Wie die gruppe morgenthau lernte, den Staat zu lieben

19. Januar 2008

Die gruppe morgenthau veröffentlicht einen Text zur Frankfurter Antifa und deren (Nicht-)Verhältnis zum Islam. En passant legt sie dabei die Menschheit auf die Couch („Das aufgeblähte aber leere Ich ist, daran gemessen, was sein könnte, witzloser Gag.“). Das morgenthau-Pamphlet benennt einige wichtige Punkte – die Antifa als Abenteuerspielplatz in objektiver Sinnlosigkeit, die naive Zivilgesellschafterei und Demokratieverfechterei der Anti-Nazi-Koordination und ihres Bandenchefs H.-C. Stoodt, das Getöse über organisierte NPD-Strukturen, welches sich als beredtes Schweigen über Genese und Gegenwart der deutschen Nation wie der islamistischen Gefahr erweist. Die gruppe morgenthau bedient sich jedoch einer Überzeichnung, die nicht mehr bloßes Stilmittel der Polemik ist, sondern ihre Ausführungen in ein schiefes Verhältnis zur Realität stellt. Die identitäre Fixierung auf die Linke und den Islam gebiert Widersprüche, die nicht mehr reflektiert werden, und schließlich die Kritiker_innen dort im wahrsten Sinne ankommen lassen, wo sie die Kritisierten verorten.

Der Reihe nach:

Zunächst fällt bei morgenthau die Verharmlosung der Nazi-Bedrohung auf, die als „Gruppe abgehalfterter Vereinsnazis“ und „Haufen politisch marginalisierter Trottel“ abgetan werden. „[I]n Frankfurt, wo das ostdeutsche Argument, gegen militante Nazis den Selbstschutz zu organisieren, nicht überzeugend“ sei, sei Antifaschismus – verstanden als Angriff auf Nazi-Strukturen – überflüssig. Dass es jedoch nicht allein glückliche Fügung, sondern auch die in Frankfurt bis in die 80er Jahre reichende Tradition militanter Angriffe auf offen auftretende Nazis war und teilweise ist, die ein größer dimensioniertes Nazi-Problem gar nicht erst entstehen ließ, wird verschwiegen. Ebenso die Rolle Frankfurts als Metropole in provinzieller Umgebung, in der, wie in den Dörfern des Taunus und der Wetterau etwa, Nazis und rechter Dorfmob mancherorts bereits die Hegemonie erringen konnten.
Konstatiert wird stattdessen eine bundesweite „allgemeine Wachsamkeit gegenüber beschmutzendem ‚Rechtsextremismus‘“, als ob der ‚Antifa-Sommer 2000′ ungebrochen bis heute fortdauern würde – was übrigens dann die Frage aufwirft, wieso selbst laut morgenthau weiterhin das „ostdeutsche Argument“ zieht.

Das Wissen um die Ambivalenz des Anti-Nazi-Kampfes, der ja nicht nur der Beförderung des modernisierten Images und dem WM-Patriotismus Deutschlands zugute kommt, sondern eben auch konkret einer Verhinderung von (mörderischen) Angriffen auf Migrant_innen, Jüd_innen und andere ‚Volksfeinde‘ dienlich ist, wird abgewehrt. Zurecht wird das Betteln der Anti-Nazi-Koordination um Wohlverhalten von Politik und Justiz als Missverstehen des „Staat[es] als schützende Instanz“ interpretiert. Empirisch schwach belegt, wird die Analyse jedoch unzulässigerweise auf jeden Antifaschismus – auch jenen, der sich allein aus taktischen Gründen in Pressemitteilungen über Polizeiübergriffe und Demoverbote empört – ausgedehnt.

Damit ist der (realexistierende) Antifaschismus in den Augen der gruppe morgenthau zur Gänze diskreditiert. An diese Delegitimation schließt sich die nächste Delegitimierung an: „Der generelle Hang zur Übertreibung endete in der absolut realitätsresistenten Rede von einem „way out “ – natürlich aus dem Kapitalismus“, denn „von Revolution zu reden [ist] bloß noch peinlich“. Gründe für dieses Diktum werden nicht angeführt – solche Generalurteile wirken ja offenbar desto imposanter, je weniger sie argumentativ unterfüttert werden. Andere, bei der gruppe morgenthau recht angesehene Denker, hätten gegen solch autoritäre Setzung vermutlich eingewandt, dass es umso verzweifelter für den Kommunismus einzutreten gelte, je unmöglicher seine Realisierung erscheine.

Statt der – tatsächlich vom umsGanze-Bündnis im peinlich-omnipotenten Post-Antifa-Gestus aufgeworfenen – Frage der Revolution und der sie vorantreibenden materialistischen Kritik sollten laut morgenthau angeblich (sic!) gänzlich davon divergierende Fragen diskutiert werden:

„Bei so viel Wichtigkeit stehen Fragen, die mit begründetem Recht als welche ums Ganze zu sein hätten, etwa der, wie antisemitischen Mordkollektiven im Iran oder anderswo entgegenzutreten wäre, erst gar nicht erst zur Diskussion.“

Wieder wird hier einesteils unbegründet eine Hierarchisierung der wünschenswerten Agenda der Linken und damit ein Hauptwiderspruchsdenken etabliert, anderenteils eine Dichotomie zwischen „antisemitischen Mordkollektiven“ und Antikapitalismus aufgemacht, die keine sein müsste, würde man sich auf eine materialistische Kritik des Kapitalismus und seiner diversen, zwischen Demokratie, Diktatur und islamistischem Regime changierenden Spielarten orientieren.

Hat man sich nun aber erstmal der lästigen Beschäftigung mit den Nazis und anderen deutschen Übeln sowie der communistischen Bewegung entledigt, kann man den Islam – ohne sich noch den Zwängen der Analyse auf dessen Konstitutionsbedingungen und Fraktionierungen hingeben zu müssen – zum neuen, alles überragenden Hauptfeind stilisieren. So schreibt morgenthau denn im Weiteren:

„Die NPD werde, so die Anti-Nazi-Koordination, stark gemacht von den Regierungsparteien, speziell von Roland Koch, der […] ein Burka-Verbot an hessischen Schulen forderte. Zweifellos, Roland Koch ist deutscher Politiker. Das genügt, um zu wissen: der Mann ist Ideologe. Statt den politischen Jargon […] zu kritisieren, kommen dem landläufig beschimpften Koch die linkesten seiner Kritiker skandalisierend […] und tun im Eifer des realpolitischen Einmischens so, als seien perennierende Gewalt und Verrohung der Sprache, des Verhaltens und der Ästhetik, dort, wo islamisch sozialisierte Jungmänner unter sich bleiben, kein wirkliches Problem. Koch, der abscheulicherweise von „Ausländern“ spricht und vielen, wenn auch längst nicht mehr den allermeisten Deutschen, wenn er die widerwärtige Praxis des Abschiebens befeuert, sagt, was sie hören wollen, wäre im aktuellen Fall […] zum Burka-Verbot nicht vorzuwerfen, dass er ein solches fordert, sondern, dass er die Forderung nicht präzisierend erweitert und statt von islamischer Alltagskultur von „ausländischen Jugendlichen“ spricht, womit er islamische Realitäten verharmlost und dazu beiträgt, dass Leute, die als nichtdeutsch Gebrandmarkte hier einfach nur leben wollen, genau dabei gestört werden. Eben weil er weiß, dass der Islam den Deutschen, gerade denjenigen, die neonationale und produktive Zukunftsarbeit für das Neue Deutschland leisten, ans Herz am wachsen ist, verzichtet er auf eine klare Sprache gegen die repressive „Scham –und Schuldkultur“ (A. Hirsi Ali) in islamischen Milieus.“

Zwar wird das rassistische Regime der BRD von morgenthau noch pflichtschuldig als „widerwärtig“ und „abscheulich“ gebrandmarkt, doch erscheinen diese pejorativen Adjektive wie Reminiszenzen an die eigene politische Sozialisation, die kaum noch mit der eigenen Fixierung auf den Islam kompatibel sind. Denn wie ist es zu erklären, dass Koch einerseits als „deutscher Ideologe“ aufgefasst wird, andererseits seine Forderung nach einem Burka-Verbot verteidigt wird? morgenthau tut hier so, als ob der eine Koch in zwei Kochs zerfalle: den bösen Koch-gegen-Ausländer und den guten Koch-gegen-Islam, dem nicht nur beizustehen, sondern dessen Anliegen sogar noch expliziter gefasst werden müsste. Dabei ist offensichtlich, dass eine solche Trennung ein Produkt der Phantasie – vermutlich des latenten Wunsches nach einer politisch korrekten Islamkritik durch die deutschen Eliten – ist, die der Prüfung durch die Realität nicht standhält: bildet für Koch der Kampf gegen die ausländische Jugendgewalt und sein Kampf gegen die fremde Kultur des Islam, symbolisiert durch Burka und Schächten, eine untrennbare Einheit. Der Islam gerät Koch zur Triebfeder und zum Statthalter des Dunklen, des Bösen, der Gewalt, die doch das innere Wesen des Kapitals und seiner bewaffneten Staatsorgane ist.

morgenthau, denen nicht einmal die offenkundige Wahnhaftigkeit eines solchen Burka-Verbotes auffällt – laut Landesausländerbeirat trägt keine Schülerin in Hessen dieses Kleidungsstück – verteidigt jedoch nicht nur Koch, sondern will ihn in seiner rassistischen Propaganda weiter anfeuern, spricht er doch noch „zu wenig“ vom Islam. Entgegen sonstiger, psychoanalytisch inspirierter Selbstreflektivität, verschwindet hinter dem morgenthau’schen Popanz des „Islam“ Ort wie auch Gegenstand ihrer Rede. Der Islam wird in seiner Praxis und seiner Verbreitung nicht näher beschrieben, erklärt, stattdessen werden recht beliebige Phänomene – Jungmänner, Burka, Verrohung der Sprache und Ahmadinedjad – angeführt und ein logischer Gesamtzusammenhang suggeriert. Der Popanz eines überall drängenden, alles bedrohenden Islam liqudiert die spezifische Differenz, ohne die Kritik keine Kritik mehr ist, sondern zur Ressentimentschleuder herabsinkt. Gemeint ist der bestimmte Unterschied zwischen dem Iran, wo der vernichtungswütige Islamismus sich mittels staatlichem Terror die gesamte Gesellschaft unterworfen hat, jede oppositionelle Regung mit Folter oder Tod bestraft und den jüdischen Staat mit Auslöschung bedroht – und Deutschland, dem postnazistischen Volksstaat, in dem der Islam von einer prozentual geringen, subalternen, teils patriarchal strukturierten und antisemitischen Community gelebt wird, die von der Mehrheitsgesellschaft ein Mal exotistisch-kulturalistisch verklärt, ein anderes Mal als barbarisch-fremd diskreditiert wird.

Wer diese Differenz einebnet bzw. auf das Wirken „eingeschworener, längst nicht mehr diskursleitender aber hüben und drüben real existierenden Rassistenkreise“ reduziert, lügt mit der Wahrheit. Und so ist es denn auch kaum noch verwunderlich, wenn der Staat – zuvor noch heftig gescholten – plötzlich als die bergende Institution erscheint, in der ein immerhin halb-rationaler Roland Koch drängende Probleme anspricht, die auch laut morgenthau mittels Verboten zu lösen seien. Genau jene Haltung, die dem zivilgesellschaftlichen Antifaschismus zu Recht attestiert wird – die autoritäre Sehnsucht, den Staat als Instrument gegen eine missliebige Minderheit zu gebrauchen – wird nun selbst eingenommen, in dem der Staat als Appellationsinstanz zur Einhegung des offenbar pars pro toto enthemmt-barbarisch auf den Boden rotzenden, Frauen unterdrückenden und Juden vernichtenden Islams angerufen wird.

Die gruppe morgenthau, angetreten gegen die „Kumpanei mit Staat und Volk“, erweist sich so gesehen als Verein freier Bürger_innen, der im deutschen Staat nicht den aufgepimpten Nachlassverwalter des Nationalsozialismus, sondern den bräsig-irregeleiteten, an sich jedoch guten Onkel, den man gegen ästhetisch defizitäre und politisch inkorrekte Minoritäten aufhetzen kann, erkennen mag.

Nachtrag:
subwave zu morgenthau
Bessere Texte zum hiesigen Islamdiskurs und zur materialistischen Islamkritik


16 Kommentare

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  1. islam wird an keiner stelle historisch, soziologisch, geschweige denn kritisch-materialistisch analysiert

    was war denn das? die rezension einer hausarbeit ?
    darum ging es in dem morgenthau-text ja auch gar nicht: um eine historisch, soziologisch, kritisch-materialistische analyse des islams.

    islam als ideologie oder politische mission zu behandeln, führt zu affekten, abwehrhaltung und rassismus-vorwurf, tut man das aber, ist er natürlich auch hier („!“) anzugreifen, was durch das aufgreifen der koch’schen wahlkampfrhetorik um die de facto im klassenzimmer nicht vorhandenen burka angedeutet wird, die als symbol zumindest nicht unkommentiert akzeptiert werden sollte.
    ich hab ja schon bemerkt, dass du das irgendwie anders siehst, so in richtung „erst kapitalismus abschaffen, dann sich mit dem islam auseinandersetzen“.

    überhaupt geht es im morgenthau-text darum, daß die natürlich nicht allzu fern liegende assoziation zu einer solchen auseinandersetzung gleich der xenophobe mob zu sein scheint, das gegenteil aber scheinbar der fall ist: hat man es mit einer wahlkampfkampagne wie jetzt von koch (oder auch anderer parteien) zu tun, kommt der eigentliche grundsätzlich „ausländer“feindliche charakter zum vorschein, der stets das „dahoam“ gegen das „fremde“ sich zu verteidigen aufschwingt. da die nicht vorhandene „deutsche leitkultur“ etwas ohne frage widerwärtiges ist, wenn man sie definieren würde, geht es aber nicht um deren verteidigung, viel mehr ist die frage offen, ob sie sich in der praxis nicht sogar ganz gut versteht mit einer kollektiv gedachten traditionell islamisch geprägten community.
    eine auseinandersetzung mit dem islam als ideologie ist aber dringend notwendig im sinn von jeder auseinandersetzung, die ja auch ansonsten gesucht wird. statt einem menschenzoo des ewig fremden, dem mit gutdeutscher toleranz versus islamophobie begegnet wird, wäre eine ehrliche konfrontation doch wesentlich sinnvoller. so wie sie mit faschistoiden ideologien grundsätzlich gesucht werden muss.

    im vergleich dazu erscheint es mir tatsächlich nachvollziehbar, die bemühungen zu marginalisieren, dass npd-zwockel „kein fuß auf erde bekommen“: das ist doch nur ein virtuelles schauspiel.
    eine wahlkampfveranstaltung, wo die eine seite ihre moralische und zahlenmäßige überlegenheit genießt. das kann auch spaß machen und ist ja irgendwie eine „gute tat“. aber den besonderen wert, außer einem subjektiven, statistischen oder lokalpatriotischen kann ich kaum erkennen, wenn ich zwei andere dinge gleichzeitig mitdenke: 1.) was für leute und welche haltungen die sogenannte „anti-nazi-koordination“ frankfurt repräsentiert und 2.) wie der alltag außerhalb des wahlkampfgetöses aussieht.
    der zweite punkt ist ja wohl viel wichtiger und dass es einen ursächlichen zusammenhang gibt zwischen erfolgreichen „bunt statt braun“-aktionen einerseits und dem zumindest auf den ersten blick scheinbar nicht so präsenten vorhandensein einer deutlich als solche erkennbaren neonazi-szene in frankfurt, ist nicht bewiesen bzw. ebenfalls nicht „soziologisch analysiert“.
    würde ich noch in ffm wohnen, wäre es aber eher punkt 1, der mich praktisch davon abhalten würde, den aktivitäten gegen republikaner und npd am wochenende beizuwohnen, das gebe ich zu.

    Comment von dissi — 19. Januar 2008 @ 13:05

  2. Hagen Rether will Islamkritik verbieten? Also wenn das was er da kritisiert wirklich Islamkritik ist, dann sollte es vielleicht wirklich verboten wird. Wer sagt denn, das Islamkritik was gutes ist?

    Comment von Serdar — 19. Januar 2008 @ 13:51

  3. p.s.: nachdem du den artikel komplett überarbeitet hast, ist mein kommentar irgendwie unvollständig. hab aber grade keine lust.

    Comment von dissi — 19. Januar 2008 @ 18:22

  4. und Deutschland, dem postnazistischen Volksstaat, in dem der Islam von einer prozentual geringen, subalternen, teils patriarchal strukturierten und antisemitischen Community gelebt wird

    Dass Muslime nachweislich nicht antisemitischer sind als Deutsche (siehe Schäubles Islam-Studie) scheint dir bei solchen Bemerkungen ebenso wenig im Weg zu stehen wie die Tatsache, dass 40% der Frauen in Deutschland verprügelt oder vergewalt wurden.

    Comment von lysis — 19. Januar 2008 @ 18:37

  5. Ich finde, das ist ähnlich grotesk wie zu schreiben: „Frauen — diese teils antisemitische und homophobe Community in Deutschland“.

    Comment von lysis — 19. Januar 2008 @ 18:58

  6. alles ist super, alles ist wunderbar

    Comment von dissi — 19. Januar 2008 @ 22:54

  7. ok, du kritisierst die punkte an denen die gruppe morgenthau übers ziel hinausgeschossen ist, aber die von dir selber ausgemachte hauptthese, dass es scheiße ist, dass die antifa f lieber für fragwürdige bündnisdemos mobilisiert, als sich mit dem islam auseinanderzuseten, widerlegst du nicht. die spannende frage, ob der kampf gegen wetterauer nazis oder gegen die „antisemitischen Mordkollektive im iran“ dringender ist, einfach mit dem verweis auf den staatsfetisch vom tisch zu wischen, geht doch irgendwie ins leere.

    Comment von ja — 20. Januar 2008 @ 21:35

  8. ach, die antifa f sollte sich mal lieber mit dem antisemitischen mordkollektiv der frauen auseinandersetzen. you know: eva brown was a woman! *kopfschüttel*

    Comment von lysis — 21. Januar 2008 @ 02:13

  9. und Deutschland, […] in dem der Islam von einer prozentual geringen, subalternen [….] Community gelebt wird, die von der Mehrheitsgesellschaft […] exotistisch-kulturalistisch verklärt […] wird“

    Das nenn ich mal kompletten Realitätsverlust. Wer soll denn das sein, der den Islam „exotistisch-kulturalistisch verklärt“? Hinweise jederzeit willkommen!

    Comment von lysis — 21. Januar 2008 @ 02:26

  10. stimmt! lysis, danke für den hinweis: die mehrheit der hier lebenden frauen wird wohl auch abscheuliche antisemitische ansichten haben. ich kann mich manchmal auch nicht entscheiden, wo mein ganz persönlicher akt der negation eigentlich beginnen soll: einglück gibts in der wetterau aber wohl keine antizionistischen frauengruppen, die uran anreichern.

    Comment von ja — 21. Januar 2008 @ 11:58

  11. na, ein glück, dass ich jetzt weiß, dass muslime in kreuzberg des nächtens in ihrem keller nach uran schürfen. da wär ich von allein nie drauf gekommen.

    Comment von lysis — 21. Januar 2008 @ 15:40

  12. „die mehrheit der hier lebenden frauen wird wohl auch abscheuliche antisemitische ansichten haben“

    natürlich hat sie das – sind ja schließlich deutsche. alle umfragen bestätigen das auch. warum willst du Deutschland und seine grausigen Apologeten reinwaschen?

    Comment von real AD — 21. Januar 2008 @ 18:50

  13. soll die antifa f der us air force beitreten? muslime auf offener straße angreifen? oder wie sollen wir dich verstehen, ja?

    Comment von bigmouth — 21. Januar 2008 @ 21:57

  14. sorry 4 being late, habe gerade wenig möglichkeiten online zu gehen.

    2 sachen:
    zum einen denke ich nicht, dass es sich bei den kritisierten punkten um bloße fehler im eifer des gefechts handelt, wie es deine formulierung „ÜBERS ziel hinausgeschossen“ suggeriert. Vielmehr scheint es sich dabei tatsächlich UM das ziel zu handeln, das einige antideutsche gruppen seit längerem avisieren: die bekämpfung ‚des islam’ by any means necessary – und sei es unter rückgriff auf die nationale elite („welt“, beckstein usw), staatliche politik und rassistische exklusionsmaßnahmen.
    Zum anderen machst du hier auch wieder eine spaltung auf, die mir sehr unplausibel scheint: wieso muss man denn entweder gegen nazis oder gegen das iranische regime angehen? War der antideutschen kritik nicht immer essentiell, sich von linker bauchfolklore abzusetzen, indem die komplizenschaft der bevölkerung an den alltäglichen übeln und außeralltäglichen mordexzessen der gesellschaft mitgedacht wird? Wo bleiben denn die ordinary germans? Offenbar werden sie bei dir und morgenthau überdeckt vom langen schatten eines islam, der jede andere problematik verblassen lässt.
    Selbst wenn man die mullahs als hauptfeind definieren müsste, um eine vernichtung israels zu verhindern, so wäre doch zu fragen: was folgt dann aus einer solchen bestimmung für die versprengten häufchen der vernünftigen hierzulande? Burka-verbot in frankfurt-hausen durchsetzen? In die us-army eintreten? Oder die bundeswehr? Oder, was mir als einzig sinnvolles erschiene: die iranische opposition zu unterstützen. Was gar nicht schwer ist, da es ja genügend exilparteien und –grüppchen gibt. Wird aber leider kaum praktiziert, und wenn gleicht es doch eher einer instrumentalisierung denn einer gleichberechtigen zusammenarbeit (siehe bündnis gegen appeasement-konferenz).

    Comment von w — 22. Januar 2008 @ 16:46

  15. ich kann natürlich nicht für die gruppe m. sprechen, aber so wie ich den text verstehe, kritisiert er doch vor allem die fixierung auf nazis und die „rosenstreuende“ polizei, die eben ganau von den ordinary germans oder von existentielle(re?)n problemen wie eben dem iranischen atomprogramm ablenkt.
    und natürlich geht es nicht darum, jetzt muslime statt nazis anzugreifen und dabei noch deutschland reinzuwaschen, sondern schlicht und einfach um die forderung nach einer antideutschen praxis, im gegensatz zur ewig gleichen unreflektierten antifapraxis, die den wahren kampf auf der straße verherrlicht (mit der begründung: irgendwas musst du doch machen!), und gleichzeitig praktizierte israel-solidarität als konterrevolutionär identifiziert (mit der bedründung: schließlich war ein zentraler punkt antideutscher kritik immer die zurückweisung von blindem aktionismus).

    Comment von ja — 22. Januar 2008 @ 20:44

  16. naja, deine einwände treffen vielleicht auf große teile der linken zu, aber sie entsprechen weder der intention des morgenthau-textes (dort wird nämlich auf die pole nazis ODER islam abgehoben, alternativen werden nicht benannt) noch der ausrichtung der [f], die sich ja in den letzten jahren recht stark von der klassischen antifa-ausrichtung entfernt hat (und das nicht immer zum guten, siehe g8).

    im übrigen bin ich ziemlich im unklaren über die frage ‚was tun?‘: gilt es, eine massenvernichtung vergleichbar auschwitz abzuwenden und darauf alle kräfte abzustellen, oder ist es nicht prioritär, gerade das kleinste, das alltägliche und zu vertraute – also auch sich und das eigene umfeld – mit schärfster kritik zu belegen, oder wäre zweiteres im angesichts der möglichkeit des ersteren gerade das richtige, da wir so oder so weitgehend zu ohnmacht verdammt sind?

    dem morgenthau-text fehlt es – wie quasi allen beiträgen der letzten jahre – leider an analytischem gehalt, um hier zur klärung beizutragen.

    Comment von Administrator — 22. Januar 2008 @ 22:22

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