Aktenzeichen XY … unversöhnt

22. Januar 2008

Ulrike Meinhof analysierte in der konkret Nr. 17/1968 den Erfolg des Kinder- und Kriminellenschrecks ‚Aktenzeichen XY … ungelöst‘:

„Die von der Sendung ausgehende Suggestion aber dürfte dem Bedürfnis vieler entgegenkommen, aus der Rolle des Befehlsempfängers im Beruf und des Konsumenten in seinem Privatleben einmal herauszukommen, aus der permanenten Ohnmacht, Spielball zu sein, nicht Subjekt des eigenen Lebens, sondern Objekt fremder Interessen. Das Gefühl, einflußlos zu, sein, dass die oben ja doch machen, was sie wollen, das Gefühl der Isolation in der eigenen Wohnstube, das Bedürfnis, mit der Faust auf den Tisch zu hauen – dem allen kommt die Sendung entgegen, deshalb wird der Betrug ertragen, weil er einem Bedürfnis nach Selbsttätigkeit entspricht, dein Bedürfnis, keine Null, kein Rädchen im Getriebe, sondern einzelner, ein als einzelner Angesprochener zu sein, auf den es als einzelnen ankommt.

Die Deutschen haben
Die Deutschen haben – wie wir wissen von Politik die Nase voll, sie können sich politisches Engagement weitgehend nur noch als nationalsozialistisches vorstellen, womit sie reingefallen sind. Nun kommt der Herr Zimmermann und sagt ihnen, sie müssten bei der Verbrechensbekämpfung helfen, sonst käme ein, neuer Hitler und täte, es für sie. Demnach war Hitler also ein Verbrechensbekämpfer, dabei ist er über das Ziel hinausgeschossen, gewiss, weshalb wir dem nächsten zuvorkommen sollten, selbst Sauberkeit im Staat herstellen, jeder sein eigener starker Mann, selbst groß. Womit das Gefühl der Größe, das Hitler,den Deutschen gab, herüber gerettet wäre. Womit auch die Anhänglichkeit der Deutschen an ihren Führer eine späte Rechtfertigkeit erfährt, womit die Bereitschaft der Deutschen, sich politisch zu engagieren; wieder geweckt werden könnte, die historische Kontinuität wieder hergestellt – den Deutschen Gelegenheit gegeben wäre, sich von den Demütigungen der Nachkriegszeit zu erholen.“

[via indy]


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  1. […] P.S.: Interessantes bei waiting. […]

    Pingback von Dear Devohrah… | Reiten, lesen, Freund_innen treffen — 24. Januar 2008 @ 17:07

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