Schon vor einigen Wochen tobte in der liberalen, neokonservativen, postantideutschen, kleinbürgerlichen respektive großkotzigen Blogosphäre eine sogenannte Antifa-Debatte. Losgetreten wurde sie von irgendwelchen unbedeutenden Kleingeistern, die sich in ihrem Furor gegen den gewaltbereiten, extremistischen und sicher auch barbarischen Totalitarismus an den offenbar bereits, ausgerüstet mit Mao-Bibel, Baseballschläger und anderen Weapons of Mass Destruction vor Wien stehenden Antifas abarbeiten mussten. Im Falle von Langeweile könnt ihr euch einen einigermaßen kritischen Überblick über diese Posse bei telegehirn verschaffen.
Richtig eklig wurde der Geister(fahrer)diskurs aber erst mit der Intervention von Michael Holmes, Ex-Antifa/Antideutscher und jetziger Freund der Offenen Gesellschaft, der sich in Form einer Beichte von seiner Vergangenheit reinzuwaschen versuchte und dabei ein inniges Bekenntnis zum Staat, dem totalen Herrscher sans phrase, ablegte. Um glaubwürdiger zu erscheinen und die antifaschistische Bedrohung aufzuplustern, inszeniert Holmes sich als prospektives Opfer von Genickschussterror:
„Aber eines Tages… Eines Tages ist ihr Tag. Und da wird es eine Wand geben. Und ob da dann auch die nützlichen Idioten […] aus der liberalen Blogosphäre davor stehen werden, das weiß ich nun nicht, denn das wird spontan und vor Ort und “dezentral” entschieden. Mir hat man meinen Ehrenplatz bereits zugesichert.“
Dieser Beitrag, zunächst bei der Achse des Guten (Broder, Miersch und co.) erschienen, wurde auf eine Beschwerde hin gelöscht, woraufhin das Holmes’sche Milieu auf die Barrikaden ging. Besonders engagiert zeigte sich ein weiterer Freund der Offenen Gesellschaft, Ingo Way, der offenbar auf eine Karriere bei den Kettenhunden der Demokratie alias FAZ, Welt oder Verfassungsschutz spekuliert, und darum voller Empörung
„über ein politisches Milieu informiert, das Straftaten begeht, Gewalt befürwortet und sich in bürgerlichen Kreisen eine gewisse Respektabilität dadurch verschafft, daß es vorgibt, gegen “den Faschismus” zu kämpfen, und das dem Verfassungsschutz immerhin relevant genug erscheint, um ihm regelmäßig in seinem Jahresbericht einige Seiten zu widmen – ein Thema von allgemeinem Interesse mithin.“
Eine offene Gesellschaft, die solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr – sie erfindet sie sich einfach selber, um sie dann umso paranoider abzuwehren. Die Bekämpfung solch gesamtgesellschaftlich irrelevanter Splittergruppen wie ‚der Antifa‘ dient in keiner Weise irgendeiner politischen oder theoretischen Auseinandersetzung, wie der Begriff Debatte suggeriert, sondern ist den noch mit dem Stigma des Linksradikalismus behafteten Konvertiten Signal an die Macht, den Staat, um ihre Bereitschaft zu vollständiger Unterwerfung anzuzeigen. Straftaten? – Nicht mit uns! Wir sind anständig, wir sind wachsam, wir sorgen (virtuell) für Ordnung.
Nicht nur ordentliche Bürger werden so aus den transformierten Radikalinskis, sondern wahre Blogwarte, die sich gegen jede mit ihrer Vergangenheit assoziierte Abweichung richten. Dieser Prozess des Überläufers, der den vehementesten Feind seines ehemaligen Lagers gibt, ist so erbärmlich wie altbekannt, und ich ärgere mich bereits jetzt, für solche Konformisten die Zeit, die ein Blog-Posting beansprucht, verschwendet zu haben.
Doch andererseits wird dieser Ärger mich antreiben, eine noch längere Liste zu erstellen und eine noch größere Wand zu errichten …