Auswertungsrunde

26. März 2008

Organisation schafft Kontinuität. Und Bloggen Verbindlichkeit. Mit diesen guten Vorsätzen gehe ich in die letzte Märzwoche. Im vorliegenden Eintrag materialisiert sich dieser neue Geist zum ersten Mal: einige Beiträge der letzten Wochen werden in diesem Sammelposting noch einmal aufgegriffen und jeweils nachfolgende Entwicklungen in aller Kürze verlinkt oder kommentiert.

-> Hier hatte ich auf eine Veranstaltung zur antipsychiatrischen Theorie hingewiesen. Leider konnte ich nicht anwesend sein, aber sowohl scheckkartenpunk als auch dissidenz haben im Anschluss an den Veranstaltungsbesuch ihre Gedanken protokolliert. Bei Letzterem in der Kommentarspalte auch eine lesenswerte Auseinandersetzung mit dem Referenten, David Wichera, der von salty fies von der Seite angeprollt wird.

-> Hier hatte ich auf den Protestbrief der Flüchtlinge des in Thüringen gelegenen Lagers Katzhütte aufmerksam gemacht. Mittlerweile waren Vertreter von Gemeindeverwaltung und Landratsamt zu Besuch. Zudem hatten die Bewohner_innen zu einer Pressekonferenz und Lagerbesichtigung geladen, ein Termin, der wohl trotz Sabotageversuche der Lagerleitung und der uniformierten Menschenjäger_innen sowie mangelnder Solidarität von (links-)deutsccher Seite recht erfolgreich verlief.

-> Hier hatte ich auf einen Fall von Rollophobie bei der Hedonistischen Internationale hingewiesen. Die Hannoveraner Sektion der Hedonistischen Internationale hatte nun kürzlich zu einer unangemeldeten Straßenbahnparty aufgerufen, in deren Verlauf es wohl zu harmlosen Gesetzesübertretungen in Form von Sachbeschädigungen und Böllerwürfen kam, die von der Polizei mit Knüppeleinsatz und Ingewahrsamnahmen beantwortet wurden. In einer ganz im Juso-Slang gehaltenen Pressemitteilung (!) werfen die Hedonisten aus Hannover nun einen „differenzierten Blick auf die Ereignisse“. Neben einer pflichtschuldigen Verurteilung der polizeilichen Repressionsmaßnahmen wird auch die eigene Klientel gemaßregelt:
„Dennoch müssen wir deutlich klarstellen, dass wir lieber ohne jene Leute gefeiert hätten, die die Menschenansammlung als Raum für aggressives Verhalten genutzt haben. Wir distanzieren uns auch von Sachbeschädigungen und dem Abbrennen von Feuerwerk im Zusammenhang mit der Party. Der darauf folgende Polizeieinsatz, bei dem es zu zahlreichen Verletzungen durch Hundebisse, Schlagstöcke und andere üble Behandlungen kam, war jedoch zu keiner Zeit gerechtfertigt. Insbesondere ist zu kritisieren, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer undifferenziert und ohne jedes Augenmaß betroffen waren.“

Mit anderen Worten: ein differenzierter Knüppeleinsatz mit Augenmaß, bei dem nur die wahren Übeltäter, also die Tagger und Krachmacher, den ein oder anderen Schlag oder Biss abbekommen hätten – vielleicht netterweise beaufsichtigt von einem OLiBa-losen Einsatzleiter mit 68er-Vergangenheit – wäre so recht nach dem Geschmack der Hedonisten gewesen. Ganz in diesem Sozialarbeitergeiste kündigt man an, zukünftig „in einen Diskussionsprozess mit denjenigen [zu] treten, die den Sinn der Party fehlinterpretiert haben und darauf ein[zu]wirken, dass zukünftige Aktionen einen erfreulicheren Verlauf nehmen. Definitiv wird die HI Hannover auch weiterhin auf ihre Art soziale Missstände anprangern und zum Nachdenken anregen.“

Da die H.I. sich dermaßen schlafwandlerisch des kommunikationstheoretisch gepimpten Sozen-Vokabulars bedient, sei ihr eine Namensänderung in Habermas Initiative-Hannover ans Herz gelegt. Praktischerweise könnte die etablierte Abkürzung beibehalten und so der erfolgreich begonnene Social Branding-Prozess fortgeführt werden.


4 Kommentare »

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  1. hi. hab dich verlinkt. hoffe, das ist ok für dich.

    Comment von Laura — 26. März 2008 @ 20:51

  2. jau.
    hatte selbiges bereits mit deinem blog vor und nun in die tat umgesetzt.

    Comment von waiting — 26. März 2008 @ 21:59

  3. na denn: vielen dank!

    Comment von Laura — 26. März 2008 @ 22:22

  4. […] vielmehr war ich verwundert, daß es die ereignisse in hannöverschen straßenbahnen von ende märz in eine auswertungsrunde bei waiting geschafft haben, wo er schreibt: Die Hannoveraner Sektion der Hedonistischen Internationale hatte nun kürzlich zu einer unangemeldeten Straßenbahnparty aufgerufen, in deren Verlauf es wohl zu harmlosen Gesetzesübertretungen in Form von Sachbeschädigungen und Böllerwürfen kam, die von der Polizei mit Knüppeleinsatz und Ingewahrsamnahmen beantwortet wurden. In einer ganz im Juso-Slang gehaltenen Pressemitteilung (!) werfen die Hedonisten aus Hannover nun einen “differenzierten Blick auf die Ereignisse”. Neben einer pflichtschuldigen Verurteilung der polizeilichen Repressionsmaßnahmen wird auch die eigene Klientel gemaßregelt: “Dennoch müssen wir deutlich klarstellen, dass wir lieber ohne jene Leute gefeiert hätten, die die Menschenansammlung als Raum für aggressives Verhalten genutzt haben. Wir distanzieren uns auch von Sachbeschädigungen und dem Abbrennen von Feuerwerk im Zusammenhang mit der Party. Der darauf folgende Polizeieinsatz, bei dem es zu zahlreichen Verletzungen durch Hundebisse, Schlagstöcke und andere üble Behandlungen kam, war jedoch zu keiner Zeit gerechtfertigt. Insbesondere ist zu kritisieren, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer undifferenziert und ohne jedes Augenmaß betroffen waren.” […]

    Pingback von hannover in der auswertungsrunde | [[[szeneputzen]]] — 15. April 2008 @ 12:43

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