Fragm., doch ungebr.

22. August 2007

Die Form des Titels ist ein Tribute 2 Jörg SundermeiersDer letzte linke Student

So wie ein Spambot das Internet nach dem @-Zeichen durchforstet, um, sobald gefunden, eine standardisierte Mail auszusenden, so scannt mpunkt sämtliche Blogs des Planeten nach dem Reizwort Demokratie, um dann seine standardisierte Message auszusenden. Wie es einem GSP-Jünger gebührt, werden nicht nur die altbekannten Floskeln aus dem gruppeneigenen Phrasengenerator („ganz normaler Nationalismus“, „Antifas als Idealisten des demokratischen Rechtsstaates“) verwurstet, sondern zur Krönung auch noch ein Zitat des vom demokratischen Rechtsstaat bezahlten GSP-Vordenkers/Führers/Chefpredigers Freerk Huisken eingebaut.
Same procedure as every time also.
Die folgenden Bemerkungen sind demzufolge auch nicht als Antwort auf die zur Politgruppe geronnene Aufklärungsresistenz gedacht. Der Beitrag von mpunkt dient lediglich als Aufhänger, um noch einmal in der gebotenen Kürze auf die folgende, tatsächlich missverständliche Formulierung aus dem gestrigen Posting „Gegen Mügeln und gegen Mitte“ einzugehen:

„An der Basis wurden durchaus ungebrochene nationalsozialistische Einstellungsmuster – oft fragmentiert, weniger als konsistent biorassistische Weltanschauung – konserviert und werden weiterhin recht ungebrochen von Generation zu Generation tradiert.“

Gemeint war zunächst die Banalität, dass die Existenz nationalsozialistischer Ideologie keineswegs durch den Sieg der Alliierten am 8. Mai 1945 erlosch. Wie auch, lebten ihre subjektförmigen Träger_innen nach 1945 doch im Dutzendmillionenpack fort, und besannen sich zum allergrößten Teil nicht eines Besseren. Auch die nachfolgenden Generationen brachen nicht im gebotenen Umfang mit ihren Vorfahren und derem ideologischen Ballast, sondern traten mehr oder weniger freimütig und bewusst deren Erbe an. Allerdings bedeutete die militärische Niederlage 1945 doch zugleich einen massiven Bruch, der zum Einen die öffentliche Artikulation des Nationalsozialismus in weiten Teilen verunmöglichte, sogar unter Strafe stellte, zum Anderen auch eine Umstrukturierung der deutschen Gesellschaft weg vom autoritär-volksgemeinschaftlichen Führerstaat hin zur zumindest formalen Demokratie nach westlichem Vorbild erzwang.
Wenn das Sein das Bewusstsein bestimmt, so ist kaum davon auszugehen, dass weiterhin die Mehrheit aller Deutschen sich gleichzeitig mit der formaldemokratischen BRD identifizieren wie auch den Prinzipien des „Dritten Reiches“ anhängen könnte. Die NS-Identifizierung ist eine gebrochene, die sich oft über explizite Distanzierung – von den „dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte“ ist dann die Rede – herstellt. Nur die Wenigsten hängen heute noch dem Wahn vom ewigen Krieg der Rassen an, der den Endkampf zwischen Ariern und Judentum und damit die biologische Ausmerzung aller Jüd_innen, die Versklavung Osteuropas sowie die alleinige deutsche Weltherrschaft mit sich bringe. Der Mythos vom Blut, von der Art, die jedes Individuum prädeterminiere und unauflöslich mit seinem Volk verbinde, wird kaum mehr geglaubt, ist out.
Eine in sich konsistente nationalsozialistische Weltanschauung ist derzeit in der BRD also nicht die Sache der Mehrheit.
Dennoch leben aus dem NS bekannte Ressentiments, Stereotypen, Feindbilder, Ideologiepartikel fort. Nicht mehr als selbstverständliches Element einer allumfassenden Welterklärung, sondern fragmentiert, versprengt, als Teil einer Sicht der Welt, die sich als normal, nicht-rassistisch, demokratisch versteht. „Die Ausländer“ sind nicht mehr die „kulturlosen Fremdrassigen“ und „arbeitsscheuen Untermenschen“, dennoch stinken sie, sind weiterhin faul und (!) nehmen uns die Arbeit weg, machen sich an unsere Frauen ran und überschwemmen unser Land. „Die Zigeuner“ sind nicht mehr „blutsfremde Parasiten“ und „kriminelle Asoziale“ qua Geburt, sondern leistungsunwillige Tagträumer, Mitglieder organisierter Diebes- und Bettelbanden, Betrüger und Wegelagerer ohne Sinn für Zivilisation, die in unsere Supermarktregale urinieren. Und „die Juden“ sind nicht mehr „bolschewistische Ostjuden“ und „die Volksgemeinschaft zersetzende Börsenjuden“, sondern ewige Moralisten, die aus der Vergangenheit Profit schlagen wollen, Heuschrecken, die Arbeitsplätze vernichten, und aggressive Israelis, die wie ein Stachel in der authochtonen arabischen Gemeinschaft wirken.
Alles hat sich also geändert – der einigende Rahmen der biorassistischen Welterklärung ist weggebrochen – und ist sich dabei doch so ähnlich geblieben. Die Feinde des Volkes sind ebenso (fast) die Selben wie die ihnen heutzutage entgegengebrachten auch den althergebrachten Stereotype ähneln. Quasi entideologisiert – da „Rasse“ kein hegemonialer Bezugspunkt mehr ist und die Akteure sich im Zweifelsfall immer auf die als legitim anerkannte Position des „unverbindlichen Ressentiments“ („Ich hab nichts gegen Ausländer, aber …“) zurückziehen können – werden sie außerhalb der politmedialkulturindustriellen Sphäre in ihrer Stoßrichtung und ihrem Inhalt beinahe ungebrochen weiter tradiert. Der alten Volksfeindlogik wurde der ideologische Ballast von „Aufnordung“, „Germanisierung“ und „Rassenunverträglichkeit“ subtrahiert, so dass sie als postmoderne Alltagsreligion den Erfordernissen und Verwerfungen der irregulär mäandernden Kapitalakkumulation flexibel anpassbar ist.
Und so kann heute ein 19-jähriger Schüler, der sich bei H+M einkleidet und Sportfreunde Stiller, Bushido oder Snoop Dogg auf dem ipod laufen hat, genau so an einem Pogrom teilhaben wie sein 79-jähriger Großvater im Jahr 1938, ohne dass sich der Enkel explizit in eine nationalsozialistische Traditionslinie stellen müsste: fragmentiert, doch ungebrochen.


32 Kommentare

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  1. 1.:
    „Wie es einem GSP-Jünger gebührt, werden nicht nur die altbekannten Floskeln aus dem gruppeneigenen Phrasengenerator (”ganz normaler Nationalismus”, “Antifas als Idealisten des demokratischen Rechtsstaates”) verwurstet, sondern zur Krönung auch noch ein Zitat des vom demokratischen Rechtsstaat bezahlten GSP-Vordenkers/Führers/Chefpredigers Freerk Huisken eingebaut.“

    Da du sicherlich schon Bücher aus der Unibibliothek gelesen hast, die die Nazis *nicht* verbrannt haben, könntest du denen auch mal ein bisschen dankbarer sein und sie nicht ständig so kritisieren.

    2.:
    „Die folgenden Bemerkungen sind demzufolge auch nicht als Antwort auf die zur Politgruppe geronnene Aufklärungsresistenz gedacht.“

    Von „Aufklärungsresistenz“ kann man erst dann sprechen, wenn man mal wirklich was zur Sache vorgetragen hat und nicht nur widersprüchlichen Kram über Stadt, Land und Fluß daher dichtet. Ums mal auf antideutsch zu sagen: Sowas fällt noch hinter die Standards bürgerlicher Wissenschaft zurück.

    Comment von miss taken identity — 23. August 2007 @ 02:29

  2. „Da du sicherlich schon Bücher aus der Unibibliothek gelesen hast, die die Nazis *nicht* verbrannt haben, könntest du denen auch mal ein bisschen dankbarer sein und sie nicht ständig so kritisieren.“

    ??

    „Von “Aufklärungsresistenz” kann man erst dann sprechen, wenn man mal wirklich was zur Sache vorgetragen hat und nicht nur widersprüchlichen Kram über Stadt, Land und Fluß daher dichtet. Ums mal auf antideutsch zu sagen: Sowas fällt noch hinter die Standards bürgerlicher Wissenschaft zurück.“

    Ja, Wissenschaftsgläubigkeit wird in deinen Kreisen ja ganz groß geschrieben. Mit dem GSP habe ich mich btw lang genug auseinandergesetzt, gebetsmühlenartig vorgetragene Mantras sind für mich keine relevante Form von Kritik mehr, deswegen wird auch kein inhaltlicher Diskurs aufgenommen werden.
    Geh lieber mal auf die Einwände von antifa5000 im Dorf-Thread ein.

    Comment von Administrator — 23. August 2007 @ 10:42

  3. Ja, Wissenschaftsgläubigkeit wird in deinen Kreisen ja ganz groß geschrieben.

    Huh?

    Mit dem GSP habe ich mich btw lang genug auseinandergesetzt,

    Offensichtlich nicht lang genug, um nicht Unsinn von angeblicher n“Wissenschaftsgläubigkeit“ zu behaupten.

    Comment von der Klassensprecher von 1984 — 23. August 2007 @ 11:46

  4. zur erklärung:
    du machst hier freerk um vorwurf sich von der demokratischen herrschaft aushalten zu lassen und einen vorteil daraus zu ziehen. das ist zynisch. genauso könntest du dankbar sein das die nazis einige bücher *nicht* verbrannt haben.

    „Ja, Wissenschaftsgläubigkeit wird in deinen Kreisen ja ganz groß geschrieben.“
    wenn damit gemeint ist, dass da tatsächlich leute ein interesse haben etwas über einen gegenstand zu klären… ja meinetwegen. dann bin ich in deiner kleinen welt gern GSP‘ler, auch wenn ich mit dem laden nicht mehr gemein hab als ein paar argumente.
    gegen deinen romantischen hang zum unmittelbaren gefühl vernunft und aufklärung hochzuhalten scheint mir zum gegenwärtigen zeitpunkt zumindest die „bedingung der möglichkeit“ kommunistischer kritik zu sein.

    Comment von miss taken identity — 23. August 2007 @ 12:23

  5. wie kann man sich eigentlich auf marx beziehen, und gleichzeitg etwas gegen wissenschaft haben? „das kapital“ ist doch gerade auch eien kritik der bürgerlichen ökonomen, ihre arbeit schlecht, nämlich gerade viel zu wenig wissenschasftlich, betrieben zu haben! marx hat sich ziemlich offenkundig positiv auf den bürgerlichen wissenschaftsbegriff bezogen, der zu seinen zeiten sich gerade in den naturwissenschaften entwickelte – und das völlig zu recht!

    Comment von bigmouth — 23. August 2007 @ 12:36

  6. Der Zustandsaufnahme der Gesellschaft kann ich voll zustimmen. Allerdings ist mir die Herleitung unklar: mit welcher Begründung sind es ausgerechnet Partikel der NS-Ideologie, die diese Weltanschauung geprägt haben? Wenn ich mich recht erinniere, werden in anderen Regionen, die der BRD wirtschaftlich und gesellschaftlich ähnlich strukturiert sind, ähnliche Gedanken gepflegt. Das Problem scheint mir nicht spezifisch deutsch zu sein und insofern ist die Erklärung dieser als Fragmente der NS-Ideologie nicht hinreichend.

    Comment von gk — 23. August 2007 @ 13:54

  7. @waiting: Pimp doch mal Deinen Spam-Schutz auf, indem Du Kommentare mit den Worten „Demokratieidealismus“, „Argument“, „prüfen“, „verkehrt“ usw. verbietest :)

    Comment von antifa5000 — 23. August 2007 @ 16:41

  8. „du machst hier freerk um vorwurf sich von der demokratischen herrschaft aushalten zu lassen und einen vorteil daraus zu ziehen. das ist zynisch. genauso könntest du dankbar sein das die nazis einige bücher *nicht* verbrannt haben.“

    Ich mache gar niemand einen Vorwurf, schließlich lebe ich auch nicht in Substistenz, was bekanntermaßen auch keine Lösung wäre. Es ist nur äußerst amüsant, wie der GSP den Staat immer wieder als monolithisch-omnipotent-omnisouveränen- widerspruchsfreien Block des Bösen zeichnet und mit dieser etwas simplen Konstruktion nicht fassen kann, wieso seine Gurus dann durch die Bank weg von ebenjenem ersten Beweger finanziert werden.
    Wie du unter der Hand „Freerk“ mit vor dem NS geflohenen bzw. von ihm ermordeten Schriftstellern gleichsetzt, ist übrigens äußerst widerwärtig.

    Comment von Administrator — 23. August 2007 @ 18:11

  9. „wie kann man sich eigentlich auf marx beziehen, und gleichzeitg etwas gegen wissenschaft haben? “das kapital” ist doch gerade auch eien kritik der bürgerlichen ökonomen, ihre arbeit schlecht, nämlich gerade viel zu wenig wissenschasftlich, betrieben zu haben! marx hat sich ziemlich offenkundig positiv auf den bürgerlichen wissenschaftsbegriff bezogen, der zu seinen zeiten sich gerade in den naturwissenschaften entwickelte – und das völlig zu recht!“

    Komisch, dass ausgerechnet du jetzt so tust, als müsse man zusammen mit dem Bezug auf einen Autor oder Teile dessen Kritik/Theorie auch gleich sein gesamtes Weltbild einkaufen. Aber was wusste Marx denn beispielsweise von feministischer Wissenschaftskritik? Oder von den Verheerungen, welche die Technik im 1.+2. Weltkrieg anrichten würde – Stichwort Panzer, Giftgas, Zyklon B.

    Comment von Administrator — 23. August 2007 @ 18:23

  10. Du hast bigmouth nicht verstanden. Es ging nicht um dessen Weltbild, sondern darum, dass dessen Kritik der politischen Ökonomie eine wissenschaftliche Analyse des Kapitalismus darstellt – was Du aber theoretisch gar nicht teilen kannst, weil Du ja dertige Heransgehensweise als „Glauben“ abqualifizierst. Trotzdem teilst Du dann Marx doch wieder in Teilen … naja, Dein Widerspruch.

    Comment von Korrektor — 23. August 2007 @ 19:39

  11. Lies doch mal genau:
    Es wurde hier mit den „Standards bürgerlicher Wissenschaft“ argumentiert, also einer Wissenschaft, die blind ob ihrer Zwecke und späterer Verwendung forscht und darum immer perfektere Tötungsmaschinen hervorbringt ebenso wie die neue Playstation, Habermas und Schelsky und Herrschaftssoziologie ebenso wie sie Menschen befähigt, auf den Mond zu fliegen, während zugleich ein Viertel der Menschheit vom Hungertod bedroht ist. Wieso sollten solche „Standards“ eingehalten werden?
    Marx hat hingegen keine weitere „Theorie der pol. Ökonomie“ entwickelt, sondern eine Kritik derselben. Dass seine Kritik nicht weit genug reichte, z.T. noch idealist. bürgerl. Vorstellungen verhaftet blieb (siehe auch seine ambivalenten Kommentare zum Kolonialismus), lässt sich aus der Zeit heraus erklären – nach dem katastrophalen 20. Jahrhundert kann man aber keine solch naive Position mehr einnehmen. DAS wäre dann Glauben, da gegen die Erfahrung der Zeit seit 1914 abgeschottet.

    Comment von Administrator — 23. August 2007 @ 20:04

  12. waity, du verstehst wissenschaft eben nicht. wenn man mit hilfe einer theorie atombomben bauen kann, dann bestätigt das theorie nur – es widerlegt sie nicht, im gegenteil. es belegt, dass physik als theorie extrem gut funktioniert. du verwechselst normative aussagen mit aussagen über existenz.

    ich lege dir nahe, dir mal Michael Heinrichs „Wissenschaft vom Wert“ anzugucken. oder mal n vortrag v Ingo Elbe zu besuchen, die erklären ganz gut, was Marx mti Wissenschaft zu tun hat.

    feminstische wissenschaftskritik kenne ich, anders als marx, zb zumindest ein bißchen – und die ist in teilen einfach unfassbarer schrott. Unsinn wie der von Sandra Harding, die sachen verbricht wie

    „Isaac Newton’s Principia Mathematica is a ‚rape manual‘ because ’science is a male rape of female nature‘.“

    oder

    If a theory ‚forced‘ one to assent to politically distasteful, depressing, and counterintuitive claims, then one could regard those consequences as in themselves good reasons to find the theory implausible.

    sollte eifnach raus aus den köpfen. wenn feminsitische wissenschaftskritik versucht, die grundlagen von wissenschaft anzugreifen, macht sie sich regelmässig lächerlich

    Comment von bigmouth — 23. August 2007 @ 22:10

  13. noch mal genauer:

    die standards der wissenschaft beziehn sich auf wahrheitsaussagen ihrer modelle. da wir zum mond fleigen können usw scheien die ganz gut zu sein.

    was man aber mit wissenschaft anstellt, ist eien andere frage. die hat mit der gültigkeit der wissenschaft aber erst mal gar nix zu tun. tut mir leid, aber ist so.

    Comment von bigmouth — 23. August 2007 @ 22:34

  14. „die standards der wissenschaft beziehn sich auf wahrheitsaussagen ihrer modelle. da wir zum mond fleigen können usw scheien die ganz gut zu sein.

    was man aber mit wissenschaft anstellt, ist eien andere frage. die hat mit der gültigkeit der wissenschaft aber erst mal gar nix zu tun. tut mir leid, aber ist so.“

    Erinnert mich an Stalins „sozialistische Anwendung des Wertgesetzes“: an sich ist Wissenschaft/Wert gut, wir müssen sie nur dem richtigen Zweck zuführen.

    Bin betrunken und muss morgen arbeiten.

    Comment von Administrator — 24. August 2007 @ 01:50

  15. deine wilden assoziationen interessieren nicht. wenn stalin das wertgestez umsetzen wollte, dann ist ja klar, dass er inhalt und die implikationen der theorie nicht verstanden hat.

    ob ich mit hilfe relativitätstheorie jetzt geilen scheiß baue oder mio von menschen umbringe -> das ist beides keien widerlegung, sondern im gegenteil. oder würdest du sagen, Hiroshima widerlegt die moderne physik? das ist eifnach eine ebenenverwechslung

    Comment von bigmouth — 24. August 2007 @ 10:19

  16. Ich sehe es so: Es ist totaler Unsinn die Möglichkeit von Atombomben nicht (zumindest im Keim) im bürgerlichen Wissenschaftsbegriff zu sehen. Das Problem ist ja , dass eine Forschung auf diesem Gebiet nach ihrem Begriff sinnvoll ist, dass keine Reflexion über den Gegenstand (im Hinblick auf gesellschaftliche Konsequenzen) stattfindet. Die Atombombe und andere wahnsinnige Verirrungen sind Konsequenz dieser Wissenschaftlichkeit, sie sind nicht durch sie determiniert, aber eben auch nicht verhindert.

    Comment von gk — 24. August 2007 @ 17:48

  17. das hat mit dem wissenschaftsbegriff nichts zu tun. die atombombe ist technsiche umsetzung von theorie, wenn man eine richtige theorie der atomphysik hat, dann liegt die möglichkeit der rasanten freisetzung riesiger energien auf der hand; darüber haben militärs und politiker entschieden, nicht die wissenschaftler als wissenschaftler. nicht die wissenschaft ist bürgerlich, sondern ihre anwendung

    ich wüsste auch nicht, was die alternative wäre: forschung verweigern, wegen der eventuellen konsequeznen? aber jedweder technische und wissenschaftliche fortschritt scheint mir grundsätzlich zwei seiten zu haben – und die sidn vorher nciht abwägbar

    ob das wirklich wissenschaftler entscheiden sollten?

    Comment von bigmouth — 24. August 2007 @ 22:39

  18. Die Atombombe existiert nicht direkt mit der Theorie. Ansonsten wäre die Atombombe ja zum einen viel früher und viel stärker verbreitet gewesen. Um die A-Bombe zu entwicklen war ebenfalls wissenschaftliche Forschung notwendig. Diese Forschung ist moralisch nicht vertretbar und hätte verweigert werden müssen.

    Natürlich entscheidet es der jeweilige Wissenschaftler, denn er hat ja letztlich Verantwortung für seine Ergebnisse. Entwickelt er ein Mordinstrument, hat er zumindest eine Mitschuld am Mord. Die Entwicklung der Atombombe ist meinen Augen auch nicht ambivalent gewesen. Sie ist, wie alle Waffen, ziemlich deutlich moralisch verwerflich.

    Comment von gk — 25. August 2007 @ 19:52

  19. als einstein seinen brief an roosevelt schrieb, war er überzeugt, dass die nazis erfolgreich die bombe entwickeln könnten, und wollte, dass die amerikaner ihnen zuvor kommen. insofern ist dein einwand nicht sehr überzeugend.

    „moralisch verwerflich“ mag stimmen, aber ethische fragen sidn keien epistomologischen oder wissenschaftstheoretischen. die erfolgreiche anwendung wissenschaftlicher theorie zu tötungszwecken wirft fragen über ethische komponenten von wissenschaft auf – das ist jedoch eine ganz andere eben als die frage nach ihren erkenntnis-standards. das wirft waity durcheinander.

    vielleicht hat waity auch sachen im hinterkopf wie rassentheorie etc. nur sind das pseudowissenschaften, und sie sind mit mitteln der wissenschaft, an ihren standards gemessen, widerlegbar.

    dass wissenschaft kritisch begleitet werden muss, teile ich vollkommen. ihre potenzen, schlechtes zu bewirken, sidn gigantisch. aber kritik, die an die grundlagen hand anlegen möchte, zieht sich regelmässig nur selbst den boden unter den füßen weg

    Comment von bigmouth — 26. August 2007 @ 10:20

  20. Sorry, war im Ausgehstress und Postpartyloch.

    Feministische Wissenschaftskritik ist wohl nicht so einfach als Eso-Quark abzutun wie von dir oben getan. Da wurden durchaus wichtige Punkte angesprochen, nicht nur was die empirische Zusammensetzung der scientific community angeht (vgl. etwa Männeranteil an Professorenschaft), sondern auch was die Forschungspraxis und die erkenntnistheoretischen Grundlagen angeht. Etwa die Prioritisierung von Verstand über Gefühl, der sich im Glaube, die Welt allein mit geistigen Mitteln und der Hilfskrücke Experiment durchdringen zu können. Die Dichotomisierung von Subjekt und Objekt, die den Forschungsgegenstand zum rein passiven Objekt, zur formbaren Materie, reduziert. Damit verbindet sich zum Einen der absolute Wahrheitsanspruch von Wissenschaft – da das Objekt passiv bleibt, nicht sprechen kann, kann die Wahrheit ja nur durch das Genie des Forschers aufscheinen, zum Anderen die Ignoranz und Kälte gegenüber dem Resultat der Forschung. Ob Massenvernichtung oder Massenernährung ist egal, wichtig ist nur die „Wahrheit“ und technologische Effizienz.
    Wissenschaft bedarf es sicher auch noch im Communismus, aber nicht in dieser Form, denn so wie sie jetzt ist, stellt sie nicht nur, wie von dir suggeriert, einen Fleck der Aufklärung dar, der a posteriori zu bösen Zwecken instrumentalisiert wird, sondern sie ist schon konstitutiv herrschaftsförmig. Da genügt doch ein Blick auf die Biologie, wo die Unterscheidung zwischen Pseudo- und echter Wissenschaft keineswegs so einfach ist: Zum einen bringt dir der „Beweis“ (dessen es nicht bedürfte), dass „Neger“ gar nicht „dümmer“ sind, wenig, weil man sich nicht auf solche Fragen aka Terrain des Feindes einlassen sollte, sondern eher die Frage stellen sollte: wie kommt es dazu, dass jemand so etwas behauptet? – eine Frage, bei der dir die klassische Wissenschaft nicht weiterhilft. Zum anderen liefert doch gerade die Biologie status quo-sicherndes Wissen am laufenden Band: je nach Nachfrage werden Erkenntnisse präsentiert, dass schwangere Frauen auf keinen Fall arbeiten sollten oder eben doch, dass Frauen aufgrund ihrer Gene/Physis/whatever besonders emotional sind oder eben nicht usw. Das ganze ZweiGeschlechterSystem wäre doch ohne vulgärbiologische Belege gar nicht haltbar, die klare Separierung zweier differenter und sich gegenseitig ausschließender Kategorien Mann/Frau ist dann wiederum die Basis für solche Wissenschaftler wie die Gynäkologen, die ein Regime über den Unterleib der Frau errichten (wieso fehlt das männliche Pendant zum Gynäkologen weitgehend?), Zwangszuweisung von Geschlecht bei Kindern vornehmen usw.
    Wo da böses Pseudo aufhört und gute reale Forschung beginnt, verschließt sich mir, und eine Kritik dieser Formen hegemonialer Wissenschaften ist zwar mit den Methoden der Wissenschaft prinzipiell möglich, aber wie oben schon gesagt kaum weiterführend, da nur an der Oberfläche kratzend.

    Comment von Administrator — 26. August 2007 @ 19:36

  21. antikapl hat einen Artikel bei SpOn ausgegraben, der unfreiwillig demonstriert, wie selbstverständlich Wissenschaftler positivistischen Mega-Unsinn produzieren, indem sie ihr eigenes Weltbild nach hinten bis an den Ursprung der Menschheit verlängern und damit (geschlechts-)spezifische Praxen der Moderne für ewig gültig und natürlich erklären:

    http://antikapl.blogsport.de/2007/08/27/es-war-einmal-im-spiegel/

    Comment von Administrator — 27. August 2007 @ 10:48

  22. „Feministische Wissenschaftskritik ist wohl nicht so einfach als Eso-Quark abzutun wie von dir oben getan. Da wurden durchaus wichtige Punkte angesprochen, […]. Etwa die Prioritisierung von Verstand über Gefühl, der sich im Glaube, die Welt allein mit geistigen Mitteln und der Hilfskrücke Experiment durchdringen zu können.“

    Wie willst du die Welt denn sonst „durchdringen“ als mit geistigen Mitteln? Mit „Gefühl“? Da wird’s dann echt Eso-Quatsch.

    „Das ganze ZweiGeschlechterSystem wäre doch ohne vulgärbiologische Belege gar nicht haltbar, die klare Separierung zweier differenter und sich gegenseitig ausschließender Kategorien Mann/Frau ist dann wiederum die Basis für solche Wissenschaftler wie die Gynäkologen […]“

    Und was schlägst du vor dagegen zu tun? Ich halt es da lieber mit den Ergebnissen der SozialWISSENSCHAFT, wenn es darum geht die (biologische) Faktizität von Geschlecht zu bestreiten, dein gefühltes Unbehagen hilft mir dabei nämlich auch nicht weiter.

    Comment von miss taken identity — 27. August 2007 @ 12:42

  23. @ miss taken identity:

    Du langweilst mich.
    Gib doch einfach „ganz normaler Nationalismus“, „Schädigung“ und „Demokratieidealismus“ ein, unter diesen Stichwörtern findest du eine Menge Gesinnungsfreund_innen, mit denen du seitenlange selbstreferentielle Diskussionen führen kannst.
    Danke.

    Comment von Administrator — 27. August 2007 @ 19:19

  24. Die Gehrinschneckenpartei hat den Marsch durch die Institutionen anscheinend schon hinter sich ;)

    Comment von eeec — 27. August 2007 @ 20:52

  25. waity: Meinst du nicht, dass du deinen Lesern – wenn du schon solche gewagten Thesen aufstellst – nicht die Erklärung schuldig bist, wie man zu einem Urteil über eine Sache gelangt, ohne sich seines Verstands (aka „geistige Hilfsmittel“) zu bedienen? Ansonsten disqualifizierst du dich ja doch selbst, wenn du einer Nachfrage nur mit einem Vorurteil begegnest, das mit dem Inhalt der Auseinandersetzung noch nicht mal was zu tun hat. Es war bei miss taken identitys Einwurf nicht die Rede von von Schädigungen, Natiuonalismus oder Demokratieidealismus. Es wurde eine simple Frage gestellt, deren Antwort in der Tat auf sich warten lässt. Also wie funktioniert Erkenntnis nebst Sinneswahrnehmung und gedanklicher Leistung? Wie kann das Gefühl Mittel dafür sein? Jetzt gibt es halt zwei Optionen, mit denen du dir nach Außen hin überhaupt den Willen zur Auseinandersetzung und Überprüfung von Richtigkeit aufrecht erhältst: 1. Du siehst ein, dass es Quatsch ist. 2. Du belegst deine These.

    Da ist nix aus dem GSP abgeschrieben. Das ist eine simple Aufforderung, die doch – wenn du dich doch schon mit Inhalten befassen willst – auch in deinem Interesse sein müsste.

    Comment von ek — 27. August 2007 @ 22:33

  26. @eeec und waity:

    Was tragt ihr denn mit euren Vorurteilen und Unterstellungen zur Diskussion bei? Haltet ihr das dafür genügend, etwas über den betrachteten Sachverhalt rauszubekommen?

    Beantwortet die Frage mal ehrlich. Mein Vorurteil wäre ja: Da kommt bestimmt ein „Nein“ raus. Dann ist die Frage halt, wozu diese Aussagen sonst nützlich sind? Und wird dieses Wozu dann auch dem Anspruch gerecht, sich mit einem Inhalt auseinanderzusetzen? Oder ist das gar nicht die Absicht gewesen? Welche ist es dann?

    Comment von ek — 27. August 2007 @ 22:42

  27. ich sollte gerade ne doofe hausarbeit über athen im 4. jhdt v chr. schreiben, deshalb werd ich erst später wieder dazu bloggen können, daüfr v vornherein entschuldigung

    Comment von bigmouth — 27. August 2007 @ 23:10

  28. @ bm:
    Mach dir kein Stress.

    @ ek:
    Wieso beschweren sich eigentlich Leute, die ihr URTEIL eh schon immer a priori gefällt haben, über andere Leute, die eben dann und wann auch mal ein URTEIL fällen, nämlich genau dann, wenn sie von ihrem Gegenüber nichts weiter als den immergleichen URTEILsspruch anstelle einer offenen Auseinandersetzung erwarten?
    Und dieses ewige Festklammern an die inhaltliche Ebene ist so unglaublich spießig, schon mal was von Spaß, Ironie, Satire gehört? Vielleicht zu menschlich für solche Spambots wie dich …
    Eventuell wechsele ich morgen nochmal auf die inhaltliche Ebene, hängt von meinem Offline-Leben ab.

    Comment von Administrator — 28. August 2007 @ 00:50

  29. du fragst ernsthaft, warum leute isch bei dissens melden, und bei konsens nicht?

    „langweile“ scheint für dich ja eine unglaublichen stellenwert zu haben. ich fürchte nur, dass das dazu führt, dass du oftmals arg argumenativ dünne bretter bohrst. ich kenn diese ärgerliche eigenschaft das ja von mir selbst. aber leuten daraus eine vorwurf zu machen, dass sie inhaltlich bleiben, finde ich bekloppt

    Comment von bigmouth — 28. August 2007 @ 01:19

  30. Nö, ich frag nicht wieso Leute häufiger Widerspruch einlegen als Zustimmung zu äußern – mach ich auch so –, finde es aber abstrus, wenn sich dasjenige Milieu, das eh immer schon im Vorhinein Bescheid weiß und stets den selben Vorschlaghammer aka Argument auspackt, dann einklagt, ich solle mich doch vor-urteil-sfrei auf eine Diskussion mit ihnen einlassen, wo doch eh klar ist, dass ihr Standpunkt unverrückbar fest steht?
    Da kommt eben nur Langeweile im klassischen Sinne bei rum.

    P.S.
    Und wer immer (!) nur und zur Gänze in und bei der Sache bleibt, ist mir wirklich unheimlich. Hat man schon je von mpunkts Musikgeschmack oder den literarischen Vorlieben greschkas gehört? Das komplette Ausblenden des subjektiven Faktors ist glatt schon ein Fall für die feministische Wissenschaftskritik …

    Comment von Administrator — 28. August 2007 @ 21:10

  31. […] Der solchermaßen rülpsende Retrodesignfan stellt sich mit seinem dentalhygienisch-sadistischen Sauberkeitswahn voll retro-mäßig in die Tradition rassenhygienisch-sadistischen Sauberkeitswahns – zwang die SA doch bekanntlich einst Jüd_innen, den arischen Gehweg mit Zahnbürsten für die Herrenmenschen zu reinigen. Wieder einmal heißt es also: Fragm., doch ungebr. […]

    Pingback von Wartezeit überbrücken … :: Linker Spam und Nazi-Zahnbürsten :: August :: 2007 — 28. August 2007 @ 21:38

  32. ich weiß zufällig, welche musik mpunkt hört, aber die trägt nun wirklich in einer diskussion nichts zum thema bei. ich versteh auch das argument nicht, warum das zu trennen irgendwie schlecht sein soll, mpunkts blog ist f ihn ein medium der kritik, und gerade nicht der selbstdarstellung. ist bei mir anders, aber so what…

    Comment von bigmouth — 28. August 2007 @ 23:41

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