Schaffendes und raffendes Radeln

18. Juli 2007

“Der Antisemit stellt sich das Kapitalverhältnis als ominöse Einrichtung zwecks betrügerischer Vermehrung des Geldes vor, wobei er als Akteur den jüdischen Wucherer halluziniert, um diesem “raffenden” Kapitalisten den in Schweiße seines Angesichts “schaffenden” Kapitalisten entgegenzustellen. Ähnlich phantasiert man in der aktuellen Debatte über die betrügerische Vermehrung der Kräfte des Sportlers durch Dopingmittel und die dadurch ausgelösten biochemischen Prozesse. Mit Hilfe dieser Substanzen würden “all die fairen Fahrer, die nie gespritzt, sondern nur hart trainiert haben…von Gaunern um die Früchte ihrer Arbeit gebracht” (Kölnische Rundschau). Daß es so oder so der Körper des Sportlers bleibt, der rücksichtslos ausgebeutet wird, ist egal. Da der politische Diskurs unter Beobachtung steht, flüchtet sich das antisemitische Ressentiment in die Alltagskultur. Dort findet es sein Residuum in der Sprache, wie Adorno sagte, und harrt der des Jargons kundigen Empfänger. Der Deutsche Olympische Sportbund forderte von seinen Mitgliedern derweil “die sogenannte Endkampfchance” (FAZ)- was bedeutet, daß ein deutscher Sportler auch ohne Dopingmittel gegen die gedopte Konkurrenz bestehen muß. Das “weltumspannende Lügenkartell des Radsports” (Stuttgarter Nachrichten) steht, so scheint´s, kurz vor Berlin. Und dann muß man noch auf den “Frontfahrer Jan Ullrich” (Nürnberger Nachrichten) verzichten. Aber so ist das eben, wenn “der Mammon das menschliche Handeln” (Westfälische Nachrichten) regiert.” (Thorsten Fuchshuber/konkret 7/07)

[via]

Da ich die konkret nicht beziehe und der Artikel nicht online ist:
Tippt bitte jemand den kompletten Artikel ab? *augenaufschlag*


7 Kommentare

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  1. da kann ich nicht widerstehen. also wenn ich nüchtern bin dann :)
    das was da steht ist aber auch fast schon die hälfte

    Comment von kaputt — 19. Juli 2007 @ 04:41

  2. Da ist die erste Hälfte, viel Spass damit!

    Quäl dich, du Sau!
    Am deutschen Wesen soll auch der Leistungssport genesen: Die aktuelle Dopinghysterie ist geprägt von deutscher Ideologie mit antisemitischen Zügen. Von der grundsätzlichen Verlogenheit einer Debatte um Hochleistungssportler, die lediglich eine Vorgabe der Leistungsgesellschaft erfüllen, einmal abgesehen. Konfrontierte bereits im Jahr 2003 die Berichterstattung über den Tour de France Zweikampf zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich den amerikanischen „Radsportroboter“ mit dem „als Mensch und Sportler größer gewordenen Deutschen“ und dessen authentischen Leistungen, ist der aktuelle Skandal vollends vom Wahn des „sauberen Hochleistungssports“ („FAZ“), vom Triumph des puren Willens beseelt. Unter Schweiß und Tränen soll der Sportler seinen Sieg erinnern. Darin offenbart sich nicht nur die Lustfeindlichkeit der Kommentatoren, die wohl kaum in erster Linie um die Gesundheit der Sportler besorgt sind. Vielmehr geht es ihnen um die Vorstellung, dass bestimmte Substanzen womöglich das Leiden der Athleten durch Glücksgefühle ersetzen können. Die „erschlichenen, übernatürlichen Erfolge“ meinen etwa die Kommentatoren der „FAZ“, zeugen von „Scheinheiligkeit und Gier“, von „organisierter Heuchelei“. Eine solche Radsportwelt, in der „Gewinn alles und Ethik nichts zählt“, ist „von innen heraus verfault“.
    In diesem Jargon offenbart sich ein Ressentiment, das dem antisemitischen verwandt ist.

    Comment von kaputt — 20. Juli 2007 @ 08:35

  3. Ah cool, sehr nett, Mr(s). Kaputtski!
    Wenn du Bock hast, kannst du mir übers Wochenende auch noch den Rest der konkret abschreiben (bis auf die Tomayer-Kolumne, die les ich nie).

    Comment von Administrator — 20. Juli 2007 @ 13:21

  4. tomayer nicht lesen? großer fehler!

    Comment von gruessli — 20. Juli 2007 @ 15:22

  5. geh doch einfach ins bahnhofskiosk und les die konkret vor ort. das schlimmste was dir passieren kann ist, dass sie dich rauswerfen:)

    Comment von kaputtski — 20. Juli 2007 @ 18:34

  6. Zu unbequem.
    Jetzt schreib endlich ab!

    Comment von Administrator — 20. Juli 2007 @ 19:32

  7. haha
    als linksradikaler aktivist hab ich für sowas keine zeit. samtags muss ich auf die straße parolen brüllen. jetzt ehrlich mal. das ist auch ganz schön viel text und so. immer diese intellektuellen scheiße aber auch.

    Comment von kaputtski — 21. Juli 2007 @ 00:30

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