Shoah, Pin-Ups, Abu Ghraib

08. April 2007

Kürzlich gespottet: „Shoah und Pin-Ups“, eine Doku über den KZ-Überlebenden und NoArt-Mitbegründer Boris Lurie. Der Film nähert sich sensibel diesem störrischem Herren, der in seiner Kunst das gräulichste Grauen der Konzentrations- und Vernichtungslager mit der Darstellung vorgeblich ungezügelter sexueller Lust in Form weiblicher Aktfotos zusammenbringt und darin seine eigenen Erfahrungen – er verlor beinahe seine gesamte Familie durch die mordlüsternen Deutschen – wie den weiteren Zusammenhang von Gewalt/Vernichtung und Sexualität/(Omni)Potenz reflektiert.
Unbedingt sehenswert, allerdings erschwert die ausgebliebene Förderung des Films durch öffentliche Gelder wie das Fehlen eines Verleihs die Sichtbarkeit jenseits von Berlin (Eiszeit-Kino) und Hamburg (irgendwo in der Schanze). Darum am besten die Regisseurin über die oben verlinkte Film-Homepage kontaktieren und selbst Vorführungen organisieren.

Infos zu Boris Luries Person und eine dicke Linkliste mit Interviews bei no-art. Rezensionen einer Lurie-Ausstellung in Buchenwald beim conne island-Newsflyer und bei waltpolitik (Radiomanuskript).
Eine auf den ersten Blick wohlwollende Rezension des Filmes findet sich bei der taz. Während Lurie nur in einem Nebensatz eine Linie von seiner Arbeit zum Irak-Krieg zieht, nutzt der eifrige post-arische Schreiberling der taz diesen Bezug, um das gesamte Werk Luries in einem Satz nicht nur zu banalisieren und zu entwerten, sondern als Alibi für sein nationales Halali zu missbrauchen:

„Dafür macht der Film deutlich, wie schade es ist, dass seine Bilder aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind. Denn Aufnahmen wie die aus Abu Ghraib, in denen dieselbe Gemengelage aus Sex und Gewalt wie die herrscht, mit der sich Lurie seit Jahrzehnten kritisch auseinandersetzt, zeigen: Seine Kunst ist auch heute noch notwendig.“

Was die taz andeutet, bedeutet logisch zu Ende gedacht: Abu Ghraib = Auschwitz, Islamisten = Juden, USA = Nazis. Die Bundeswehrmacht mitsamt ihren schwanzfuchtelnden Totenkopffans ist fein raus, und die taz kann mit gutem Gewissen mit der gutgewordenen BRD gegen den CowboyRamboNaziAmi paktieren.


2 Kommentare

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  1. Klingt interessant.
    Deinem letzten Absatz hingegen möchte ich widersprechen: Dass ähnliche Mechanismen wie die beschreibene Vermengung von Gewalt und Sexualität als Ausdruck von Macht geschichtsübergreifend bestehen bleiben, bedeutet doch keine Gleichsetzung der Umstände, in denenn sie stattfinden, sondern ausschließlich eine analytische Analogie. Ich habe das gefühl, dass du auf Teufel-komm-raus deine Schablone ansetzen möchtest, die nicht so recht passen will, weil es dir nicht gelingt, von deiner moralischen Bewertung und den jeweiligen Begleitumständen im Wandel der Zeit zu abstrahieren und dich auf den Machtmechanismus zu konzentrieren.

    Comment von Roma — 8. April 2007 @ 18:38

  2. […] Hier findet ihr einen älteren Beitrag, den ich letztes Jahr anlässlich des Film “Shoah und Pin ups. Der NO!artist Boris Lurie” schrieb. […]

    Pingback von Wartezeit überbrücken … :: Lurie tot :: Januar :: 2008 — 17. Januar 2008 @ 22:59

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