Mixed: HartzIV / Kulturindustrie

13. Februar 2008

Kein Bock auf Blog, nur kurz zwei Links hingeknallt:

Arbeitsloser hungert sich auf Hochsitz zu Tode
[via]
Siehe dazu auch den letztjährigen Fall aus Speyer, wo ein HartzIV-Empfänger nach Streichung seiner Leistungen verhungerte.
[schrei]Der Tod ist ein Meister aus Deutschland![/schrei]

Vor diesem Hintergrund vielleicht unpassend, aber sehr lesenswert:
längerer Text bei scheckkartenpunk zur Exklusivität der Mode- und Musikindustrie, die Differenz durch elitäre Abgrenzung, Identität über die Illusion von Avantgarde und Coolness generiert.


5 Kommentare

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  1. da war hartz 4 aber wohl eher auslöser als grund. der aktualisierte SPON-artikel zeichnet das bild eines komplett isolierten menschen. da hätten auch höhere sozialgelder mutmaßlich nicht viel dran geändert.

    an den hartz-4-empfänger von letztem jahr hat mich eher diese geschichte eines japanischen arbeitslosen erinnert. (bei bugmenot.com gibt es logindaten ür die nyt)

    Comment von bigmouth — 13. Februar 2008 @ 02:07

  2. […] Dieser Absturz aus dem Job über die Agentur für Arbeit mit anschließender Punktlandung dauert unter Umständen nur noch wenige Monate, wie diese Beispiele zeigen. Interessant wären empirische Untersuchungen, die Hartz IV-Empfänger_innen und Vergleichsgruppen aus anderen Schichten bezüglich Mortalität, Morbidität sowie psychischem Wohlbefinden und sozialer Integration konstrastieren. […]

    Pingback von Wartezeit überbrücken … :: Hartz IV als Zwang zum Absturz :: Februar :: 2008 — 13. Februar 2008 @ 02:12

  3. wieso, bei spon wird doch eine gerade linie von verlust des arbeitsplatzes (im anschluss an scheidung), einstellung der alg-zahlungen und anschließendem entschluss zum suizid gezogen.

    „Nach gescheiterter Ehe habe er seine Arbeit und den Kontakt zu seiner Tochter verloren. Ab Oktober vergangenen Jahres habe er kein Arbeitslosengeld mehr bekommen. Daraufhin habe er seinen Entschluss gefasst, sich aufs Fahrrad gesetzt und sich 100 Kilometer von Hannover entfernt einen Platz zum Sterben gesucht.“

    Comment von waiting — 13. Februar 2008 @ 02:17

  4. bei der BILD steht, dass er kein hartz 4 beantragt hat – es geht hier wohl um ALG I, das man ja nur einige Jahre maximal bekommt.

    viel bemerkenswerter als die einstellung der zahlungen ist es doch, dass diese gesellschaft leute hervorbringt, die sich so in ihr schicksal ergeben, dass sie lieber isoliert verrecken als hilfe zu suchen oder „dem staat auf der tasche zu liegen“

    Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE sagte Joana Z. über ihren Vater: „Ich habe seit Jahren keinen Kontakt zu dem Verstorbenen gehabt, und er war es, der den Kontakt zu mir abbrach.“

    Comment von bigmouth — 13. Februar 2008 @ 02:38

  5. stimmt, alg I.

    aus einem artikel der hannoverschen allgemeinen geht aber recht klar hervor, dass es v.a. der starke berufliche druck war, der am anfang des endes stand. man könnte auch darüber spekulieren, ob es nicht die hegemoniale anti-stimmung gegen den bezug von alg II („schmarotzer“, gehört sich für ordentliche bürger nicht usw) war, die ihn von einem entsprechendenm antrag bei der arge abgehalten haben.

    „1990 wittert er eine Chance für sich in den neuen Bundesländern. Er gründet und organisiert Messen und hat Erfolg damit. Das ständige Unterwegssein jedoch hat einen hohen Preis: Die Ehe zerbricht, auch die Beziehung zu seiner Tochter wird immer brüchiger.
    Bei einer Firma für Hängestühle, für die er ungefähr vom Jahr 2000 an als Vertreter durch die Lande fährt, gilt er als extrem zuverlässig, loyal und ehrlich. „Wenn auch nur die kleinste Gefahr bestand, dass er am Morgen zu spät zu einem Termin kommt, ist er schon am Abend vorher hingefahren“, sagt sein ehemaliger Chef über ihn. In dem Dorf bei Lübeck, in dem er in einem Mehrfamilienhaus lebt, bleibt er ein Unbekannter. Nachbarn beschreiben ihn als zurückhaltend, gepflegt, als einen „der montags früh geschniegelt aus dem Haus ging und freitags spät wiederkam“. Doch das ständige Reisen, der Druck des Messegeschäfts zermürbt ihn. Peter Z. macht sich selbstständig – nun jedoch bleibt der Erfolg aus. Er kann die Miete nicht mehr zahlen. Als er in einem Hotel eine kleine Rechnung nicht zahlen kann, gibt er eine falsche Adresse an. Ein paar Tage später meldet er sich aus schlechtem Gewissen selbst bei der Polizei. Es fällt in diese Zeit, dass er zum ersten Mal Selbstmordgedanken äußert und er sich in einer Klinik behandeln lässt. Die Beziehung zu seiner neuen Lebensgefährtin ist da schon zerbrochen.
    Anfang 2006 kommt er nach Seelze. Er wohnt bei einer Freundin im Ortsteil Dedensen, in einem schlichten Nachkriegs-Mehrfamilienhaus, in dem die Bewohner häufiger wechseln. Peter Z. fällt lange niemandem auf, nur eine Nachbarin erinnert sich noch an den zurückhaltenden Herrn mit grauem Haar, der freundlich grüßte. Es scheint zu seinem Wesen zu gehören, dass er in Vielem eine Form von durchschnittlicher Bürgerlichkeit verkörpert: in seinem Auftreten, in seinem Aussehen, in seiner Gewissenhaftigkeit.
    Anfang 2007 kommt er nach Hannover und zieht in eine kleine Wohnung in Burg nahe dem Harzburger Platz. Ein normales dreistöckiges Mietshaus, das bei näherem Hinsehen etwas weniger gepflegt ist als die anderen: Das Gras im Vorgarten zu lang, die Fassade schmutzig grau, die Farbe an den Fensterläden abgeblättert. Peter Z. lebt von Arbeitslosengeld. Im Oktober 2007 läuft es aus. Er müsste nun Hartz IV beantragen oder, mit seinen 58 Jahren, die Frührente. Beides versucht er gar nicht erst. Beim Jobcenter meldet er sich nicht. Stattdessen steigt er aufs Rad.“

    Comment von waiting — 13. Februar 2008 @ 23:34

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