Kein Sex mit dem Ex – U-Turn-Linke fahren bei Rot gegen die Wand

27. Dezember 2007

Schon vor einigen Wochen tobte in der liberalen, neokonservativen, postantideutschen, kleinbürgerlichen respektive großkotzigen Blogosphäre eine sogenannte Antifa-Debatte. Losgetreten wurde sie von irgendwelchen unbedeutenden Kleingeistern, die sich in ihrem Furor gegen den gewaltbereiten, extremistischen und sicher auch barbarischen Totalitarismus an den offenbar bereits, ausgerüstet mit Mao-Bibel, Baseballschläger und anderen Weapons of Mass Destruction vor Wien stehenden Antifas abarbeiten mussten. Im Falle von Langeweile könnt ihr euch einen einigermaßen kritischen Überblick über diese Posse bei telegehirn verschaffen.

Richtig eklig wurde der Geister(fahrer)diskurs aber erst mit der Intervention von Michael Holmes, Ex-Antifa/Antideutscher und jetziger Freund der Offenen Gesellschaft, der sich in Form einer Beichte von seiner Vergangenheit reinzuwaschen versuchte und dabei ein inniges Bekenntnis zum Staat, dem totalen Herrscher sans phrase, ablegte. Um glaubwürdiger zu erscheinen und die antifaschistische Bedrohung aufzuplustern, inszeniert Holmes sich als prospektives Opfer von Genickschussterror:

„Aber eines Tages… Eines Tages ist ihr Tag. Und da wird es eine Wand geben. Und ob da dann auch die nützlichen Idioten […] aus der liberalen Blogosphäre davor stehen werden, das weiß ich nun nicht, denn das wird spontan und vor Ort und “dezentral” entschieden. Mir hat man meinen Ehrenplatz bereits zugesichert.“

Dieser Beitrag, zunächst bei der Achse des Guten (Broder, Miersch und co.) erschienen, wurde auf eine Beschwerde hin gelöscht, woraufhin das Holmes’sche Milieu auf die Barrikaden ging. Besonders engagiert zeigte sich ein weiterer Freund der Offenen Gesellschaft, Ingo Way, der offenbar auf eine Karriere bei den Kettenhunden der Demokratie alias FAZ, Welt oder Verfassungsschutz spekuliert, und darum voller Empörung

„über ein politisches Milieu informiert, das Straftaten begeht, Gewalt befürwortet und sich in bürgerlichen Kreisen eine gewisse Respektabilität dadurch verschafft, daß es vorgibt, gegen “den Faschismus” zu kämpfen, und das dem Verfassungsschutz immerhin relevant genug erscheint, um ihm regelmäßig in seinem Jahresbericht einige Seiten zu widmen – ein Thema von allgemeinem Interesse mithin.“

Eine offene Gesellschaft, die solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr – sie erfindet sie sich einfach selber, um sie dann umso paranoider abzuwehren. Die Bekämpfung solch gesamtgesellschaftlich irrelevanter Splittergruppen wie ‚der Antifa‘ dient in keiner Weise irgendeiner politischen oder theoretischen Auseinandersetzung, wie der Begriff Debatte suggeriert, sondern ist den noch mit dem Stigma des Linksradikalismus behafteten Konvertiten Signal an die Macht, den Staat, um ihre Bereitschaft zu vollständiger Unterwerfung anzuzeigen. Straftaten? – Nicht mit uns! Wir sind anständig, wir sind wachsam, wir sorgen (virtuell) für Ordnung.

Nicht nur ordentliche Bürger werden so aus den transformierten Radikalinskis, sondern wahre Blogwarte, die sich gegen jede mit ihrer Vergangenheit assoziierte Abweichung richten. Dieser Prozess des Überläufers, der den vehementesten Feind seines ehemaligen Lagers gibt, ist so erbärmlich wie altbekannt, und ich ärgere mich bereits jetzt, für solche Konformisten die Zeit, die ein Blog-Posting beansprucht, verschwendet zu haben.
Doch andererseits wird dieser Ärger mich antreiben, eine noch längere Liste zu erstellen und eine noch größere Wand zu errichten …


24 Kommentare »

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  1. Eine der Konstanten bei diesen Leuten: Ich wollte ihre Texte nicht lesen, als sie noch Kommunisten waren, und so bleibt es auch. Beeindruckend bleibt, wie schnell sie meist den Adorno-Jargon losgeworden sein, leider ist das Sendungsbewusstsein jedoch noch da.

    [btw, irgendwas stimmt mit Deiner Zeichenkodierung nicht – die Umlaute sind kaputt. Im Quelltext steht charset=iso-8859-1, stellt man das jedoch im Browser ein, ist es defekt. UTF-8 scheint die richtige Zeichenkodierung zu sein]

    Comment von vr — 27. Dezember 2007 @ 13:09

  2. Ich psychologisiere mal wieder: Diese Leute sind einfach durch! Einfach nicht ganz auf der Hhe. Karriere bei Springer und co.? Kannste vergessen! Da gibts ganz andere mit „makeloser“ Vergangenheit. Das der „verrckte Mick“ tatschlich glaubt, nach einer Vergangenheit bei den „antideutschen Kommunisten“ bei der Welt landen zu knnen, macht ihn zu einem bedauerlichen Geschpf… Noch viel bedauerlicher: Dieser Herr: http://derfuchsbau.wordpress.com/.

    Comment von elser — 27. Dezember 2007 @ 15:34

  3. @ Elser:

    Eine Behauptung der bei ihm verhassten Linken hat Michael Holmes allerdings unfreiwillig besttigt: Eine Klapse in der brgerlichen Gesellschaft integriert die Leute schn wieder in diese hinein! :-D

    @ Waiting:

    Beschwerde bei achgut? Wer fand den Beitrag von Holmes denn doof?

    Comment von hehe — 27. Dezember 2007 @ 16:36

  4. @elser: nunja, der herr fuchsbau darf bei welt-online immerhin schon die witzseite betreuen. und so abwegig ist die springer-karriere nicht. bei welt sind schon viele ex-linksaussen gelandet…

    Comment von subwave — 27. Dezember 2007 @ 16:49

  5. Diese seltsame Debatte mal auen vor gelassen, was ist denn so schlimm daran, bei der Welt seine Brtchen zu verdienen?

    Comment von jensito — 27. Dezember 2007 @ 16:57

  6. so besonders liberal scheinen mir way und holmes aber nicht zu sein, die texte in denen sie sich über die antifa auskotzen lassen ja eher auf gewaltige staatsfans schließen.

    und der „kritische“ überblick von telegehirn ist ja wohl auch ziemlich daneben, so wie da zivilgesellschaftlich&demokratisches engament gegen nazis gelobt wird

    Comment von kaputt — 27. Dezember 2007 @ 17:01

  7. @jensito: die welt ist wirklich eine schreckliche zeitung für leute, die konservativ bis rechtsliberal und dabei nicht mal besonders klug sind. mit abstand die schlechteste große überregionale qualitäts-tageszeitung in deutschland. dagegen ist die FAZ beinah linksradikal, zumindest im kulturteil.

    die welt ist ideologisch wie die BILD mit mehr text

    Comment von bigmouth — 27. Dezember 2007 @ 17:14

  8. Gut, ich lese weder FAZ noch Welt sonderlich hufig. So wie du das beschreibst, bedeutet ein Engagement bei einer solchen Zeitung auch eine entsprechende politische Angreifbarkeit, seh ich das richtig?

    Comment von jensito — 27. Dezember 2007 @ 17:38

  9. @bigmouth: BLABLA

    Comment von karl_m — 27. Dezember 2007 @ 19:20

  10. so besonders liberal scheinen mir way und holmes aber nicht zu sein, die texte in denen sie sich über die antifa auskotzen lassen ja eher auf gewaltige staatsfans schließen.

    Ja, ach und wo ist der Widerspruch? Kennst Du einen Liberalen, der kein Staatsfan ist? Der ganze Liberalismus ist ein einziger Vorschlag darber, wie ein Staat, nmlich freiheitlich, zu laufen hat. Das schliet aber notwendig ein, dass die Feinde des liberalen Staates abzuschaffen bzw. mind. zu beobachten sind. So what?

    Comment von Roter — 27. Dezember 2007 @ 20:07

  11. „Kennst Du einen Liberalen, der kein Staatsfan ist?“

    Ja…

    Comment von kaputt — 27. Dezember 2007 @ 21:50

  12. in der Geschichte wurden Liberale wurden immer schon zu groen Staatsfans, wenn sie sich bedroht fhlten bzw. Kapitalismus und brgerliche Staatlichkeit in Gefahr sahen oder es galt, die Profitrate zu sanieren (wobei Gewerkschaften u.. ja bekanntlich im Wege stehen), der Gipfel dessen war die Zustimmung der fnf DStP/DDP-Abgeordneten (darunter Theodor Heuss) und der zwei DVP-Abgeordneten im Mrz 1933 zum Ermchtigungsgesetz … ansonsten beschleicht einen das Gefhl, dass die Verfolgungsphantasien der oben genannten Gestalten auch die Funktion erfllen, sich ein wenig wichtig zu fhlen, wenn ein niemand mehr beachtet

    Comment von Entdinglichung — 28. Dezember 2007 @ 14:00

  13. @ kaputt:

    Ich meinte nicht aus deinem Bekanntenkreis, sondern jemand bekanntes, wo man deine Behauptung berprfen kann. Im brigen meine ich auch nicht sog. Anarchokapitalisten, die keine Liberalen im strengen Sinn sind.

    @ Entdinglichung

    Bei dir verstehe ich das „wurden“ nicht. Du hast ja recht in deinen Beispielen, nur „werden“ die Liberalen nicht erst an dieser Stelle brgerliche Staatsfans, sie sind es schon von Beginn ihrer liberalen Ideologie an! Ihre ganze Auffassung ist doch nichts anderes als der Vorschlag, wie ein Staatswesen mit Freiheit und Gleichheit und Eigentum eingerichtet wird (historisch auch als Kritik an den feudalen Staatswesen). Unter diesen Bedingungen sollen die Brger leben und ihren Alltag bewlltigen. Dazu gehrt die Einrichtung eines Riesengewaltapparates in Gestalt von Polizei, Justiz, Armee usw. die nicht erst die inneren und ueren Feinde fertig machen sollen, sondern auch schon bei allgemeinen STrungen einzuschreiten hat: Kriminalitt o.a. Gefahren fr den kapitalistischen Betrieb. Da finden und fanden Liberale schon immer wichtig, dass eine Staatsgewalt da fr Ordnung sorgt.
    Zusammengefasst: Die wollten die vorbrgerliche Staatsgewalt nie abschaffen, sondern durch eine neue ersetzen und waren somit schon immer Staatsfans.

    Noch ein Wort zu den liberalen Bloggern: Stimme dir da zu, Entdinglichung. Das ganze Treiben von Holmes und Way in der liberalen Szene war ein permanentes, schon schtiges Abarbeiten an ihrer linken Vergangenheit. Das fing schon mit dem Namen „Freunde der offenen Gesellschaft“ an als Polemik gg die „FreundeInnen der klassenlosen Gesellschaft“. Im weiteren Verlauf konnte man – im Vergleich zu dem Normaloliberaloblogger – auch hauptschlich irgendwelche Dissereien gg. ihre Ex-Genossen/Linke lesen. Das las sich dann immer noch wie ihre frheren Attacken als Antideutsche gg. Linke, nur dass sie die Linken nicht mehr an antideutschen Moralmastben gemessen hatten, sondern nun an liberalen. Dass das so eher serisen Liberalen von der „Achse des Guten“ auch irgendwie zu bld ist: kein Wunder. Was gehen die diese Szenegeschichten auch an? Fr Holmes natrlich kein Grund, das mal sein zu lassen und sich zB liberale Vorschlge zur Familienpolitik oder Wirtschaftspolitik zu berlegen, sondern sein Projekt der Linkenabqualifizierung als Vergangenheitsbewltigung weiterzuverfolgen. Das war schlielich der ganze Inhalt seines U-Turns. Da diese Linken ihn aber schon nicht mehr beachten, hchstens noch verhhnen, muss er sie schon als Gefahr fr sich halluzinieren, damit er sein Treiben fortfhren kann. Kein Wunder, wenn der paranoid ist.

    Comment von Roter — 28. Dezember 2007 @ 17:24

  14. @ Waiting:

    Hat sich erledigt, meine Frage. Steht ja alles bei Ingo Way. Und da besttigt sich auch die Behauptung von „Roter“:

    2. Wir haben aber keine Lust, dass so eine Sektendebatte auf
    achgut.de stattfindet. Wir sind ein journalistisches Medium und keine
    Gesinnungstankstelle. Also soll sie bitte woanders stattfinden. Es gibt
    genug Blogs.[…]

    Wir fanden diesen Text grundstzlich nicht sehr passend fr
    achgut.de. 99 Prozent unserer Leser kennen weder die Antifa noch die
    Zitierten. Wir brauchen keine Abgrenzung zum Linksradikalismus, weil
    wir damit eh nichts am Hut haben. Und irgendwelche internen
    Szene-Diskussionen brauchen wir schon gar nicht.

    Comment von Hehe — 28. Dezember 2007 @ 18:36

  15. habe gerade keinen inet-zugang, kann deswegen nichts zur diskussion beitragen

    Comment von w — 29. Dezember 2007 @ 16:23

  16. 2 kommentare freigeschaltet, die in der modschlange hingen (sorry!).

    und wie geht das jez mit den umlauten?

    Comment von Administrator — 3. Januar 2008 @ 19:22

  17. Hngt davon ab, ob Du bei Blogsport Zugriff auf den Quelltext bzw. eine Option in Deinem Admin-Men hast. Siehst Du die kaputten Umlaute denn auch?

    Comment von vr — 4. Januar 2008 @ 11:11

  18. Bitte auf „Verwalten“ -> „Dateien“ gehen und dort in der index.html folgende Zeile


    ändern in

    Comment von zeank — 4. Januar 2008 @ 12:21

  19. mist. nochmal:

    folgende zeile

    <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1" />

    ändern in

    <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8" />

    Comment von zeank — 4. Januar 2008 @ 12:22

  20. cool, danke, zeank.
    let`s see if it works (bei mir waren die umlaute ja bisher schon meistens korrekt angezeigt).

    Comment von Administrator — 4. Januar 2008 @ 21:19

  21. In der Titelleiste und Deinem Text sieht’s jetzt korrekt aus.

    Comment von vr — 5. Januar 2008 @ 13:34

  22. […] Dass gewendete Linken, die sich dem Spät-Bürgertum andienen, indem sie sich in besonders schriller Weise gegen ihre ehemaligen Genoss_innen und gegen ihre eigene Geschichte wenden, in ihrem Eifer, ihre Unterwerfung unter Staat und Kapital den alteingessenen Machtträgern glaubhaft zu zelebrieren, immer noch eine Spur widerlicher, verfolgungssüchtiger und extremistischer (hihi) als die die authentischen Bürgerlichen daherkommen, bewiesen schon zahllose Revolutionäre der ‘68er Garde. In jüngster Zeit knüpften die lächerlichen Vollhorste der FdOG an diese Tradition an, als sie ventilierten, ihre ehemaligen Bekannten von der Antifa hätten Ex-Bahamas-Autor Michael Holmes auf eine Todesliste gesetzt, eine Absurdität, die nicht einmal durchschnittlich aufgeklärte Schreiberlinge eines Piefkeblattes wie dem Tagesspiegel ernst nehmen würden. Zur Untermauerung der eigenen Credibility wurde von der FdOG denn noch der sicher stets objektiv berichtende und von Interessen ungetrübte Verfassungsschutz, dieser allseitig informierte Wächter über den Erhalt des Ganzen, herangezogen. […]

    Pingback von Wartezeit überbrücken … :: Original und Kopie :: April :: 2008 — 21. April 2008 @ 23:28

  23. Hier wurde gefragt, wer bei der Achse der Doofen damals interveniert hat wegen Holmes‘ Text: Das war Claudio Casula aus Hamburg.

    Comment von Gewernerschaft — 2. August 2008 @ 13:47

  24. […] Die identifizierende Denke der Neu-Liberalen sträubt sich gegen die Nicht-Identität, welche die antideutsche Israelsolidarität anleitet: für etwas einzutreten, ohne (notwendig) Teil desselben zu sein; für etwas einzutreten, dessen Grundprinzipien man eigentlich bekämpft; für etwas zu agitieren, das man lieber heute als morgen überwinden würde. Je mehr Way/Wirner selbst berechnen, einspannen, verwerten – die Juden, Israel, als Brücke zur falschen Versöhnung mit dem staatsförmigen Nachlassverwalter des NS, als Alibi für die Reintegration in die einst verhasste Gesellschaft, als Anschubfinanzierung für die eigene Karriere in der Mitte bzw. der Welt – desto vehementer betätigen sie sich als begriffslose Mahner vor den Manipulationsversuchen der Antideutschen. Je weniger sie noch die Erfahrung der realexistierenden Widersprüche der Gesellschaft zulassen, je mehr sie sich einpassen, eins werden wollen mit der Macht, desto mehr müssen sie den (scheinbar) antagonistischen Widerspruch in Form der Autonomen, Antifas oder eben Antideutschen exkommunizieren. […]

    Pingback von Wartezeit überbrücken … :: Kein Sex mit dem Ex II - Exkommunikation und Instrumentalisierung :: August :: 2008 — 14. August 2008 @ 23:58

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