Nicht mehr und schon wieder lustig

24. Juli 2007

travers hat anhand des blogs herbst in der seele die bereits vor einigen Monaten gelaufene Pädo-Debatte wieder aufgegriffen. Die Anzahl der Comments im entsprechenden Thread wird in den nächsten Stunden die 100er-Marke durchbrechen, Lesenswertes findet sich darunter allerdings vor allem für Leute, die eine Faszination für intellektuelle Selbstentblößungen linker/antidt. Blogger_innen hegen. Wirklich auffällig ist die beinahe komplette Abwesenheit eines vernünftigen Gedankens, von Gesellschaftskritik ganz zu schweigen. Die Pädo-Hater pöbeln nur empört rum und unterscheiden sich wenig vom Stammtisch – außer vielleicht durch den bisher ausgebliebenen Ruf nach Kastration bis Todesstrafe –, der kleine Rest hält mehr schlecht als recht dagegen.
Lest lieber die schlauen Sachen, die ich , Foucault und Andere beim letzten Durchgang zu Papier/Bildschirm gebracht haben.
Welche sich allerdings jenseits von eventuell auftretender, szene-interner Fremdscham gnadenlos über virtuelle Selbstzerfleischung amüsieren möchte, der sei die Disskussion auf der Nazi-Seite altermedia zur Leipziger Demo-Pleite von Christian Worch empfohlen. Topic: handverlesene 37 Kamerad_innen erschienen zu einem seit Monaten bekannten Worch-Termin, die Leipziger Nazis fehlten unentschuldigt und verweisen nun auf den Spam-Filter ihres Mail-Programms, diverse Anschuldigungen unter der Gürtellinie kursieren usw. usf. Lest selbst:
hXXp://de.altermedia.info/general/fka-nach-demo-eklat-am-
samstag-christian-worch-macht-schluss-mit-leipzig-
230707_10512.html#more-10512
(XX am Anfang des Links durch TT ersetzen)


Neuengamme

22. Juli 2007

Kritik von against! Gruppe gegen Deutschland an den Feierlichkeiten zur Einweihung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Ignoranz der Hamburger Linken. Neuengamme konnte bis vor Kurzem nicht betreten werden, da das Land Hamburg auf dem ehemaligen KZ-Gelände ein Gefängnis eingerichtet hatte.

Mehr beim Wissensmonopolist wikipedia:

„Das Konzentrationslager (KZ) Neuengamme südöstlich von Hamburg gelegen, wurde 1938 zunächst als Außenlager des KZ Sachsenhausen errichtet und seit 1940 als selbständiges Konzentrationslager mit mehr als 90 Außenlagern, bis an die dänische Grenze, geführt. Die Häftlinge mussten Zwangsarbeit für die auf dem Gelände befindliche Ziegelei, in der Rüstungsindustrie und beim Bau der militärischer Anlagen (Friesenwall) leisten.

Von den bis 1945 internierten 106.000 Menschen aus Deutschland und den besetzten Ländern verloren 55.000 Menschen in der Folge der unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen sowie der „Vernichtung durch Arbeit“ ihr Leben. 1942 wurden bei zwei Vergasungsaktionen russische Kriegsgefangene mit dem Gas Zyklon B ermordet.

Nachdem das KZ Buchenwald am 11. April 1945 befreit wurde, begann die SS am 18. April, das KZ Neuengamme zu evakuieren. Bei diesen „Todesmärschen“ unmittelbar vor Kriegsende starben viele der völlig entkräfteten Häftlinge. Am 3. Mai 1945 verloren 7.000 Häftlinge durch die britische Bombardierung der Cap Arcona sowie zweier weiterer Schiffe, auf denen sie eingesperrt waren, ihr Leben. Am 4. Mai 1945 fanden britische Truppen das KZ leer vor.

[…]

Ab dem 11. Juli 1945 übernahm das belgische 25. Füsilierbataillon und ab dem 3. November 1945 das britische Militär die Bewachung des Lagers. Zunächst wurde es etwa vier Wochen lang für die Unterbringung von Displaced Persons, hauptsächlich sowjetische Zwangsarbeiter, genutzt und danach einen Monat lang als Kriegsgefangenenlager. Im Anschluss daran wurde es zum Internierungslager, wobei die alte stillgelegte Ziegelei und das ehemalige KZ-Gelände genutzt wurden. […] Am 13. August 1948 wurde das „Civil Internment Camp No. 6“, bestehend aus sechs Lagern, aufgelöst.

1953 wurde eine erste Gedenktafel von ehemaligen KZ-Insassen und 1965 eine offizielle Gedenktafel installiert. Anstelle der ehemaligen Gärtnerei wurden Äcker angelegt. Das Ziegelwerk wurde abgetragen und an seiner Stelle entstanden Wohnungen. 1970 wurde eine Jugendstrafanstalt auf dem Gebiet des ehemaligen Konzentrationslagers errichtet. Damit war ein Betreten des ehemaligen KZ-Areals nicht mehr möglich. Seit 1981 wird an der Umwidmung des KZs in eine Dokumentations- und Gedenkstätte gearbeitet; einen Anfang machte der Bau eines Dokumentationshauses, das auf dem Gelände des Lagergärtnerei entstand. Als Mitte der 1980er Jahre die Stadt Hamburg den Abriss des Klinkerwerkes beschloss, organisierten sich massive Proteste. 1984 wurden die Reste der KZ-Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Im Jahr 2003 wurde die Justizvollzugsanstalt verlegt. Die sich auf dem Gelände der ehemaligen Tongruben befindende weitere Vollzugsanstalt IX wurde im Februar 2006 nach Billwerder-Moorfleet verlegt wurde.

Im Zuge der Neugestaltung des Geländes im Jahre 2005 wurden die Fundamente des Appellplatzes freigelegt. Es ist der einzige Bestandteil der Gedenkstätte, der rekonstruiert wurde. Die Schuttmassen des abgerissenen Gebäudes der Justizvollzugsanstalt wurden in Drahtkörben als Markierung für die Lage der KZ-Gebäude in die Gestaltung der Gedenkstätte einbezogen. In den beiden steinernen Unterkunftsblöcke wurden in ein Studienzentrum und ein Hauptmuseum umgebaut.“


Prekäre Putzer

20. Juli 2007

Die zitty berichtet über Fensterputzer aus Rumänien, die sich – mehr schlecht als (und ohne) r/Recht – in Berlin durchzuschlagen versuchen.

Nach Lektüre des angenehm unsentimentalen Berichts ist auch klar, wie sehr der Trend-Begriff ‚Prekariat‘ (oder ist das Label schon wieder out?) über die Differenzen zwischen mittelschichtsweißen Akademiker_innen in Zeiten entwerteter Kopfarbeit und den völliger Willkür von Polizei, Markt, Vermieter und Natur ausgesetzten Migrant_innen, die sich in diesem Fall nur durch die Ressourcen vitaler Jugendlichkeit am Leben halten können, hinweggeht.


Skandaletten

20. Juli 2007

Jugend immer schlimmer: Sex in Kirche!
Konzerne immer perverser: Übernahme von Street-Art!!
waity immer müder: Ab ins Bett!!!


Oskar und die Wiedervereinigung

18. Juli 2007

Henryk Broder, jungle world, 2007:

„Vergessen ist, dass [Lafontaine] die deutsche Einheit aus Kostengründen absagen wollte und gegen »Fremdarbeiter« agitierte, die deutschen Arbeitern die Arbeitsplätze wegnehmen würden. All das hat ihn weder politisch diskreditiert noch als Linken unglaubwürdig gemacht.“

Wolfgang Schneider, konkret, 1990:

„Lafontaines Sorge gilt nicht etwa der Bändigung des deutschen Chauvinismus, sondern dem Mißtrauen, mit dem die Alliierten jenem immer noch begegnen. An Helmut Kohl kritisiert er vor allem, daß der „es in wenigen Wochen geschafft (hat), die jetzigen Partnerländer wieder zu Siegermächten des Zweiten Weltkriegs zu machen“. Das ist zwar leider nicht wahr, veranlaßte Lafontaine aber zu einer selten albernen Beschwichtigung: „Wer die deutsche Vereinigung klug und vorausschauend vollzieht, leitet damit das Ende der Machtpolitik in Europa ein.“
Die Machtpolitik in Europa ist denn auch das eigentliche Zentrum, um das die außenpolitischen Konzeptionen Lafontaines kreisen. Daß er dabei stets vom neuerlichen Siegeszug des deutschen Imperialismus träumt, kommt selbst in jenen Äußerungen zum Ausdruck, mit denen er Schlüsse aus der deutschen Vergangenheit zieht: „Aufgrund der jüngsten Geschichte sind die Deutschen geradezu prädestiniert, die treibende Rolle in dem Prozeß der supranationalen Vereinigung Europas zu übernehmen.“

Tatsächlich? Prädestiniert? Und aufgrund der jüngsten Geschichte? Weil die sich womöglich dazu eignet, die Erinnerung an die jüngere zu verstellen, die mit seiner Formulierung gerade wieder neu aufgelegt wird? Diese schäbige Spekulation auf die Verleugnungsleistung der Deutschen korrespondiert mit dem Unfug einer Phrase, die Lafontaine jenem Denken in nationalstaatlichen Kategorien immer mal wieder vorhält, das sich noch nicht auf seiner Höhe befindet, und die wohl einzig die deutsche Linke noch ernst nimmt: „Wir wollen ein europäisches Deutschland.“

Was er darunter versteht, hat er ausführlich erläutert: „Mit Beginn der 80er Jahre hat die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland .. . ihren Spitzenplatz eingebüßt und ist ins Glied der anderen vergleichbaren westlichen Industriestaaten zurückgerückt.“ Was zwar Quatsch ist, dennoch aber nicht sein darf: „Die Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland braucht eine Vitalisierungskur.“ Anders gesagt: „Wir Deutschen (!) brauchen Europa, weil sonst unsere kulturelle Identität nach und nach zu verkommen drohte, weil sonst die Zentren des Fortschritts immer seltener bei uns zu finden wären, weil sonst die Konflikte, aus denen die Welt immer wieder neu hervorgeht, uns zu ihrem Gegenstand machen würden, statt sich von uns beherrschen zu lassen“ (Hervorhebung WS). Wir wollen ein europäisches Deutschland? Richtig gelesen heißt der Satz: Wir wollen ein deutsches Europa (unter Einschluß der Toskana, versteht sich).“

P.S.
Empfehlenswert:
Wolfgang Schneider (Hg.): „Wir kneten ein KZ“ – Aufsätze über Deutschlands Standortvorteil bei der Bewältigung der Vergangenheit


Schaffendes und raffendes Radeln

18. Juli 2007

“Der Antisemit stellt sich das Kapitalverhältnis als ominöse Einrichtung zwecks betrügerischer Vermehrung des Geldes vor, wobei er als Akteur den jüdischen Wucherer halluziniert, um diesem “raffenden” Kapitalisten den in Schweiße seines Angesichts “schaffenden” Kapitalisten entgegenzustellen. Ähnlich phantasiert man in der aktuellen Debatte über die betrügerische Vermehrung der Kräfte des Sportlers durch Dopingmittel und die dadurch ausgelösten biochemischen Prozesse. Mit Hilfe dieser Substanzen würden “all die fairen Fahrer, die nie gespritzt, sondern nur hart trainiert haben…von Gaunern um die Früchte ihrer Arbeit gebracht” (Kölnische Rundschau). Daß es so oder so der Körper des Sportlers bleibt, der rücksichtslos ausgebeutet wird, ist egal. Da der politische Diskurs unter Beobachtung steht, flüchtet sich das antisemitische Ressentiment in die Alltagskultur. Dort findet es sein Residuum in der Sprache, wie Adorno sagte, und harrt der des Jargons kundigen Empfänger. Der Deutsche Olympische Sportbund forderte von seinen Mitgliedern derweil “die sogenannte Endkampfchance” (FAZ)- was bedeutet, daß ein deutscher Sportler auch ohne Dopingmittel gegen die gedopte Konkurrenz bestehen muß. Das “weltumspannende Lügenkartell des Radsports” (Stuttgarter Nachrichten) steht, so scheint´s, kurz vor Berlin. Und dann muß man noch auf den “Frontfahrer Jan Ullrich” (Nürnberger Nachrichten) verzichten. Aber so ist das eben, wenn “der Mammon das menschliche Handeln” (Westfälische Nachrichten) regiert.” (Thorsten Fuchshuber/konkret 7/07)

[via]

Da ich die konkret nicht beziehe und der Artikel nicht online ist:
Tippt bitte jemand den kompletten Artikel ab? *augenaufschlag*


Farbe gegen Farbe – Destroying your Kiezverschönerung

17. Juli 2007

Bereits ohne es gelesen zu haben highly recommended reading: Das „The Splasher“-Manifest, jetzt als pdf zum Download bei rebelart.net
Hinter „The Splasher“ verbirgt sich ein Kollektiv aus NY, das seit geraumer Zeit durch Farbattacken auf Werke von Banksy, Swoon etc. auffällt und seine Praxis nun in einen theoretisch-kritischen Rahmen stellt. Endlich setzt jemand einen frontalen Diss gegen all die hippieske-kunststudentische „Unser Kiez soll schöner werden“-Agitation via Schablone, Poster, Sticker und Rolle, die ja ach so einfallsreich, bunt, kreativ und urban daherkommt. „The Splasher“ staten: Subversion geht anders, ihr MittelschichtsWannaBeRevoluzzer!

Man darf in den kommenden Wochen auf eine spannende Debatte zwischen den situationistisch inspirierten Provokateuren von der „Splasher“-Fraktion und den Wohlfühl- und Teilzeit-Provokateuren der StreetArt-Bourgeoisie hoffen. Vielleicht schon bei diesem Termin der Veranstaltungsreihe zur backjumps-Ausstellung im Berliner Bethanien:

Dienstag, den 31. Juli, 19 Uhr:
„Street Art – Reflexionen nach dem Hype“ (Vortrag und Buchankündigung)
ReferentInnen: Christian Schmidt (Kulturwissenschaftler, Freier Mitarbeiter im Archiv der Jugendkulturen e.V.) und Katrin Klitzke (Kulturwissenschaftlerin)

Christian Schmidt rocks the most!

Zum versöhnlichen Abschied noch eine tolle Schablone:

milk_honey [via]

UPDATE:
„Splasher“-Discose @ ekosystem-Forum, bisher geprägt durch Antikommunismus („Marxisten“) und -intellektualismus („16 (!) Seiten Manifest“), Rumgemackere („feige“) sowie der Denunziation der „Splasher“ als bloße Neider, die selbst nichts an den Start bringen. Langweilig. So hätte jede Fussballfanposse reagiert. Indiz für den Strukturkonservatismus und die latente Racket-Mentalität der StreetArtists.

UPDATE II:
„Splasher“ = AttentionWhore, does BitchMoves, will im Mittelpunkt stehen, ist Vandale.
Außerdem: Artikel zum Thema aus dem nymag und von fm4.

Sidenote: Bericht über dämliches Israel-Bashing im Rahmen der backjumps


G-Hot als idealtypischer Dicknussmacker

11. Juli 2007

Gestern mal „Keine Toleranz“, den most discussed track of the moment (z. B. hier und hier oder auch hier), angehört. Neben der absolut schlechten Musik (was für ein popeliger Beat!) setzt er sich, wie schon von anderen kritischen Geistern im web2.0 bemerkt, vor allem durch seine vehemente Homophobie vom Rest der HipHop-Szene ab. Nostalgische Reminiszenzen, die nur als Beschwörung der NS-Zeit
gelesen werden können („mit der Axt halbiert“), und unverblümte Aufrufe zur Gewalt paaren sich mit religiösem Bezug („Adam und Eva, nicht Adam und Peter“), Volkshygienedenke („Aids bekämpfen“), patriarchalem Gehabe, Unterwerfung unter die Familie (die Eisenstange (sic!) des Vaters) und Nationalismus.
Für sich allein genommen wäre der Track nicht weiter bemerkenswert – RechtsRock/-Rap/-Volksmusik ist im Dutzendpack zu haben und kommt doch meist über einen begrenzten Hörer_innenkreis nicht hinaus. „Keine Toleranz“ ist aber kein Insidern vorbehaltenes Hinterzimmer-Bootleg, der Song wird gehört und von großen Teilen der HipHop-Community verteidigt. Leider wurden mit der Löschung des Videos bei youtube auch sämtliche Kommentare ins Daten-Nirvana befördert, so dass ich auf diese unglaubliche Masse verbalisierter Homophobie nichtmehr zum Zweck des Zitierens zurückgreifen kann. Zusätzlich zu der krassen Aggressivität, mit der gegen Schwule (auch wenn das Wort Homo gebraucht wurde, waren eigentlich nie Lesben gemeint, entweder ist die Homosexualität von Frauen unsichtbar oder sie scheinen den Hatern kein angemessener Gegner zu sein) gehetzt wurde und die sich in der projizierten Bedrängung der Hater durch die Schwulen wiederspiegelt (die überall seien: in den Medien, der Politik etc., die nichts mehr Normales zuließen, die einen selbst fast schon zwängen, schwul zu werden – oder mit ihnen Sex zu haben), fiel mir v.a. die direkte Koppelung von Schwulenhass und Nationalismus auf. Diese Koppelung trat in mindestens zwei Varianten auf:

-> als Reinheitswunsch: die Schwulen sollen das Land verlassen, „Schwule raus!“, die Schwulen
gehören nicht nach Deutschland und sollen rausgeprügelt bzw. auf den Mond geschossen
werden
-> als Angst vor dem Volkstod: die Schwulen, deren Zahl ja bekanntermaßen immer mehr
zunimmt (sic!), machen zum Einen selbst keine Kinder, und zum Anderen leben sie ihren
unnormalen und unnatürlichen Lebensstil dem Rest der Gesellschaft vor und zwingen ihn zur
Nachahmung. Deswegen geht die Zahl der Kinder immer mehr zurück und die Deutschen
stehen kurz vor dem Aussterben.

Es wäre zu kurz gegriffen, diese Synthese ideologischer Ekelhaftigkeiten allein solchen Vollpfosten wie Fler („Neue Deutsche Welle“) anzulasten, auch wenn der schwarzrotgold-selige Adler-Fan Teil des Durchsetzungsprozesses der entsprechenden Ideologie war und ist. Wahrscheinlich müsste man (wie immer ;) ) den Blick auf die Gesamtgesellschaft richten, wo die Überwindung der Kohlschen Starre im Rahmen der Weltmachtergreifungsstrategie mit einer Zunahme der Konkurrenz, einer Erhöhung des objektiven Zeit- und Handlungsdrucks, dem Beseitigen von Frei- und Rückzugs- und Kuschelräumen, der schleichenden Brutalisierung (HartzIV-Bezieher verhungert? Wen juckts?) und Militarisierung (Switch der Bundeswehr vom Staatsbürger in Uniform zum technofaschistischen Kämpfertypen, Einsatz im Inneren, Aufbau von Heimatschutzkommandos etc) der Gesellschaft einhergeht. Parallel laufen Prozesse der Deideologisierung und Entpolitisierung (Rückzug ins Private, Scheiss-Egal-Haltung), die in ihrer Ignoranz einerseits in gewissem Rahmen liberalisierend wirken können („mir egal, was die Schwulen treiben, solange sie mich nicht stören“/Abkehr von alten Rollenvorstellungen und Erwartungshaltungen). Andererseits bereitet die selbe Deideologisierung den Boden für den totalen Konformismus, abzulesen an einer Jugend, die nicht nur nicht mehr revoltieren kann, sondern es gar nicht will, die vielmehr genauso sein und leben will wie ihre Eltern, nur mit anderer Musik. Egal ob 8-jährige Grundschülerin, 16-jährige Pubertierende, 25-jährige Studentin oder 40-jährige Hausfrau: alle tragen kleine süße dumme Ballerina-Schühchen. Nicht mehr stinken, schocken, ätzen will man wie noch, wenn auch völlig kulturindustriell deformiert, zu Zeiten des Grunge. Ein absoluter Konformismus macht sich breit, der keine Resistenzkraft der Individuen mehr kennt, die Einzelnen orientierten sich zur Gänze am Trend, an dem was In ist, am großen Ganzen. Heute Luis Vuitton, morgen vielleicht Gamsbart und Tiroler Hut, heute Röhrenjeans, morgen Schlaghose – Hauptsache, man schwimmt mit dem Strom. Selbst Indie-Subkulturen wie die Emo-Szene bringen absolut krass ausgeprägte Gender-Stereotype hervor.
Wer aber nichts will als das Versprechen von Macht und Besitz eingelöst zu bekommen, und in diesem Versprechen immer wieder enttäuscht wird, wird sich automatisch gegen die Stigmatisierten, die Marginalen, die Schwachen und Außenseiter, „die Minderwertigen“ (youtube-Kommentar), richten. Schwule eignen sich für die überwiegend (prä- und post)pubertäre HipHop-Szene besonders, weil die Konsumenten dieser Musik sich qua Lebensabschnitt in ihre Geschlechterrolle einfinden müssen, ihr Mann- und Frau-Sein besonders deutlich herausstellen müssen.

So weit, so fragmentarisch und konfus ;)
Abschließend noch drei Kommentare, die ich unter einem recht lesenswerten (und überraschend o.k. diskutierten) Artikel beim wildstylemag gefunden habe. Die beiden Oberen stehen für eine Strömung der G Hot-Kritik, die jenen nicht primär als (wie auch immer sozialisierten) Homophoben sieht, sondern als Türken mit barbarischen Sitten ethnisiert. Der Untere steht einfach für sich ….

1]

hermandercherusker hats auf youtube ganz richtig kommentiert: „seit wann dürfen kanaken sagen wer weg soll?“

2]

die sollen ihn in der türkei verknacken,.. irgendwo in der provinz,.. in den 90% provinz dieses landes. dort wird man ihm den arsch schon weiten und ihm respekt und höflichkeit lehren!

3]

wenn mir jemand aufzwingen will, dass es gut ist schwul zu sein, wie zum beispiel beim csd, der buergermeister von berlin und hamburg, dann geht es mir auch zu weit, weil es einfach unnormal ist. die meisten tiere wuerden sowas noch nicht einmal machen. buju banton spricht nur die wahrheit aus der bibel, wo die liebe der gleichgeschlechtigen als eine erscheinung der endzeit beschrieben wird. die bibel und was darin steht abzulehnen, dass ist rassistisch! das hat hitler auch getan!!
es ist einfach die wahrheit die durch solche leute endlich mal oeffentlich gemacht wird!
ich will nicht das meine kinder aufwachsen muessen und das unnormale als normal zu sehen.
wenn menschen schwul sein muessen sollen sie es fuer sich tun und es nicht der welt aufzwaengen! dann wuerden sie auch kein hass ernten!
bun dem batyboy!!!!!!


Bunte Seite

04. Juli 2007

indymedia hetzt behindertenfeindlich.

Moslemhasser empfiehlt ca ira-Buch.

Abschiebehäftling bringt sich um.

Magdeburg ist und bleibt dumm.