Die andere Seite

18. Februar 2008

Zu der antikommunistischen Medienkampagne gegen die niedersächsische Landtagsabgeordnete Christel Wegner erklären der Landesvorsitzende der DKP Berlin, Rainer Perschewski, und seine Stellvertreterin Wera Richter:

„Wir erleben derzeit eine Medienkampagne gegen die DKP, wie es sie seit Jahren nicht mehr gegeben hat. Die Tatsache, dass eine Genossin, Christel Wegner, in den Landtag von Niedersachsen eingezogen ist und ein weiterer Genosse, Olaf Harms, möglicherweise nach dem 24. Februar in der Hamburgischen Bürgerschaft sitzen wird, treibt den herrschenden Medien dieses Landes offensichtlich den Angstschweiß auf die Stirn.
Wir sind empört über eine Kampagne, die mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten, Verleumdungen und Unterstellungen versucht, unsere Partei in eine undemokratische Ecke zu stellen. Die DKP steht heute Seite an Seite mit allen, die sich gegen die zunehmende Überwachung, gegen den Abbau der demokratischen Rechte und gegen die Militarisierung nach Innen und Außen zur Wehr setzen. Im Sinne Max Reimanns verteidigen wir den demokratischen Gehalt des Grundgesetzes gegen diejenigen, die es einst unterschrieben haben und es heute zu „schützen“ vorgeben.
Die Redaktion des Fernsehmagazins „Panorama“ hat dem Journalismus in Deutschland ein Armutszeugnis ausgestellt. Die Aussagen der Landtagsabgeordneten Christel Wegner, beim Aufbau einer anderen Gesellschaftsordnung brauche man ein Organ zur Verteidigung der neuen Ordnung, wurden in der Pressemitteilung zur Sendung und dann im Chor von fast allen deutschen Massenmedien als Forderung nach Neugründung der Stasi interpretiert.
Wir stellen fest, dass Christel Wegner lediglich eine Lehre ausgesprochen hat, die die Arbeiterbewegung hierzulande und weltweit immer wieder machen mußte, ob in Deutschland, in Chile (Putsch 1973), Venezuela (Putsch 2002) und anderswo: Wenn es nicht gelingt, die Errungenschaften des Fortschritts zu verteidigen, wird jeder Fortschritt durch die Reaktion blutig zerschlagen.
Wir bedauern, dass es offenbar einigen Vertreterinnen und Vertretern der Partei Die Linke an der ausreichenden Standhaftigkeit mangelt, solcher antikommunistischen Propaganda entgegenzutreten. Statt dessen wird sich willfährig von einer Genossin distanziert, die sich aktiv für den Erfolg der Kandidatur der Partei Die Linke eingesetzt hat. Es wird sich von einer Partei distanziert, deren Unterstützung in Wahlkämpfen immer gerne in Anspruch genommen wurde.
Wir solidarisieren uns entschieden mit unserer Genossin Christel Wegner und unserem Genossen Olaf Harms und rufen dazu auf: Wählt zwei, drei, viele Kommunisten in die Parlamente!“

(Quelle)


7 Kommentare

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  1. ist die medienkampagne antikommunistisch? und die dkp ein verteidiger des fortschritts?

    Comment von saltzundEs — 18. Februar 2008 @ 23:47

  2. „ist die medienkampagne antikommunistisch?“

    ist das nicht offensichtlich?

    „und die dkp ein verteidiger des fortschritts?“

    was meinst du mit fortschritt? ich finde beide (dkp+fortschritt) scheisse. trotzdem rückt die obige pm einige relationen zurecht, die von der kampagne verzerrt werden.

    zu fortschritt vgl. benjamin:

    http://www.mxks.de/files/phil/Benjamin.GeschichtsThesen.html
    „Die Vorstellung eines Fortschritts des Menschengeschlechts in der Geschichte ist von der Vorstellung ihres eine homogene und leere Zeit durchlaufenden Fortgangs nicht abzulösen. Die Kritik an der Vorstellung dieses Fortgangs muß die Grundlage der Kritik an der Vorstellung des Fortschritts überhaupt bilden.“

    Comment von waiting — 19. Februar 2008 @ 00:13

  3. ich frugte nur, nicht gleich wieder angegriffen fuehlen. die begrifflichkeit des fortschritts, den es zu verteidigen gelte, verwendete ja wegner selbst.

    Comment von saltzundEs — 19. Februar 2008 @ 01:24

  4. ahso. na denn peace, bro.
    aber weshalb frugtest du dann, wenn ich mich erfrechen darf zurückzufragen?

    Comment von waiting — 19. Februar 2008 @ 23:52

  5. […] Hier ist auch bald mal wieder was Antileninistisches zu lesen, versprochen. Aber solange diese Debatte tobt, heißt es auf meinem Blog: Solidarität mit Christel Wegner! Und: ohne Mauer ist das nicht meine Revolution. Da ja der politische Akt par excellence eine Revolution ist, tauchen hier zwei einander zuwiderlaufende Strategien auf: Man kann versuchen, die hehre Idee der Revolution von ihrer abscheulichen Wirklichkeit zu trennen (man denke hier an Kants Verherrlichung des erhabenen Gefühls, das die Französische Revolution beim aufgeklärten Publikum in ganz Europa auslöste, das aber Hand in Hand geht mit der Verachtung der Wirklichkeit des revolutionären Ereignisses selbst), oder man kann dagegen den authentischen revolutionären Akt selbst idealisieren und den bedauerlichen, aber unvermeidbaren späteren Verrat an ihm beklagen (man denke hier an die Nostalgie der Trotzkisten und anderer radikaler Linker für die Frühzeit der Revolution und die Arbeiterräte, die plötzlich gegen den Thermidor, die spätere Verknöcherung der Revolution zu einer neuen, hierarchischen Staatsstruktur, entsanden). Gegenüber all diesen Versuchungen sollte man auf der unbedingten Notwendigkeit beharren, den Akt mit all seinen Konsequenzen völlig zu billigen. Treue ist nicht Treue zu Prinzipien, die durch die kontingente Faktizität ihrer Verwirklichung verraten werden, sondern sie ist Treue zu den Konsequenzen, die die völlige Verwirklichung der (revolutionären) Prinzipien mit sich bringt. Innerhalb des Horizonts dessen, was dem Akt vorhergeht, erscheint der Akt immer definitionsgemäß als ein Wandel vom “Schlechteren ins Schlimme” (die übliche konservative Kritik an Revolutionären: “Ja, zugegeben, die Situation ist schlecht, eure Lösung ist aber noch schlimmer…”). Der wahre Heroismus des Akts besteht darin, gerade dieses Schlimme vollständig anzunehmen. […]

    Pingback von Neoleninismus II « Lysis — 20. Februar 2008 @ 15:20

  6. […] Bei Lysis ist über die Beschäftigung mit Slavoj Žižek eine Debatte über Psychoanalyse und Leninismus ausgebrochen, die über Umwege mit Lysis’ Parteinahme für die Stasi-Widerhabenwollerin Christel Wegner zusammenhängt, für die es mittlerweile auch Solidaritätsbekundungen gibt: […]

    Pingback von classless Kulla » Blog Archive » Anderswo: DDR, Buffy, Hubschrauber — 21. Februar 2008 @ 17:01

  7. ich fragte, weil mich deine meinung interessiert und weil fuer mich der antikomm. charakter nicht so ganz offensichtlich ist wie fuer dich. dkp finde ich natuerlich auch scheisse.

    Comment von saltzdasessickistsolecker — 21. Februar 2008 @ 19:21

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