Musik halt’s Maul?

04. Februar 2007

Mit dem Hingucker „Ich hasse Musik“ betitelt sisyphos im ConneIsland-Newsflyer seine Überlegungen zur „Doppeleigenschaft als ernsthafter Musiker und ernsthafter Verteidiger einer materialistischen Gesellschaftskritik “. Die nicht ganz falsche Essenz: Musik ist unbeschwerte Freizeit und wird dann peinlich, wenn Punkbands oder Reinhard Mey sich politisch dünken, denn Politik ist wie Arbeit kein Spaß, darum: Sphärentrennung.
In einem Leserbrief antwortet ron de vous (dessen Schreibstil mich btw verdächtig an einen leider zu früh von uns gegangenen Blogger erinnert) nun mit dem äußerst sympathischen Eingeständnis: „Lieber Autor, liebes CEE IEH, versteht mich bitte nicht falsch: Ich habe auch keine Ahnung“, darüber hinaus jedoch auch mit einer ebenso sympathisch-konfus-originellen Kritik an sisyphos oberflächlichem Verständnis von Musik, Politik und Gesellschaft, z.B. dessen ausschließlicher Verortung von Inhalten in den Texten, die das Medium der Musik an sich ebenso wie den Kontext – besetztes Haus vs. Rock am Ring, queere Performance vs. Macho-Rocker etc. – ausblendet.

En passant verweist ron de vous auf eine wahnsinnig intellektuell daherkommende Konzertankündigung für die Band locust, die ich leider nicht einmal zur Hälfte verstehe, von der ich nichtsdestotrotz sehr beeindruckt bin. Fast so toll wie damals bertrand w. klimmeks Disko-Beitrag „Feinheiten des Grunzens“, in dem die „zermürbend-erdrückende Vertonung der real existierenden Totalität im fortgeschrittenen Death Metal“ und ihr reaktionärer Konterpart, die „Neurose und manische Obsession des Black Metal“, welche sich der „Identifikation mit dem Aggressor“ hingibt, analysiert wird.
In der Hoffnung, ähnlich kongeniale Musikkritiken zu finden, bin ich auf die de:bug-Homepage gesurft, wo ich jedoch nur auf ein Interview mit D‘n'B-Ikone Krust stieß, der sich über den Mangel an „Awareness“ und „Geist“ in einer „illusionären, materialististischen Welt“ auslässt, um dann mit dem Statement „Wir müssen Drum and Bass jetzt als Business betrachten“ zu schließen. Selten dämlich, schade.


1 Kommentar

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  1. ich behaupte ja: dass Death Metal anders konnotiert ist als Black Metal, hat eher keine ästhetischen ursachen (die klanglich-musiklischen unterschiede gibt es, sie erfordern halt etwas hörtraining, sind aber deutlich), sondern ist eher einem historischen zufall geschuldet, wer wann mit welcher musik angefangen hat. und das waren in norwegen halt zumeist (musikalisch mitunter durchaus geniale) halb- bis vollnazis

    Comment von bigmouth — 4. Februar 2007 @ 23:07

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