German Angst – pro Darfur oder contra Ausländer?

03. Februar 2007

In und nach der antideutschen Szene scheint sich langsam so alles an Widerwärtigkeiten durchzusetzen, was auch den Rest der Gesellschaft prägt. Neben einer, vielleicht borniert zu nennenden Fixierung auf Israel, die sich zunehmend gegen wahlweise nonkonforme oder staatstragende Jüd_innen richtet, steht der altbekannte Sexismus (in der AAB-Vergewaltigungsdebatte vom Flaggschiff vorexerziert, in jüngster Zeit vgl. etwa nichtidentisches` Abfeierei des feuchten Traumes eines jeden pubertierenden Jünglings, Christina Aguilera, oder bad blogs Männerfantasien von „schönen, jungen und zwangsläufig knapp gekleideten Frauen“ im Whirlpool bzw. das Gedisse selbigen Kollektivblogs gegen Frauenlesbenqueertranstudentinnen). Daneben west ein Antiislamismus fort, der beinahe nichts mehr mit einer Kritik der politischen Ökonomie des Islam gemein hat und sich immer mehr zu schlechter Polemik und liberal codiertem Rassismus versteigt. Den jüngsten Höhepunkt setzt prodarfur – Liberale Blogger gegen die Sharia, offenbar eine Initiative zweier Postantideutscher. Dissensprinzip hat sich dem bereits angenommen, zunächst noch in Form einer solidarischen Kritik an deren Affirmation von Politik und Bewegungshuberei (1, 2),
nunmehr deutlich schärfere Töne anschlagend (3).

Den Anstoß für die Tonverschärfung liefert der Eintrag „„Die Kinder des Djihad“, in dem prodarfur verkündet:

„Ich stamme aus dem Ruhrgebiet, einer Region also, in der man jeden Tag hautnah die besten, aber auch die schlechtesten Seiten der „Multikulti-Kultur“ erleben kann. Vor allem als Kind und Jugendlicher. Seit meinem Umzug nach Leipzig bleibe ich von derartigen Erfahrungen verschont, aber der „Tagesspiegel“ bringt sie mir wieder in Erinnerung.“

Der so gelobte Tagesspiegel-Artikel vermeldet:

„Der tägliche Terror
Sie sind jung, nicht-deutscher Herkunft, gewaltbereit – und versetzen ihre Altersgenossen täglich in Angst

Es gehört längst zum Alltag, es geschieht auf dem Weg zur Schule, im Bus, auf dem Spielplatz. Fast jeder Jugendliche, der in Berlin aufgewachsen ist, weiß wie es sich anfühlt, von arabisch-türkischen Jugendlichen angepöbelt, verprügelt oder ausgenommen zu werden. Und viele Eltern standen schon vor der Frage: Sollen wir das Polizei oder Schule melden? Oder machen wir damit alles noch schlimmer?
[…]
„Gegen diesen Gewaltexzess der arabischen Jugendlichen sind unsere Kinder einfach machtlos“, sagt eine Mutter aus Gatow. Erst neulich stand ihr 17-Jähriger, sonst so friedliebender Sohn vor ihr und wünschte sich nach einem Streit in einem Kreuzberger Döner-Imbiss nur eines: Endlich mal richtig zuschlagen zu können.“

Der Sozialdarwinismus des Kapitalismus, der jede und jeden anleitet, sich des Ellbogens zu bedienen, das Messer zu zücken oder einfach loszuballern (wahlweise als Ich-AG mit 9mm oder im Staatsdienst mit dem Panzer), wird nicht einfach beschönigt oder verschwiegen, er verschwindet zur Gänze vor der vom Tagesspiegel gezeichneten Kulisse ethnisierter Gewalt. Schläge, Menschenverachtung, Brutalität sind keine Kennzeichen der Gesellschaft mehr, sondern werden allein bei Moslems, bzw. arabischen, bzw. türkischen Jugendlichen, bzw. muslimisch-arabisch-türkischen jungen Männern verortet. Deren ja z.T. real existenter Wille, andere gnadenlos zu unterdrücken und zu erniedrigen, kommt aus dem sozialen Nichts, ergo aus ihrer Kultur oder ihren Genen. Die Deutschen hingegen erscheinen allein als Opfer, als passiv und grundlos Angegriffene. Untergründig wird hier ein Subtext eingewebt, der suggeriert: WIR sind nicht mehr länger HERR im eigenen Haus, unsere Stadt/unsere Nation wird von fremden Eindringlingen usurpiert, sie haben bereits weite Teile des öffentlichen Raumes okkupiert, auf lange Sicht werden sie auch die Schaltzentralen der Macht übernehmen. Entsprechende Gegenmaßnahmen werden nicht thematisiert, sind aber in der Logik des Textes angelegt und werden in den Leserbriefen unterhalb des Tagesspiegel-Artikels herausgebrüllt: zurückschlagen, wegschließen, abschieben.
Spätestens in den Reaktionen auf den Artikel, die nicht mindere Brutalität transportieren als die im Artikel beschriebenen Taten, zeigt sich auch, dass die simulierte Abscheu vor der „arabisch-jungmännlichen“ Gewalt vor Neid und Bewunderung nur so strotzt. Wie gerne wäre man selbst, als Deutsche(r), ebenso entschlossen, selbstbewusst, skrupellos, hart und vital, wie es einem der arabisch-jungmännliche Naturbursche, unmoralisch und nicht von Geist, Geld oder Zivilisation korrumpiert, vorlebt!
F., der prodarfur-Autor, stimmt mit dem affirmativen Verweis auf den Artikel in diesen Kanon ein und zeigt sich dazu erfreut über seine national befreite Zone Leipzig, in der er solch traumatisierenden „multikulturellen“ Erfahrungen nicht ausgesetzt ist. Im Weiteren verlängert er das gezeichnete Schreckensbild noch in die Zukunft zu einem wahren Horrorszenario, denn 2046 „könnte Deutschland bereits … ein mehrheitlich islamisches Land sein“, wenn der virile Muselmann und die willige (unterjochte?) Muslima weiterhin dermaßen fröhlich vor sich hin vögeln, dass es den lustlos-impotenten Deutschen gar ein Graus ist. Der biopolitische Wahn von aussterbenden Völkern, der stets nur der Mahnung der Population zu eifriger Reproduktion für die Nation dient, verbindet sich bei F. mit dem Feindbild vom aggressiv(-penetrierenden), triebgesteuerten und kaum mehr aufzuhaltenden „arabischen Herrenmenschen“, den er in Darfur ebenso wie in Kreuzberg und dem Ruhrpott auf dem Vormarsch sieht.

Ein weiterer durchgeknallter Volldepp angesichts von „80 Millionen Hooligans“ (Die Goldenen Zitronen) wäre nicht weiter von Belang, würden F. und seine Kompagnons nicht auf Resonanz in der AD-Szene treffen. So publizierte die prodarfur-Initiative ihren Essay „Allahs Herrenmenschen und ihre Front im Sudan.“ in der Januar-Ausgabe des ConneIsland-Newsflyers aus Leipzig (inkl. positivem Bezugs auf die Gesellschaft für bedrohte Völker, die bereits in ihrem Namen die Menschenfeindschaft annonciert, die sie praktisch in Kooperation mit Sudetendeutschen Landsmannschaften und anderen Nazis ausagiert), und im selben Monat, ausgerechnet am 27.1. (!!!), organisierte der Nachwuchsmob einen nicht-sharia-konformen Abend im Szenetreffpunkt Druckluft Oberhausen.
Auch wenn F. dort, so steht zu hoffen, nicht die Hasstiraden des Tagesspiegel-Artikels vorgetragen hat, so zeigt sich doch in der bereitwilligen Akzeptanz solch zivilgesellschaftlichen Anti-Islamismus das Versagen großer Teile der Antideutschen, die sich von einem kritischen Begriff des Rassismus ebenso wie von jeder materialistischen Kritik der Gesellschaft verabschiedet haben. Sie drohen damit nach ihrem nur wenige Jahre dauernden Marsch aus den (linken) Institutionen eben dort anzukommen, wo sie ihren Ausgangspunkt genommen haben: inmitten einer Gesellschaft einstmaliger und prospektiver Mörder, die zwar dann und wann ein generationistisches Aufbegehren gegen den Mordzusammenhang (vgl. 1968) zulässt, zu guter Letzt aber alles und jeden wieder in den kalten Schoß der Familie reintegriert. Nur wer sich der Orientierung auf periphere Feinbilder und damit dem Bündnis mit der Mehrheit, dem Mob im Wartestand, verweigert, kann dem Prozess der Rekuperation entkommen.


53 Kommentare

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  1. was willst du uns mit „Daneben west ein Antiislamismus fort, der beinahe nichts mehr mit einer Kritik der politischen Ökonomie des Islam gemein hat“ sagen? „Politische Ökonomie“ war im 19. jhdt ein feststehender begriff, der einfach das bedeutet, was heute „Volkswirtschaftslehre“ heisst. mit ideologieanalyse hat das erst gar nix zu tun

    Comment von bigmouth — 3. Februar 2007 @ 21:12

  2. ansonsten: daumen hoch!

    Comment von bigmouth — 3. Februar 2007 @ 21:18

  3. „Der Sozialdarwinismus des Kapitalismus, der jede und jeden anleitet, sich des Ellbogens zu bedienen, das Messer zu zücken oder einfach loszuballern […] verschwindet zur Gänze vor der vom Tagesspiegel gezeichneten Kulisse ethnisierter Gewalt.“

    achso, natürlich, der kapitalismus ist schuld daran.
    teilweise stimmt diese behauptung vielleicht sogar, wenn die gewalt als kleingeistiger versuch der neurotischen wiederherstellung verletzter ehre interpretiert wird, deren verletzung gerade durch einen schlechten gesellschaftlichen stand, nämlich den der vollkommenen belanglosigkeit, entsteht. aber dieses empathische denken inkl. behandlung von aggressoren als kleine kinder ist der job von sozialarbeitern, wie ich womöglich einer sein könnte (ich belege entsprechenden studiengang im augenblick).
    ehrlich gesagt, ich halte aber nichts von diesen entschuldigungen, die weder bei faschoschlägern noch bei arab gangs etwas bringen.
    bevor du aber die keule zückst: ich wohne im bahnhofsviertel und beschwere mich selten über das was einzelne wohl meinen, was da abginge.

    „Untergründig wird hier ein Subtext eingewebt, der suggeriert: WIR sind nicht mehr länger HERR im eigenen Haus, unsere Stadt/unsere Nation wird von fremden Eindringlingen usurpiert, sie haben bereits weite Teile des öffentlichen Raumes okkupiert, auf lange Sicht werden sie auch die Schaltzentralen der Macht übernehmen.“
    +
    „im selben Monat, ausgerechnet am 27.1. (!!!), organisierte der Nachwuchsmob einen nicht-sharia-konformen Abend im Szenetreffpunkt Druckluft Oberhausen.“

    vor lauter – ästhetisch womöglich berechtigter – kritik an „(post-)ad´s“ oder wohl eher von dir auserwählten einzelpersonen bist du aber mit solchen aufgeputschten texten scheinbar bereits selber auf der anderen seite rausgekommen, wenn du ständig versuchst, paralellen zum antisemitismus zu unterstellen und damit die antiimp-propagandastory der „islamophobie“ vorantreibst. ich halte parties mit dem namen „allah hates pop“ für absolut angemessen.

    Comment von dissi — 4. Februar 2007 @ 00:58

  4. „ich halte parties mit dem namen “allah hates pop” für absolut angemessen.“

    Ja, in Saudi-Arabien wär so eine Party was fortschrittliches, in D-Land ist es schlicht Einreihung in die Volksgemeinschaft mittels rassistische Hetze.

    Comment von antifa — 4. Februar 2007 @ 01:53

  5. über einen partytitel wie „arabs can´t dance“ würde ich ja womöglich zustimmen, aber an obigem partytitel rassismus erkennen zu wollen, ist so ein unglaublicher quatsch, dass du eigentlich auch jeden pop-punker mit „bad religion“-t-shirt verkloppen müsstest.

    Comment von dissi — 4. Februar 2007 @ 02:05

  6. Du hast es immer noch nicht geschnallt, oder? Wenn sich hier in Deutschland jemand gegen den Terror & die Ideologie der christlichen Kirchen ausspricht, ist das ne prima Sache; aber am Feindbild Volkschädling, der von außen & mit Zivilbesatzern unser Reich bedroht mitzustricken ist einfach nur faschistoider Bullshit!

    Comment von antifa — 4. Februar 2007 @ 02:19

  7. ich denke nicht, dass es den „allah hates pop“-machern um „unser reich“ geht.

    Comment von dissi — 4. Februar 2007 @ 02:43

  8. worum es ihnen geht, ist doch scheißegal für die aussenwirkung: wir gegen die.

    ausserdem: wie genau geht die herleitung, dass allah keien pop mag? da muss man ja schon die wahabitische auslegung des korans für maßgeblich halten, also im endeffekt den taliban recht geben mit ihrer musikbeurteilung. ist das wirklich ein kluger move? und traut sich die antifa auch, illegalerweise ne party am karfreitag zu veranstalten?

    Comment von bigmouth — 4. Februar 2007 @ 14:46

  9. deine kritik an die im text aufgefuehrten blogger ist berechtigt und eher untertrieben. es ist jedoch unserioes, diese undifferenziert auf eine ganze szene, die es zudem als solche gar nicht (oder nur als feindbild) gibt, zu replizieren.
    beste gruesse

    Comment von salzundessick — 4. Februar 2007 @ 14:47

  10. geil, jetzt wird schon waity undifferenzierte ad-kritik unterstellt. ich lach‘ mich schlapp!

    Comment von bigmouth — 4. Februar 2007 @ 14:48

  11. tu dir keinen zwang an.

    Comment von salzundessick — 4. Februar 2007 @ 17:11

  12. Short cuts:

    @bigmouth:
    Wikipedia ist keine Bibel! Politische Ökonomie ist doch ein aktueller Begriff, vgl entsprechende Arbeiten zur p. Ö. der Menschenrechte (Chomsky…), des Telekommunikationswesens usw. Soll heißen: wie interpretiert der (die) Islam den Sachzwang der Ökonomie und gibt ihn als moralisches Gebot in Form der Religion aus?

    @ dissi:
    Ich behandele die Schläger nicht als kleine Kinder, das ist deine Projektion. Ich finde das ekelerregend und auaaua, aber es ist eben kein Spezifikum des dt-arab Nachwuchses, wie vom Tagesspiegel – und dir wenn du das mit Nazis vergleichst – suggeriert. Außerdem habe ich weder von Islamophobie gesprochen noch Parallelenm zum Antisemitismus gezogen, k.A. wie du auf so einen Scheiss kommst.
    Und Parties gegen Allah sind legitim, wenn sie aber nur von Weißbroten und anderen Michels ausgerichtet und besucht werden bleibt doch die Frage, wer sich da eigentlich was als Gegner herausgesucht hat und wieso vom selben Spektrum nicht Parties gegen Jesus oder den Hindu-Gott (gibts den?) gemacht werden. Faschistoid, wie von antifa fälschlicherweise unterstellt, ist das aber noch lange nicht.

    @salzundessick:
    In welchen Punkten untertrieben? Mag sein dass die Kritik sehr pauschalisierend rüberkommt, aber ich sehe gerade kaum noch Gruppen die diesem Germanisierungstrend etwas entgegensetzen. Vielleicht schweigen die auch gerade nur.

    Comment von Administrator — 4. Februar 2007 @ 18:53

  13. Bin mit meinem letzten Kommentar nicht differenziert genug rangegangen und übers Ziel hinausgeschossen. „Faschistoid“ ist natürlich nicht die Aktionsform Party und auch nicht unbedingt die Leute, die da hingehen. Die Macher hatten dabei schlicht nur im Sinn, es den Moslems mal richtig zu zeigen – auf symbolischer Ebene. Oder haben schlicht gar nicht gedacht und schwimmen einfach im Anti-Moslem-Strom mit. Das ist schlimm genug. Die erklärte Absicht, an der Volksgemeinschaft mitzustricken hat man sicher nicht – zumindest bewusst nicht. Insgeheim fühlt es sich vielleicht für einige ja schon toll an, Eltern und Großeltern mal wieder erzählen zu können, was man macht, und dafür nur Zustimmung zu bekommen. Wer in D-Land emanzipatorische Religionskritik betreiben will (ob das im Moment überhaupt funktioniert, müßte man erst klären), müßte sich halt mit der herrschenden Religion auseinandersetzen, statt die der Fremden zu geisseln. Da kommt – beim aktuellen Stand des gesellschaftlichen Diskurses – sonst halt nur ein Antreiben rassistischer Hetze raus.

    Comment von antifa — 4. Februar 2007 @ 21:41

  14. mag sein.
    wer viel und oft redet (bzw. schreibt) muss nicht zwangslaeufig richtig liegen :-)

    Comment von salzundessick — 4. Februar 2007 @ 21:43

  15. ich fände ja, „Adorno hated Pop“ wäre das viel geilere partymotto

    Comment von bigmouth — 4. Februar 2007 @ 22:31

  16. @ bigmouth:
    lustig treffende antwort

    @ „antifa“:
    das kommt mir merkwürdig bekannt vor, aber ich lehne diese haltung aus tiefstem herzen ab, erst vor „der eigenen haustür“ zu kehren quasi, bevor man sich solch vermeintlich kulturfremden dingen zuwenden „darf“, weil damit weiterhin unterstellt wird, dass jeder anti-allah-rocker sozusagen biologisches mitglied der volksgemeinschaft sei.
    aktuell mordet der islamismus und träumt antisemitische auslöschungsphantasien. und weder die „volksgemeinschaft“ noch die katholische pfingstgemeinde gehören zwangsläufig zu den dingen, die bereitwillig in kauf genommen werden müssen oder automatisch teil der eigenen identität sind, wenn gegen den islam gehatet wird. [abgesehen davon halte ich den 1:1-vergleich von religion vs. religion ebenfalls für untragbar und lächerlich, weil die akute praxis nun mal etwas anderes bedeutet]

    die unterstellung, im anti-islamischen aktionismus wäre das bedürfnis zugegen, das deutsche körbchen sauberhalten zu wollen, müsste schon jeweils konkret nachgewiesen werden, sonst wäre diesem angeblich antirassistischen „reinheitsgebot“ des ausdifferenzierten politischen handelns das gleiche zu unterstellen, nämlich lokalpatriotische political correctness.

    Comment von dissi — 4. Februar 2007 @ 23:53

  17. @ antifa:
    So einfach ist das nu auch wieder nicht, schließlich gibt es ja auch einen Philoislamismus der Deutschen, der sich im Verständnis für suicide bomber, in der steigenden Anzahl von Konvertiten oder bei Politfüchsen wie Lafontaine („Schnittmengen von linker Politik und Islam“) zeigt.

    @ dissi:
    Wer sich aber nicht zuerst dem Kampf gegen das ‚eigene‘ Land widmet, wird eben früher oder später wieder in den nationalen Konsens integriert, egal wie radikal seine Ausgangsposition war oder schien. Du scheinst mir da auch ein Kandidat zu sein.

    Comment von Administrator — 5. Februar 2007 @ 02:14

  18. ich fasse das mal als beleidigung auf.

    Comment von dissi — 5. Februar 2007 @ 03:00

  19. Ok.

    Comment von Administrator — 5. Februar 2007 @ 03:24

  20. „…müßte sich halt mit der herrschenden Religion auseinandersetzen, statt die der Fremden zu geisseln. Da kommt – beim aktuellen Stand des gesellschaftlichen Diskurses – sonst halt nur ein Antreiben rassistischer Hetze raus.“

    du weißt aber schon, dass die viertgrößte religion in deutschland die islamische ist, oder? ;-) zudem behaupte ich, dass gelungene – immanente – kritik an islamischer vergesellschaftung sich einer instrumentalisierung verweigert: siehe den kommentarbereich unter meinem letzten beitrag. dieser völkische pöbelhaufen ist viel zu sehr mit ihrer jagd auf abweichler beschäftigt, alsdass sie überhaupt zur kenntnis nehmen, dass ich nicht großartige probleme damit habe, antisemitismus (oder auch christenfeindschaft) und homosexuellenfeindlichkeit bei migranten zu thematisieren. sie lesen bloß, dass „unserer jugend“ die handys im bus abgenommen werden und glauben nun, dass sich derartiges verhalten aus dem ausländer-dasein ableiten ließe und kommen dann nicht darauf klar, dass man solche rassistensoziologie problematisiert: und sowas von leuten, die wahrscheinlich kaum wissen, dass es in der türkei einen staatsgetragenen laizismus gibt und höchstwahrscheinlich noch kaum ein wort über das verhältnis von freitagsgebet und alltagsleben von muslimen nachgedacht haben, aber großartig von „islamkritik“ schwadronieren.

    Comment von dissensprinzip — 5. Februar 2007 @ 15:02

  21. ich irrte: der islam ist die drittgrößte glaubensgemeinschaft und nicht die viertgrößte.

    Comment von dissensprinzip — 5. Februar 2007 @ 15:16

  22. „allah hates pop – but we don`t care. das ist das derueit passendste party motto überhauüt. mutig und richtungsweisend.“

    Wow, wie mutig, wenn die Mehrheit gegen eine Minderheit tanzt. Fast so mutig wie bei Rock gegen Rechts zu BAP abzurocken.

    „und damit können sich nun mal radikale linke wie liberale gleichfalls mit anfreunden.“

    Nö, radikalen Linken geht es nicht um Mut, sondern um den Umsturz der Verhältnisse.

    Comment von Administrator — 5. Februar 2007 @ 16:23

  23. Einen blödsinnigeren Titel als „Allah hates pop“ zu finden, dürfte schwer fallen. Schaut Euch die Diskografie von Nusrat Fateh Ali Khan an, besser noch, hört Euch an, was der Mann während seines kurzen Lebens alles aufgenommen hat – vom klassischen Qawwali der pakistanischen Sufi bis zu wildestem Crossover. Ob die Sabri Brothers, Faiz Ali Faiz u.v.a.m. – der Islam, zumindest in seiner toleranten, mystischen Ausprägung, dem Sufismus, hat eine derart ekstatische und körperbetonte Musiktradition, dass ein solcher Titel einfach nur von blödsinner, provinzieller Ignoranz zeugt.

    Comment von Yaya — 5. Februar 2007 @ 17:00

  24. Und Berlin ist die drittgrößte türkische Stadt, wie jeder deutsche Nachwuchsrassist weiß *gähn*

    “allah hates pop – but we don`t care. das ist das derueit passendste party motto überhauüt. mutig und richtungsweisend.”

    Wow, wie mutig, wenn die Mehrheit gegen eine Minderheit tanzt. Fast so mutig wie bei Rock gegen Rechts zu BAP abzurocken.

    Ein sehr falscher Vergleich. Beim „Rock gegen Rechts“ gehts gegen Leute, die bestimmte politische Vorstellungen vertreten, bei „Allah hates Pop“ darum zu ethnisieren, ein nicht-deutsches Feindbild aufzubauen und (noch eher kutluralistsichen) Rassismus auszuleben.

    Comment von laune — 5. Februar 2007 @ 17:50

  25. „Einen blödsinnigeren Titel als “Allah hates pop” zu finden, dürfte schwer fallen.“

    der titel ist vielleicht schlecht, aber einen blödsinnigeren zu finden, halte ich für durchaus möglich:

    „Zahlreiche muslimische Autoritäten, vornehmlich die von Salafiten, Wahabiten und Deobandi (aber auch die der Barelwi) glauben, dass Musik durch den Qur‘an und die Hadith, sowie die Tradition verboten wird. Viele der größten islamischen Gelehrten der Vergangenheit, einschließlich die vier Imame, akzeptierten dies

    Andere Muslime halten Musik nur dann für verboten, wenn der Gläubige sündigt, Alkohol trinkt und mit Prostituierten verkehrt. Sie sehen in Musik eine harmlose Begleitung familiärer oder gesellschaftlicher Feiern bzw. der allgemeinen Gebete. Die Kalifen, die Führer des islamischen Reiches, hielten sich berühmte Musiker. Angesehene Philosophen wie Al-Kīndī, Al-Farābi, Avicenna, and Safi al-Din förderten die Musikpraxis durch ihre musiktheoretischen Studien.“

    Quelle

    man mag sagen, dass der titel undifferenziert ist, ihn allerdings als reinen aus der luft gegriffenen mist ab zu tuen halte ich für die sache wenig hilfreich.

    Comment von dissensprinzip — 5. Februar 2007 @ 17:54

  26. schlau wie ich bin, habe ich oben schon was dazu geschrieben:

    ausserdem: wie genau geht die herleitung, dass allah keien pop mag? da muss man ja schon die wahabitische auslegung des korans für maßgeblich halten, also im endeffekt den taliban recht geben mit ihrer musikbeurteilung. ist das wirklich ein kluger move?

    ausserdem wäre eine swingparty viel cooler. mit einem böse guckenden adorno auf dem flyer…

    Comment von bigmouth — 5. Februar 2007 @ 20:23

  27. das habe ich ja ganz überlesen:

    „Und Berlin ist die drittgrößte türkische Stadt, wie jeder deutsche Nachwuchsrassist weiß *gähn*“

    du weißt schon, worauf sich die antwort bezog, oder? die frage war schließlich, ob es sich mit relgiöser ideologie erst dann zu beschäftigen gilt, wenn sie die „herrschende[n] Religion“ stellt und nicht „die der Fremden (sic!)“ stellt, oder? ich behaupte a.) das es rassistischer humbug ist, die islamische ideologie als „fremdes“ zu kategorisieren und b.) halte ich es für anmaßenden paternalismus, ihre vermittlungsformen von einer kritik auszunehmen.

    @bigmouth:
    leider lässt sich nun nicht so recht feststellen, ob die (sich mehrheitlich aus den sunnitischen baggara rekrutierenden) janjaweed, auf die der veranstaltungstitel bezug nimmt, all zu gerne mit popmusik umgeben, aber man darf es doch annehmen. ;-) aber am rande: ich halte deinen veranstaltungstitel auch für witziger.

    Comment von dissensprinzip — 6. Februar 2007 @ 01:40

  28. dissensprinzip: also was ich gehört habe waren du und die deinigen vor ort von dem party motto (zu recht) ganz überzeugt! also an dieser stelle sollte man vielleicht schon mal etwas „mut“ zeigen und für die wahrheit eintreten, das dieser party titel natürlich nichts mit „ethnisierung“ oder dergleichen zu tun hat, sich nicht gegen „nichtdeutsche“ richtet oder sonst was. und erst recht nicht gegen minderheiten. schliesslich ging es an dem abend um darfur, auf den entsprechenden vortrag bezog sich das party motto, und bekanntlich (oder auch nicht) sind 99% der dafuris moslems. also stellt sich eher die frage ob das party motto sich nicht gegen die richtet die man eigentlich supporten will. und siehe da: NEIN! es richtet sich gegen jeden der sich gegen säkularisierung richtet, nicht mehr und nicht weniger. schluss aus.
    aber es ist erfeulich das die diskusion sich wenigstens von dem kruden rassismus vorwurf wegen des tagesspiegel links entfernt hat.

    Comment von egal — 6. Februar 2007 @ 12:25

  29. @dissensprinzip:

    Was sagt Dein Wikipedia-Zitat anderes als: Die einen waren dafür, die anderen dagegen? Dass die Taliban versucht haben, Musik vollständig zu verbieten, stimmt. Dass der Sufismus mit Gnawa und Qawwali ausgesprochen ekstatische und rhythmusbetonte Musikrichtungen hervorgebracht hat ebenso.

    Nun wissen wir alle (oder sollten es zumindest), dass es keinen islamischen Papst gibt. Dem Gläubigen steht es in der Sunna frei, sich von den Aussagen religiöser Autoritäten etwas anzunehmen oder nicht.

    Also, es gibt halt solche und solche.

    Comment von yaya — 6. Februar 2007 @ 12:31

  30. „also was ich gehört habe waren du und die deinigen vor ort von dem party motto (zu recht) ganz überzeugt!“

    dann solltest du auch gehört haben, dass es eine relativ ambivalente haltung seitens „mir und den meinigen“ gegeben hat in der zwei tage zuvorliegenden diskussion – die du ja sicherlich auch gehört hast. den „mut“, um hier „ehrlich“ etwas auszusprechen, habe ich mir bisher nicht nehmen lassen, du kannst hier gerne noch einmal meine beiträge durchschauen und mir sagen, inwieweit ich mich zu deinen nachfolgenden zusammenfassungen („…nichts mit “ethnisierung” oder dergleichen zu tun hat, sich nicht gegen “nichtdeutsche” richtet oder sonst was. und erst recht nicht gegen minderheiten.“) überhaupt geäußert habe. ich habe lediglich festgehalten, dass er (und ich bitte natürlich zu entschuldigen, dass ich partytitel nicht vorher bei wikipedia auf ihre authentizität hin überprüfe) dem gegenstand nicht vollends gerecht wird. ich glaube im übrigen nicht, dass der veranstaltungstitel über eine fehlinformation hinausreicht – bigmouth‘ titel wäre trotzdem lustiger gewesen.

    @kaya: die islamische mystik als beispiel durchgesetzter affinität zu pop im islam zu werten, halte ich ganz ehrlich gesagt für sehr weit hergeholt. und das die möglichkeit besteht, sagt nichts über gesellschaftliche realitäten aus: die muslimischen popstars sami yusuf und amr khaled z.b. haben in ihren sendungen einschaltquoten bis in die millionenhöhe zu verzeichnen, letzterem hat die ägyptsche obrigkeit dann allerdings doch den auftritt verboten. die „islamische zeitung“ resümmiert eine pop-debatte:

    „[…] Wir können die sich abzeichnende Pop-Bewegung ablehnen oder befürworten, ihre Existenz leugnen können wir hingegen nicht. Wer sie positiv sieht, muss ihre Widersprüche und mögliche kritische Fragen an sie sinnvoll beantworten, um ihr Rechtfertigung zu verleihen. Wer sie kritisiert, muss – jenseits der sterbenden politischen Ideologisierung – zumindest ein Vorstellung davon haben, wie die Lebensweise des Islam einer in der Moderne geborenen Jugend zu vermitteln sei.“

    widerum die „islamische zeitung“ lässt einen pianisten aus ankara zu wort kommen, den sehnt es offensichtlich nach allgemeingesellschaftlicher regression und einfachem warentausch, die ihr durch die „pop- und geld-kultur“ bedroht sieht:

    „[…] Die Türkei vergisst ihre eigene Tradition. Es ist die Pop-Kultur und die Geld-Kultur, die dies seit 50 Jahren in extremer Weise verursacht hat. Wenn die Ökonomie hinter der Kultur wäre wie im 19. Jahrhundert, wäre das alles nicht entstanden. Es ist die heutige Zeit. Pop-Kultur ist überall. Wenn Sie sich das deutsche Fernsehen anschauen, wann kann man dort Beethoven sehen? […]“

    julia gerbachs klappentext zu „zwischen pop und djihad“ sagt:

    „[…] In den vergangenen Jahren hat sich eine neue islamische Jugendbewegung gebildet, die sich als Gegenpol zu Al Qaida versteht: statt langer Bärte und Schleier trägt man Jeans und modische Kopftücher. An die Stelle von Terror sollen Fortschritt und Integration in die westlichen Gesellschaften treten. Die Stars dieser Pop-islamischen Bewegung sind Prediger, Musiker und Talkmaster. Sie regen die Jugendlichen dazu an, sich in der modernen Gesellschaft zu behaupten, zu engagieren und zugleich die Regeln eines konservativen Islams zu be folgen. […]“

    allah ist sich offensichtlich nicht recht sicher, was er von pop halten soll, aber eins steht fest: im zweifelsfalle wird er ihn wohl überleben.

    Comment von dissensprinzip — 6. Februar 2007 @ 14:29

  31. bleibt letztendlich die frage offen: fechtet sich dieser kampf in den partytiteln des „druckluft“ aus? wohl eher nicht, oder?

    Comment von dissensprinzip — 6. Februar 2007 @ 15:30

  32. (hoffentlich) zum abschluss:
    antirassismus ist und bleibt schlimmste deutsche ideologie!
    http://www.conne-island.de/nf/82/20.html

    Comment von egal — 6. Februar 2007 @ 18:04

  33. @dissensprinzip: Wieweit der Zusammenhang zwischen Gnawa, Qawwali und Popkultur hergeholt ist, hängt vor allem davon ab, wie weit der nächste Plattenladen entfernt ist. Ich habe das Glück gehabt, einmal in Köln zufällig ein Konzert von Nusrat zu erleben (ist schon ein paar Jahre her, alt ist er ja leider nicht geworden) und ich weiß, wie da der Saal gekocht hat.

    Abgesehen davon: Klagen konservativer alter Säcke über verderbte Jugendkultur sind beim besten Willen nichts islamspezifisches.

    “[…] Die Türkei vergisst ihre eigene Tradition. Es ist die Pop-Kultur und die Geld-Kultur, die dies seit 50 Jahren in extremer Weise verursacht hat. Wenn die Ökonomie hinter der Kultur wäre wie im 19. Jahrhundert, wäre das alles nicht entstanden. Es ist die heutige Zeit. Pop-Kultur ist überall. Wenn Sie sich das deutsche Fernsehen anschauen, wann kann man dort Beethoven sehen? […]”

    So ähnlich könnte das auch in der FAZ, ZEIT oder Welt stehen. Von Islam ist hier nicht zufällig überhaupt nicht die Rede. Hat nämlich nüscht damit zu tun.

    Comment von yaya — 6. Februar 2007 @ 18:39

  34. Kleine Ergänzung: Andersrum wird ein Schuh draus: Popkultur kann jeder. Können auch die Jihaddisten. Den mal an das berühmte „Dirty Kuffar“-Video, in dem für Ossama erstens auf Englisch und zweitens gerappt wird.

    Comment von yaya — 6. Februar 2007 @ 18:41

  35. WAITING, SCHALT GEFÄLLIST MEINE KOMMENTARE FREI!!! :-P

    Comment von dissensprinzip — 6. Februar 2007 @ 22:02

  36. ja, das war richtig gut, auch wenn das riddim natürlich nich von denen war. is auch bei youtube online, wer sich also davon überzeugen möchte, dass radikale islamisten pop ganz gut beherrschen…

    Comment von bigmouth — 6. Februar 2007 @ 22:08

  37. irgendwie springt der blöde spam-filter auf meine normalen daten an (habs zwischenzeitlich mal von nem anderen rechner aus probiert), ich warte jetzt darauf, dass der gute „waiting“ endlich freischaltet, nur zur info – sofern die nachricht nicht auch wieder hängen bleibt ;-)

    Comment von dissens-prinzip — 6. Februar 2007 @ 23:39

  38. meine güte!
    ihr blickts einfach nicht, das popkultur nicht vorhanden ist sobald jemand auf englisch rappt! ich deutschen kleingeister…

    Comment von eeegal — 7. Februar 2007 @ 11:48

  39. @ dissens-prinzip:
    Sorry, gibt nichts freizuschalten! Dein Posting wurde wohl zur Gänze verschluckt, versuchs doch nochmal wenn Muße.

    Comment von Administrator — 7. Februar 2007 @ 13:25

  40. Ach ja, apropos Allah hates Pop:
    Pop ist nicht der Fluchtpunkt des unauthentisch-authentischen Guten, sondern das komplexe Feld eines mehrfach eingehegten Glücksversprechens, dass dank seines kulturindustriellen Formates nicht nur zur Konservierung des Bestehenden, sondern auch recht reibungslos für Propaganda zwecks effektiver Verschlechterung eingesetzt werden kann, vgl. das zunehmende Auftreten Autonomer Nationalisten in den letzten Jahren, die sich durch all das auszeichnen, was auch das Konzept Jugendantifa ästhetisch ausmacht: Graffiti, Base-Caps, Skaten, Buttons, Cargo-Hosen, kurz gesagte: absolute Coolness auf der Höhe der Zeit, im Dienste der Barbarei.

    Comment von Administrator — 7. Februar 2007 @ 13:33

  41. Zum Verhältnis von Islamismus und Pop, bzw. Gegenaufklärung und Kulturindustrie siehe auch:

    www.conne-island.de/nf/132/28.html
    www.conne-island.de/nf/137/22.html
    www.conne-island.de/nf/140/19.html

    Comment von ficken, saufen, oi — 7. Februar 2007 @ 13:44

  42. das ist aber sehr ärgerlich, da es mitunter recht ausführliche beiträge waren und ich bloß einen davon zwischengespeichert habe.

    „@dissensprinzip: Wieweit der Zusammenhang zwischen Gnawa, Qawwali und Popkultur hergeholt ist, hängt vor allem davon ab, wie weit der nächste Plattenladen entfernt ist. Ich habe das Glück gehabt, einmal in Köln zufällig ein Konzert von Nusrat zu erleben (ist schon ein paar Jahre her, alt ist er ja leider nicht geworden) und ich weiß, wie da der Saal gekocht hat.“

    und daraus folgerst du nun, dass die aussage „allah hasst pop“ zur gänze falsch ist? ich weiß bloß so viel, nämlich dass allah als gesellschaftlich konstituierter immer abhängt von seinen vertretern und das man sich nun auf die suche begeben kann, nach gegenbeispielen im plattenladen, aber alleine aus meinem beispiel einen ägyptischen regierungsapperat gegen sich stehen hat, der im namen allahs die leute aus dem plattenladen nicht so gerne bei sich auftreten sieht. man mag nun über das für und wider streiten und womöglich eine repräsentative unter den 1,2 milliarden muslimen dieser welt ins leben rufen, aber den janjaweed oder der taliban abzusprechen, dass sie als muslime eine komponente „allahs“ darstellen bloß weil ihre vertretung in bezug auf pop umstritten ist und dies dann auf das fazit zu bringen „es gibt keine blödsinnigere aussage als ‚allah hasst pop‘“, halte ich für überzogen.

    „Abgesehen davon: Klagen konservativer alter Säcke über verderbte Jugendkultur sind beim besten Willen nichts islamspezifisches.

    […]

    So ähnlich könnte das auch in der FAZ, ZEIT oder Welt stehen. Von Islam ist hier nicht zufällig überhaupt nicht die Rede. Hat nämlich nüscht damit zu tun. „

    niemand hat etwas davon gesagt, dass solche affronts gegen die „pop- und geld-kultur“ spezifisch islamisch seien. mein hinweis galt der tatsache, dass die – von mir als islamisch angenommene – islamische zeitung sogar das einschlägige statement „pop-kultur ist überall!“ zur überschrift für das interview gewählt hat, solche affronts also auch ein islamisches phänomen darstellen. darin kommt selbstverständlich nichts von der islamischen zeitung monopolisiertes zum ausdruck, sondern dem könnte ein deutscher opa katholischer konfession ebenso zustimmen, das spräche dann aber nicht gegen die aussage „allah hasst pop“ sondern bloß gegen die aussage „nur allah hasst pop“, aber die ist hier nunmal irgendwo aufgetaucht. zudem würde ich mich dann fragen: wenn teile der islamischgläubigen – und damit immer für das abstraktum „allah“ mitverantwortliche – in pop etwas verderbliches sehen: ist es dann ein aufruf zum antimuslimischen amoklauf, dies in der aussage „allah hasst pop“ zu paraphrasieren?

    „Kleine Ergänzung: Andersrum wird ein Schuh draus: Popkultur kann jeder. Können auch die Jihaddisten. Den mal an das berühmte “Dirty Kuffar”-Video, in dem für Ossama erstens auf Englisch und zweitens gerappt wird.“

    diese gegenprüfung halte ich übrigen für den wohl interessantesten einwand gegen den „nicht-sharia-konformen abend“: ist es nicht mittlerweile so, dass sich gerade im pop, dem zumindest ein progressives moment inne ist, mittlerweile jegliche form von reaktionärer sauerei anhaften kann? man denke an mia, 2raumwohnung und diese ganze neudeutsche leichtigkeit: es ist also kein wunder, dass „allah“, wenn er gerade mal wieder an die tatsache stößt, dass die moderne einiges an massenmedien hervorgebracht hat, die ihm vielleicht auf den ersten blick nicht so passen, die jene leute, die aber wirklich drauf aus sind, „seine botschaft“ unter die leute zu bringen, durchaus zu nutzen wüssten.

    kann das sein, dass hier einige beiträge von „egal“ verschwunden sind?

    nun noch mein zwischengespeicherter nachtrag zu des admins text:

    noch zwei nachträge zum oben stehenden originaltext:
    den begriff „sozialdarwinismus“ und den der s.i. entliehene der „rekuperation“ halte ich in den beiden zusammenhängen für absolut unpassend:
    a.) der begriff „sozialdarwnismus“ ist ende des 19. jahrhunderts entstanden und dürfte als repräsentativ für eine umfassende bewegung verstanden werden, die frühliberale gesellschaft zu verklären und die für sie in anschlag gebrachten gesellschaftsphilosophischen erklärungsansätze in zunehmend biologistische resp. naturalisierende zu überführen: dies als den gesellschaften des kapitals „an sich“ anhaftende verklärung resp. als in der konkurrenzvermittlung angelegtes „eigentliches“ prinzip zu deuten, halte ich für falsch. das überdehnt zum einen den begriff und ist desweiteren ziemlich ahistorisch (wer würde heute noch auf darwin verweisen zur deutung der kapitalgesellschaft? heute werden solche begriffe wie „globalisierung“ in anschlag gebracht). zudem wäre zu prüfen, ob das vorrangige moment von jugendgewalt tatsächlich in konkurrenzmechanismen des marktes zu verorten ist: sie könnten ja auch fußball oder schach spielen anstatt ihre mitjugendlichen durch die gegend zu jagen.
    b.) rekuperation bezeichnet bei den situationisten die wiederaneignung subversiver momente durch das warenspektakel. unter spektakel umstandslos die gesellschaftlichen vorgänge, die ausschlaggebend sind für die völkisch strukturierte gemeinschaft der deutschen 1970ff, 1990ff oder 2000ff zu verstehen halte ich für grob überzogen.

    Comment von dissens-prinzip — 7. Februar 2007 @ 16:22

  43. die Jugendantifa erfüllt den tatbestand der „absoluten coolness“? haha?

    Comment von bigmouth — 7. Februar 2007 @ 16:44

  44. @ dissens-p:
    ja, sorry, kein plan an was das liegt, vielleicht ist deine verbindung während des sendens abgeschmiert und du hast es nicht bemerkt? hier ist jedenfalls nicht angekommen.
    von „egal“ habe nichts gelöscht.
    inhaltlich morgen.

    @ bigmouth:
    ja, die halten sich doch für die absolut coolen, oder nicht?

    Comment von Administrator — 8. Februar 2007 @ 01:39

  45. _halten sich_ vs. deine aussage…

    Comment von bigmouth — 8. Februar 2007 @ 13:20

  46. „ja, sorry, kein plan an was das liegt, vielleicht ist deine verbindung während des sendens abgeschmiert und du hast es nicht bemerkt?“

    habe ja eine nachricht vorliegen gehabt, die da sinngemäß hieß: ihre nachricht wurde vom spamfilter absorbiert, wenn da ein fehler vorliegt, wirds der admin schon bemerken und freischalten.

    „hier ist jedenfalls nicht angekommen.
    von “egal” habe nichts gelöscht.“

    spinnt blogsport vielleicht? die beiträge von „egal“ hatte ich ja schon beantwortet und habe sie dementsprechend noch vor augen und nun sind sie weg.

    Comment von dissens-prinzip — 8. Februar 2007 @ 16:17

  47. ah, ok, hab sie jetzt gefunden, müsste jetzt wieder alles da sein, oder? muss allerdings sagen dass ich kommentarspalten von blogs nicht wirklich für geeignet halte im hinblick auf solche mammut-diskos, besser adf oder anderes forum.

    Comment von Administrator — 8. Februar 2007 @ 21:37

  48. das adf ist für diskussionen auch nicht geeignet, will nicht mal jemand die sysiphos (den wir uns ja bekanntlich nach Camus als „glücklichen menschen“ vorstellen sollen, also halb so schlimm ;-) ) – arbeit übernehmen, ein besseres forum aufzumachen? hätte aber evt was von der „besseren mausefalle“…

    Comment von bigmouth — 9. Februar 2007 @ 02:34

  49. lustig, ne?

    „spinnt blogsport vielleicht? die beiträge von “egal” hatte ich ja schon beantwortet und habe sie dementsprechend noch vor augen und nun sind sie weg.“ und dann auf einmal: „ah, ok, hab sie jetzt gefunden, müsste jetzt wieder alles da sein, oder?“ wie sagte schon so schön „dissenzprinzip auf seinem blog: „ich werde mich mit zensur WEITESTGEHEND zurückhalten.“ ach kindas………

    Comment von egal — 17. Februar 2007 @ 09:41

  50. Danke für deinen interessanten und notwendigen Text. Die beiden Menschen, die diesen blog machen, haben (eigentlich un-)interessanter Weise auch für den Anti-Irakkriegs-Protest im Ruhrpott damals mobilisiert, sowie eine Zeitschrift namens „Schlachter“ herausgegeben (ein paar Ausgaben gab es, glaube ich, nur), wo sich bspw. dieser F. expliziert mit den Antideutschen verworfen hatte. Dann kam wohl der Umzug nach Leipzig, die 180° Drehung und bspw. der nahtlose Übergang vom Veganer zum Wurstliebhaber. Auch mit antisexistischer Praxis wollten sie nicht mehr viel am Hut haben, es gab hingegen Situationen, die ich (und die in Israel wohl ganz besonders) schon als Übergriffe definieren würde, sowie zahlreiche andere Vorfälle, die in die Vergangenheit eines Und nun, wo einer von ihnen wieder in Oberhausen sitzt, der andere in Leipzig wohnt, aber keiner der beiden mehr in irgendeiner Art menschlichen oder politischen Umfelds Fuß fassen kann (was ja nicht so tragisch wäre, wenn…), verfassen sie auf einer blog-Seite rassistisch anmutende Artikel zum Thema Dafur, Raucher, Ruhrgebiet und eigentlich allem, worauf sie gerade Bock haben.

    Hier kann keiner ihr Alter, ihren politischen Hintergrund oder auch nur irgendwie die Menschen hinter diesen Aussagen erahnen, was sie praktisch unangreifbar macht.

    Auch angesichts der Tatsache, wie schnell sie sich von einer radikalen, wenn auch tw. platten und plakativen „autonomen“ Gesellschaftskritik hinentwickeln konnten zu einer – immer noch platten, plakativen- angebl. „liberalen“ (wat auch immer sie damit meinen) post-anti-deutschen (also wieder-pro-deutschen?!) Kritik, kann ich ihrer Weltanschauung nicht viel Bedeutung geben.

    Übrigens: Auch traurig, dass diese post-anti-deutschen nie irgendwo anders als in Deutschland klar kommen werden. Denn in anderen „westlichen“ Ländern, besonders jedoch in den USA und Israel, ist eine „Multikulti“-Gesellschaft ja noch mehr gegeben als im Ruhrpott.

    Comment von let_me_out — 8. Mai 2007 @ 14:42

  51. […] Ich stolperte gerade hier auf das,(muss man nicht lesen um meinen Artikel zu verstehen, ich werde zitieren) da kam mir die Kotze hoch. Ich weiß nicht genau, ob es sich bei letzterem um bloße Dummheit, soll es ja geben, oder um den brillianten Versuch Imperialismus zu legitimieren handelt. Einerseits könnte der Autor ja tatsächlich so etwas wie ein ,,naiver Gutmensch mit weltpolizeilichen Ansprüchen” sein oder er ist einfach nur ein dreckiger Faschist. […]

    Pingback von Deutsch, Deutscher, Antideutsch « Scharfer Blick — 8. April 2008 @ 21:08

  52. Hallöchen, nach fast 5 Jahren lacht mich mein Klarname noch immer in den Top-Googleergebnissen von diesem Blog an, eine tolle Sache! Auch meinen Blog gibt es (wenn auch unter neuer URL) immer noch – was Dir im Zusammenhang mit den Protesten in Wuppertal eigendlich nicht entgangen sein kann. Der wird aber seit Jahren nicht mehr unter Klarnamen geführt (und ist immer noch kein PI-Blog) – wie wäre es da mal mit einer Schwärzung des Namens in diesem Artikel hier? Wie lang ist denn die Strafe, die ich – öffentlich als Rassist beschimpft – absitzen muss, wann ist denn Dein testosterongeladener Ausbruch ob meinem vermeintlichen Ausfall einmal überwunden?
    Herzlichst, F.

    Comment von F. — 13. September 2011 @ 12:54

  53. keine ahnung was du so treibst, ist mir auch egal. soweit ich mich erinnere hattest du den text unter klarnamen veröffentlicht, und so hab ich auf dich rekurriert. aber um deine karriere nicht zu gefährden, habe ich deinen klarnamen durch f. ersetzt, sogar in einem kommentar der sich auf dich bezog.

    Comment von waiting — 13. September 2011 @ 17:08

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