Theorie gegen den Psycho-Knast
04. März 2008Einführung in die Antipsychiatrische Theorie
Die ursprünglich aus der Linken und radikalen Linken formulierte Kritik an der am Rand der Gesellschaft operierenden Institution Psychiatrie ist mit dem Beginn der Psychiatriereform in den 1970er Jahren zum Erliegen gekommen. Eine Zusammenarbeit mit der radikalen Linken ist seitdem in der Neuen Anti-psychiatrischen Bewegung nicht mehr erfolgt und auch nicht mehr bewusst angesteuert worden.
Die Neue Antipsychiatrische Bewegung besteht aus Psychiatriebetroffenen und nicht mehr aus Professor_innen oder Psychiater_innen. Bei Selbstzufriedenheit, Defensivkämpfen und einzelnen Erfolgen ist die antipsychiatrische Bewegung zum Stillstand gekommen. Wie bei einigen anderen der aus der einstigen Außerparlamentarischen Opposition hervorgegangenen, partikular arbeitenden Gruppen wurde auch in der antipsychiatrischen Bewegung allmählich vergessen, sich in Bezug zur Analyse der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu setzen. Scheinbar befreit vom gesellschaftlichen Kontext wird vor sich hin gewerkelt.Im Vortrag sollen die Theorien der Antipsychiatrie einführend vorgestellt werden. Wichtige Theoretiker_innen, wie Cooper, Laing, Basaglia und Szasz, werden mit ihren Theorien besprochen und der jeder Psychiatrie innewohnende Bezug zur kapitalistischen Reproduktionsweise aufgedeckt. Aktuelle antipsychiatrische Institutionen und Bewegungen werden erwähnt. Ziel soll das Aufzeigen von Anknüpfungspunkten der Antipsychiatrie zur radikalen Linken sein.
Der Referent David Wichera arbeitet seit 2 1/2 Jahren im Weglaufhaus „Villa Stöckle“, der einzigen antipsychiatrischen Einrichtung in Deutschland. Er ist dort im selbstverwalteten Team als studentisch Beschäftigter tätig mit besonderem Schwerpunkt auf Öffentlichkeitsarbeit.
Dates:
5. märz bei MAD in köln
6. märz in freiburg, kts
7.märz in frankfurt am main, theoriepraxislokal im IVI, 19.30uhr
12.märz in berlin, K9
Dazu auch:
„Geschichte(n) der Psychiatriekritik“ [pdf] der AG Depressive ArchäologInnen im Psychiatrie-Special des Diskus
