Hedonismus contra Spasmus

16. Februar 2008

Aus dem Artikel „Du und ich ergeben nicht immer wir. Behinderte und die Linke: Gemeinsam kämpfen – getrennt demonstrieren?“ der „Mondkalb – Zeitschrift für das organisierte Gebrechen“:

„Solidarität mit Schäuble

Auch heute noch werden behindertenfeindliche Vorurteile bedient, um die eigene Position zu untermauern. So kam der Redner der Hedonistischen Internationale auf der Demonstration „Freiheit statt Angst” am 22.09.07 in Berlin nicht umhin, Innenminister Schäuble als “rollenden Verfassungsfeind” zu bezeichnen, der nur dadurch zu stoppen sei, indem man einen Stock in die Speichen seines Rollstuhls halte. Was die Pläne Schäubles, die tatsächlich weit überzogen sind und jeder rechtsstaatlichen Idee widersprechen, mit seiner Art der Fortbewegung zu tun haben, erklärte der hedonistische Internationalist nicht. Aus der Schar der Demonstranten, von FDP über Bündnis 90/Grüne bis hin zu autonomen linksradikalen Schwarzkutten, war kein Widerspruch zu vernehmen. Mich beschlich einmal mehr das Gefühl, auf dieser Veranstaltung unerwünscht zu sein und ich verspürte eine selten erlebte Nähe zum Innenminister. Um ein Haar hätte ich zur Solidarität mit ihm aufgerufen.“

Was ein_e echt_e Hedonist_in ist, lässt sich eben nicht den Spaß verderben, weder von hässlichen Nazis noch von behinderten Innenministern. Ob die Hedonistische Internationale auch Pränataldiagnostik zwecks gezielter Abtreibung empfiehlt, damit man nicht den nächsten Rave verpasst, weil man sich um sein Trisomie21-Baby kümmern müsste?


7 Kommentare

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  1. ich persönlich halte es ja für diskriminierend, jemanden aufgrund von objektiven eigenschaften (zu denen das fortbewegen mittles eines rollstuhls gehört), anders zu behandeln als jemanden, der sich auf zwei beinen durchs leben schlägt. sich mit jemanden nur aufgrund einer behinderung solidarisieren zu wollen, hat mit befindlichkeit viel, mit kritischem geist recht wenig zu tun.

    Comment von keta minelli — 17. Februar 2008 @ 00:29

  2. etwas am thema vorbeigerauscht:
    1. geht es der person, die den zitierten artikel geschrieben hat ja um den redebeitrag der „hedonistischen internationalen“ (wer oder was sich auch immer hinter diesem steindummen namen verbirgt), in dem eben schäuble wegen seiner „objektiven eigenschaft“ als rollstuhlfahrer diskriminiert wird. was eben mit schäubles politik nix zu tun hat.

    2. „sich mit jemanden nur aufgrund einer behinderung solidarisieren zu wollen, hat mit befindlichkeit viel, mit kritischem geist recht wenig zu tun.“

    big deal…und? die person, die den artikel geschrieben hat beschreibt ja auch ihre gefühle in geschilderten moment und nicht das ergebnis langer und kritischer reflexion.
    tatsächlich erinnert das von der hi gesagte an die hohlroller, die bei jeder anti-nazi-demo dabei sind, und den nazis entweder bescheinigen dass sie A) hässlich B) fett oder auch C) nicht arisch aussehen. was ja irgendwie am sujet ( sprich süüschee) vorbeigeht. ne?

    Comment von mr.vain — 17. Februar 2008 @ 01:27

  3. jau, mr. vain said the right thing.

    Comment von waiting — 17. Februar 2008 @ 02:23

  4. “hedonistischen internationalen” (wer oder was sich auch immer hinter diesem steindummen namen verbirgt)“

    homepage:
    http://www.hedonist-international.org

    kritik:
    http://seltsamer-zusammenschluss.org/?p=83

    Comment von waiting — 17. Februar 2008 @ 03:08

  5. i knew it:

    „…Die Hedonistische Internationale tanzt indes auf Demo-Raves und stürmt nackt Nazi-Kneipen. „Wir drehen das Prinzip ,Politik kann auch Spaß machen‘ einfach um: ,Spaß kann auch Politik machen‘“, erklärt Hedonist Carsten Grabowski. „Wir wollen all jene Leute zum Protest animieren, die kritisch denken, denen aber für herkömmliches Engagement die Lust fehlt.“ So treffen hier Menschen, die Spaß haben wollen, auf Aktivisten, die nach politischem Einfluss suchen. …“

    http://www.blondmag.com/cgi-bin/adframe/miteinander/article.html?ARTICLE=/miteinander/08-02-rebellion/01-Rebellion.snp&id=1202161891662496616324470

    Comment von mr.vain — 18. Februar 2008 @ 21:23

  6. Keta, hat es leider nicht verstanden, Mr. Vain dagegen ganz richtig.

    Comment von Jan — 18. Juni 2008 @ 20:49

  7. Keta hat es leider nicht verstanden, Mr. Vain dagegen ganz richtig.

    Comment von Jan — 18. Juni 2008 @ 20:50

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