Die Linkspartei, die Linkspartei, die geht uns rechts am Arsch vorbei

21. Januar 2007

Die anti-alles-aktion berichtet auf Indymedia über die Störung der Eröffnungszeremonie des hochschulpolitischen Kongresses der Linkspartei.

Linkspartei

Ein kritischer Vorbericht zum Kongress findet sich bei der Jungle World. Die junge welt hingegen interviewt brav eine der KongressinitatorInnen, die folgende inhaltliche Vorgaben macht:

„Wir werden anhand von drei Schwerpunkten diskutieren. Wichtig ist natürlich die Hochschulpolitik. Aber daneben wird es auch um linke Strategien gegen den Neoliberalismus und schließlich um den G-8-Gipfel, Globalisierung und Widerstand gehen.“

Formal soll der Kongress vor allem als publikumsträchtiger Startschuss für einen neuen linken Studierendenverband wirken. Die taz schreibt dazu:

„Die Studenten wollen einen bundesweiten linken Hochschulverband gründen. Das ist freilich nicht nur für Alt-68er nichts Neues. Vielleicht wollen Dutschkes Erben gerade deshalb tief in der Kiste der linken Studentenbewegung wühlen, wenn es um einen Namen für das Baby geht. Ihr Vorschlag: „SDS“ . Das soll für Revolution stehen – und ist offen geklaut. […] Der Entschluss zur Verbandsgründung fiel Anfang November beim Treffen des linken Hochschulgruppennetzwerks in Kassel. Nach Vorarbeit an diesem Wochenende sollen Anfang Februar Satzung und Programm festgelegt werden; im Frühsommer soll der Verband der Linkspartei angegliedert werden. Dann wäre Schluss mit dem losen linken Studentennetzwerk – die akademische Linke hätte einen Zentralverband als Sprachrohr und Koordinationsstelle für bundesweite Aktionen.

„Der Hochschulverband steht im Satzungsentwurf für die neue Linkspartei“, bestätigt Katja Kipping, „der Kongress in Frankfurt ist ein wichtiger Aufschlag.“ Ihre Partei erhoffe sich eine „personelle und inhaltliche Frischzellenkur“, so die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, „wir wollen den Neoliberalismus auch intellektuell und kulturell herausfordern. Deshalb benötigen wir eine Verankerung im akademischen Bereich.“

Der avisierte Verband soll also einerseits der Sozialdemokratie apres la realité ‚intellektuell‘ zuarbeiten, also ein funktionales Parteiorgan sein, andererseits sicher auch die in der Bewegung gegen Studiengebühren in den letzten Monaten virulent gewordene, vage Stimmung von Protest und Verweigerung absorbieren und via Bürokratisierung in systemkonforme Bahnen lenken. Die geplante Übernahme des Labels SDS ist pure Leichenschänderei: war dort trotz aller Fehler bis Ekelhaftigkeiten (der Antizionismus etwa) immerhin noch der Versuch unternommen worden, den Kapitalismus theoretisch zu durchdringen und praktisch zu überwinden, heißt es nun Altvater statt Adorno, Lafontaine statt Marcuse und Elsässer statt Krahl. Auch der Kapitalismus wurde umbenannt: er firmiert nun unter Neoliberalismus und Globalisierung, und die Revolution wird übersetzt als Rückkehr zum golden age des Fordismus. Die CommunistInnen von gestern sind die SpießerInnen von heute, von den Konservativen nur zu unterscheiden durch die Buttons an der Mütze und das moralisierende Gejammer über die Profitgier der Unternehmen. Darum ist es zu begrüßen, dass die Linkskonformisten in Frankfurt einen auf ebenjene Mütze bekommen haben, und zu bedauern, dass die Aktion eine solch geringe Reichweite hatte, dass die Parteikader ihre Mütze allzu schnell wieder zurecht rücken konnten. Angesichts der derzeitigen Defensive radikaler Kräfte wird sie ihnen wohl noch eine ganze Zeit lang unangefochten auf dem Wasserkopf sitzen.


7 Kommentare

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  1. mit dem topic hast du aber sicher gute chancen bei torsuns limerick-battle :-)

    Comment von salty — 21. Januar 2007 @ 18:56

  2. Ist nicht von mir, aber ich versuchs auh mal:

    Das geprüfte Argument
    äußert sich ganz ungehemmt.
    Es findet die Kritik verkehrt,
    man dankt und fühlt sich sehr geehrt -
    lehnt man den GSP doch ab, vehement.

    Comment von Administrator — 22. Januar 2007 @ 01:29

  3. Es findet die Kritik verkehrt,
    man dankt und fühlt sich sehr geehrt -
    lehnt man den GSP doch ab, vehement.

    Das ist letztendlich schnurzegal, denn Deine Logik ist fatal!

    Comment von Das geprüfte Argument — 22. Januar 2007 @ 09:38

  4. […] Vor zehn Tagen seien sie beide in Frankfurt als Nationalbolschewiken angegriffen worden, berichtete Elsässer zu Beginn. Heute seien die Antideutschen aber zu Hause geblieben, ermattet vom sonntäglichen Demonstrieren für einen Angriff auf den Iran, und so habe man nun seine Ruhe. Ganz genau, es gab einfach eine Show und später nichtmals eine Diskussionsmöglichkeit im Anschluß. Das heißt eben auch: entweder mit Plakaten auflaufen und Ärger bekommen oder sich reinsetzen und wehrlos zuhören. […]

    Pingback von classless Kulla » Blog Archive » Elsässer, Seltsam, Lafontaine — 1. Februar 2007 @ 17:26

  5. […] EDIT1/3: artikel bei indymedia jetzt online, natürlich mit unappetitlichem antiimpi-geblöke als antwort. der artikel ist wieder gelöscht? dafür findet sich eine rechtzeitige abschrift jetzt hier – weiter unten. EDIT2: mehr auch bei waiting. EDIT4: jürgen wird in nürnberg auch u.a. der mlpd und dem “palästina-komitee” vom “angriff der heuschrecken” erzählen (berichtet spange) […]

    Pingback von dissidenz.olifani.de » Blog Archive » besuch bei den elsässern — 22. April 2007 @ 11:47

  6. […] Folgendes wurde mir aus sehr glaubwürdiger Quelle von einem Genossen berichtet. In Rücksprache mit ihm veröffentliche ich es. Nachdem es schon bei dem Kongress der Linkspartei-Hochschulgruppen vor einiger Zeit zu Auseinandersetzungen kam (waity berichtete), ist es jetzt wieder im Anschluss an ein Treffen dieser Vereinigung zu einem Vorfall gekommen. Hier nun der Bericht. […]

    Pingback von Linksparteiler_innen gegen „Zionistenschweine“ | overdose — 7. Mai 2007 @ 08:02

  7. da ich nen tollen job mit nix zu tun habe durchforste ich gerade dein archiv;) und musste feststellen das der indy bericht verstckt is…

    Comment von dein lieblingshaase — 6. Juli 2007 @ 16:30

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