Nichtdeutsch ist geil

27. Dezember 2007

Thomas Brussig, Autor von ‚Sonnenallee‘ und ‚Helden wie wir‘, hat (bereits vor einigen Monaten) ein weiteres Buch auf den Markt geworfen: eine Reportage aus der Welt der Prostitution. Sonja Eismann, Autorin von ‚Intro‘ und ‚Groove‘, hat eine Rezension dieses Machwerks auf ihrer Homepage eingestellt.

In der folgenden Passage greift sie unter anderem die rassifizierenden Sexismen Brussigs auf:

„An vielen Stellen empört er sich, dass die armen Männer „ausgenommen würden wie eine Weihnachtsgans“ und dass es vielen dieser ruchlosen Frauen offensichtlich nur darum ginge, für möglichst viel Geld möglichst wenig zu tun. Und küssen lassen wollen sie sich nicht, und auf Kondome bestehen sie auch noch! Skandal. Nicht nur entpuppt sich Brussig als ultramisogyn, wenn er meint, nur aufgrund seiner von der B.Z. bezahlten Geldschein-Wedelei dürfe er, der beileibe eher einem Molch als einem Adonis ähnelt, sich abschätzige Urteile über viele dieser Frauen erlauben („So, wie sie aussehen, haben sie in diesem Beruf nichts verloren. […] Ich kann kein Mitleid für diese Frauen aufbringen. Sie sind eklatante Fehlbesetzungen, […]. Diese Frauen scheinen Erniedrigung geradezu anzuziehen“). Er zeigt sich auch als verkappter Rassist, der diese Eigenschaft hinter dem fast noch widerlicheren Deckmäntelchen des aufgegeilten Exotismus verbirgt: Eine Prostituierte wird als „Kleine“ mit „sehr exotischer Blutsvermischung“ beschrieben, als „indianisch-mulattisch-asiatisches Geheimnis“. Gina, die Karibin, kann in seiner Vorstellung bestimmt „wahnsinnig gut tanzen“, und Janet aus Tansania, stellt er verdutzt fest, habe ja „weder schwarze Haut noch ausgesprochen negroide Gesichtszüge“.“


Kein Sex mit dem Ex – U-Turn-Linke fahren bei Rot gegen die Wand

27. Dezember 2007

Schon vor einigen Wochen tobte in der liberalen, neokonservativen, postantideutschen, kleinbürgerlichen respektive großkotzigen Blogosphäre eine sogenannte Antifa-Debatte. Losgetreten wurde sie von irgendwelchen unbedeutenden Kleingeistern, die sich in ihrem Furor gegen den gewaltbereiten, extremistischen und sicher auch barbarischen Totalitarismus an den offenbar bereits, ausgerüstet mit Mao-Bibel, Baseballschläger und anderen Weapons of Mass Destruction vor Wien stehenden Antifas abarbeiten mussten. Im Falle von Langeweile könnt ihr euch einen einigermaßen kritischen Überblick über diese Posse bei telegehirn verschaffen.

Richtig eklig wurde der Geister(fahrer)diskurs aber erst mit der Intervention von Michael Holmes, Ex-Antifa/Antideutscher und jetziger Freund der Offenen Gesellschaft, der sich in Form einer Beichte von seiner Vergangenheit reinzuwaschen versuchte und dabei ein inniges Bekenntnis zum Staat, dem totalen Herrscher sans phrase, ablegte. Um glaubwürdiger zu erscheinen und die antifaschistische Bedrohung aufzuplustern, inszeniert Holmes sich als prospektives Opfer von Genickschussterror:

„Aber eines Tages… Eines Tages ist ihr Tag. Und da wird es eine Wand geben. Und ob da dann auch die nützlichen Idioten […] aus der liberalen Blogosphäre davor stehen werden, das weiß ich nun nicht, denn das wird spontan und vor Ort und “dezentral” entschieden. Mir hat man meinen Ehrenplatz bereits zugesichert.“

Dieser Beitrag, zunächst bei der Achse des Guten (Broder, Miersch und co.) erschienen, wurde auf eine Beschwerde hin gelöscht, woraufhin das Holmes’sche Milieu auf die Barrikaden ging. Besonders engagiert zeigte sich ein weiterer Freund der Offenen Gesellschaft, Ingo Way, der offenbar auf eine Karriere bei den Kettenhunden der Demokratie alias FAZ, Welt oder Verfassungsschutz spekuliert, und darum voller Empörung

„über ein politisches Milieu informiert, das Straftaten begeht, Gewalt befürwortet und sich in bürgerlichen Kreisen eine gewisse Respektabilität dadurch verschafft, daß es vorgibt, gegen “den Faschismus” zu kämpfen, und das dem Verfassungsschutz immerhin relevant genug erscheint, um ihm regelmäßig in seinem Jahresbericht einige Seiten zu widmen – ein Thema von allgemeinem Interesse mithin.“

Eine offene Gesellschaft, die solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr – sie erfindet sie sich einfach selber, um sie dann umso paranoider abzuwehren. Die Bekämpfung solch gesamtgesellschaftlich irrelevanter Splittergruppen wie ‚der Antifa‘ dient in keiner Weise irgendeiner politischen oder theoretischen Auseinandersetzung, wie der Begriff Debatte suggeriert, sondern ist den noch mit dem Stigma des Linksradikalismus behafteten Konvertiten Signal an die Macht, den Staat, um ihre Bereitschaft zu vollständiger Unterwerfung anzuzeigen. Straftaten? – Nicht mit uns! Wir sind anständig, wir sind wachsam, wir sorgen (virtuell) für Ordnung.

Nicht nur ordentliche Bürger werden so aus den transformierten Radikalinskis, sondern wahre Blogwarte, die sich gegen jede mit ihrer Vergangenheit assoziierte Abweichung richten. Dieser Prozess des Überläufers, der den vehementesten Feind seines ehemaligen Lagers gibt, ist so erbärmlich wie altbekannt, und ich ärgere mich bereits jetzt, für solche Konformisten die Zeit, die ein Blog-Posting beansprucht, verschwendet zu haben.
Doch andererseits wird dieser Ärger mich antreiben, eine noch längere Liste zu erstellen und eine noch größere Wand zu errichten …


Gitarre is the new bassline

26. Dezember 2007

Neben gepflegtem Electro aus den Ställen von Pantha du Prince, Efdemin oder Metope und einem kleinen Schlenker in die Baile Funk-Ecke sehe ich mich gerade einem weitreichenden Gitarren-Backlash ausgesetzt. Seit einiger Zeit schon rotiert beim Kochen immer wieder die hittige Bad-Religion-BestOf ‚All Ages', und Metallica ist ja eh Evergreen – man denke nur an die göttliche und bis heute unerreichte ‚Master Of Puppets‘. Durch motor fm (peinlich!) bin ich jetzt auf den Smash-Hit ‚White People for Peace‘ von Against Me! gestoßen, den ich in den letzten 24 Stunden im Auto-CD-Player auf Dauerrepeat hatte (dank an den Freund, der die CD dort vergessen hat).
Und jetzt bin ich durch prokrastinierendes youtube-Gesurfe auch noch über den alten Shellac-Klassiker ‚Prayer To God‘ gestolpert, der ja mal einfach alles wegbläst. Auch wenn der Text wahlweise als Persiflage auf christliche Praxen oder als erweiterte Ehrenmord-Fantasie gelesen werden kann, sehe ich mich doch veranlasst, den Refrain bei jeder Wiederkehr inbrünstig (in mich hinein) zu grölen. Massive!
Was für einen Eindruck das Stück auf die Musikwelt hinterlassen hat, zeigt schon die Tatsache an, dass allein bei youtube drei Coverversionen von ‚Prayer To God‘ zu finden sind (von Subtle, Frank Turner und Silkworm), die allerdings allesamt nicht die böse Energie des Originals transportieren.

Demnächst mehr compilierte Belanglosigkeiten aus dem Hause Gitarre auf diesem Blog.


?

26. Dezember 2007

Welche Atemtechnik ist Best Practice beim Inhalieren: durch die Nase ein+aus, durch die Nase ein+durch den Mund aus, oder durch Nase+Mund ein+aus?


Sorry, Fans

07. Dezember 2007

Falls noch irgend eine_r hier mitliest:
Updates frühestens wieder ab 20.12.

Bis dahin gilt

-> für mich: Urlaub.
-> für euch: Lest und liebt Rocko Schamoni.

Yeah.

P.S.
Welche mir die Telefonnummer des zuckersüßen Rocko Schamoni besorgt oder mich auf anderem Wege mit ihm verkuppelt, der winkt als Belohnung ein von mir höchstselbst zubereitetes 5-Gänge-Menü.