Bozics Intifada gegen den Spargel ist jedoch trotz ihrer inhaltlichen Widersprüchlichkeit weniger Zufall denn logische Folge seines Weltbildes, das sich dem individuellen Genuss a priori verschließt. Leser_in kati macht auf TelAvivos Intervention in der Jungle World gegen Sekt und französischen Champagner aufmerksam:


„Ansonsten spricht alles gegen Schaumwein. Er verursacht Sodbrennen und Kopfschmerzen, verträgt sich nicht mit Jägermeister und Wodka, kostet zu viel, man kann ihn nur schwer aus der Flasche trinken, und er hat doppelt so viele Kalorien wie Bier.“

„Kalorienwahn – geh doch zur Bundesregierung!“, möchte man Bozic entgegen halten. Und: Jägermeister, des Nazis Lieblings-Drink! Doch die Sprache versagt im Kampf gegen diesen gedanklichen Hybrid aus Protestantismus und Islamismus. Ein letztes Zitat aus Bozic‘ Predigt an die Bier-Umma:


„Eines hat der Schaum­wein dem Bier sicherlich voraus, er prickelt besser in deine Bauchnabel, doch dies kann ja wohl kaum ein ernst zu nehmendes Argument für ein Lebensmittel sein.“

Der Anti-Hedonist Bozic zieht hier eine rigide Trennung zwischen Lebens- und Genussmittel, zwischen dem guten Nutzen und dem als überflüssig gewerteten, bösen Überschuss. Doch gerade dies Extra, der kleine Bonus im grauen Einerlei ist der Vorschein auf die befreite Gesellschaf. Wenn nicht prickelnd, was soll der Communismus dann sein – rülpsend?

Ich denke, es ist klar geworden, wie der Hase läuft. Der Indizien, besser: der Beweise für den Irrgang des Jungle World-Redakteurs sind genug zusammengetragen. Bitte signieren darum auch Sie die Petition und sichern Sie so durch revolutionäre Umerziehung von Ivo Bozic und universalistische Spargel-Solidarität die Bedingung der Möglichkeit der befreiten Gesellschaft!


5 Kommentare »

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  1. […] Kaum bricht sie an die Spargelzeit so ist der da: der Mob der Spargelhasser, der in Ivo Bozic sein Sprachrohr gefunden hat. Die Verteidiger des Rechts einer freien Entwicklung des Gemüses versichern dem bedrängten Spargel ihre Unterstützung. Dieser hat unter dem Mythos zu leiden ein urgermanisches Gemüse zu sein, dem auch Bozic auf den Leim ging. Doch auch das alte Rom oder Ägypten wußten schon den Genuß dieses vorzüglichen, kämpferischen Gemüses zu schätzen. In Vergessenheit geraten erinnerte sich Frankreichs Küche wieder an ihn. Beständig mit Erde überhäuft kämpft er sich immer wieder durch der Spargel – nur um nachher dem Unsinn der Genußfeinde anhand zu fallen. […]

    Pingback von « Scheckkarte Als Passion — 18. April 2008 @ 20:25

  2. […] Spargel Nachdem zum Thema Spargel bereits arge Händel entbrannt sind und Materialien gesammelt werden, wollte ich es mir nicht nehmen lassen, auch meinen Senf (bzw. meine Sauce Hollandaise) zu dem Thema dazuzugeben. Tatsächlich schmeckt mir Spargel nicht. Ich kriege nach seinem versehentlichen Verzehr lecker Würgreiz und, so der Spargel es bis in meinen Darm geschafft hat, folgen Verdauungsprobleme. Deswegen wäre ich, so wie alle Menschen, denen es ähnlich ergeht, angehalten, keinen Spragel zu essen. Anderen Menschen könnte man, so man erwachsen genug ist, den Genuss von Spargel durchaus gönnen. Ivo Bozic hingegen schreibt leidenschaftlich gegen den Spargel an. Zu seinen Gunsten ist anzunehmen, dass er mit Spargel eben nur die von ihm geschilderten Dinge verbindet, und angewidert von ostzonaler Eintönigkeit gegen den Spargel anschreibt. Auch wenn Menschen nicht konditioniert sind “wia a Ratz” (Karl Held), vielleicht hat da irgendwo eine Reizkopplung stattgefunden, die nicht mehr so leicht zu beheben ist. Problematisch wird das nonchalante Geschreibsel, wenn Bozic sich missverständlich über die prekäre Situation polnischer Erntehelfer äußert (”Billig-Polen”) oder vollkommene Unwissenheit bezüglich anderer Spargel-Anbaugebiete erkennen lässt. […]

    Pingback von Spargel « vereiteln’s Weblog — 19. April 2008 @ 01:15

  3. wer ist dieser pingback und was hat der auf deiner seite zu schaffen? naja, egal, hier meine soße zum spargelstreit.

    Comment von mr.vain — 19. April 2008 @ 01:17

  4. für dich als blog-newbie:
    die pingbacks setzen sich automatisch. wie das technisch funktioniert, weiß nur der internet-gott und zeank.

    ansonsten:
    seit wann kritisiert man ein idol? und willst du jetzt bozics primitiven rot-braunen antikap leugnen? er sieht im spargel nur eine schein-wurzel, die in wahrheit blass und fad ist(täuschend + in tausend gestalten wie der jude in antisem. bildsprache.

    p.s.
    u got ping, too.

    Comment von waiting — 19. April 2008 @ 15:43

  5. @waiting: es soll ja leute geben, die zu eben dieser kritik in längst vergangenen tagen aufgerufen haben „kill your wortführers“. sagten da so manche. außerdem ist meine skepsis keinesfalls ausdruck mangelnder bewunderung deiner person! ich verehre dich, und hebe dich anlässlich beiläufiger konversationen in ungeahnte höhen, dichte haikus, um dich zu lobpreisen und weine bitterlich, weil du meinen newbie-blog nicht verlinkt hast.
    das ich die antisemitische bildersprache nicht erkannt habe, du aber schon, liegt daran, ich gebe es unumwunden zu, dass du so viel klüger bist als ich (was, ganz ehrlich, nicht extra hätte erwähnt werden müssen) .

    Comment von mr.vain — 19. April 2008 @ 19:31

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