Bossismus
24. November 2006Der Hype ist da, nach wenigen Tagen bereits 27.200 Treffer bei google, die Strategie gegen das Vergessen scheint zu funktionieren. Die Ökonomie der Aufmerksamkeit treibt die Karawane jedoch unermüdlich weiter, hin zur nächsten spektakulären Oase, geleitet von der immergleichen Fata Morgana, und so wird in einigen Wochen kein Hahn mehr nach Sebastian Bosse, dem Amokläufer von Emsdetten, krähen. Anbei dennoch einige Anmerkungen zu Bosses Abschiedsbrief.
Bosses Brief beginnt mit den Worten:
„Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden“
Die Unmöglichkeit des Glückes, das auf Dauer verwehrt schein, ist es also, die ihn zu seiner Tat motiviert hat.
„Ich habe in den 18 Jahren meines Lebens erfahren müssen, das man nur Glücklich werden kann, wenn man sich der Masse fügt, der Gesellschaft anpasst. Aber das konnte und wollte ich nicht. Ich bin frei! Niemand darf in mein Leben eingreifen, und tut er es doch hat er die Konsequenzen zu tragen! Kein Politiker hat das Recht Gesetze zu erlassen, die mir Dinge verbieten, Kein Bulle hat das Recht mir meine Waffe wegzunehmen, schon gar nicht während er seine am Gürtel trägt.“
Ein Schein-Glück kann nach Bosse nur erreicht werden, wenn man sich dem Diktat der Majorität beugt, sich an fremdbestimmte, vorgefertigte Erwartungshaltungen anpasst und sie als Eigene ausgibt. Dieses entfremdete Pseudo-Glück bringt er in Gegensatz zu ‚echter‘ Selbstbestimmung, definiert über die Möglichkeit der Abwehr externer Interventionen durch die staatlichen Organe, welche im Idealfall ‚die Konsequenzen tragen‘ müssten.
Aufgegriffen und weiter ausgeführt wird dieser von Bosse aufgemachte Widerspruch von Mehr- und Freiheit im folgenden Abschnitt:
„Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche um mit 65 in den Ruhestand zugehen und 5 Jahre später abzukratzen? […]
Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseeligste was die Welt zu bieten hat!
S.A.A.R.T. – Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod
Das ist der Lebenslauf eines “normalen” Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal? Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen. Ich scheiss auf euch!“
Kritisiert wird der Zwang zu immerwährender Arbeit, die das Leben über weite Teile bestimmt und am Ende quasi eine ausgesaugte Hülle, die Rentner_in, hinterlässt. Eng verbunden mit dem Affekt gegen Arbeit und ihre Durchsetzungsagenturen wie die Schule und Lehre ist das Aufbegehren gegen eine Normalität, die soziale Randgruppen ausschließt, wobei Bosse neben Punks und Obdachlosen auch Mörder anführt.
Daneben buchstabiert Bosse eine Konsumkritik aus, die in dem folgenden, allseits bekannten Satz von der angeblichen Allherrschaft des Geldes kulminiert:
„Eine Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule ging es nur darum“
So geschnitten lesen sich seine Worte wie die Ausführungen eines zornigen, rebellierenden Dissidenten, eines Linken oder Punks, also zumindest als ob sie aus der Feder eines Subjekts stammten, das seine eigenen, durchweg negativen Erfahrungen zur Grundlage einer allgemeinen Revolte zugunsten einer besseren Welt für alle macht. Doch Bosse zog weder nach Berlin und wurde zum Straßen(schlacht)punk noch trat er in die örtliche FAU-Gruppe oder Antifa ein, sondern betätigte sich bekanntlich als Freizeitwehrsportler und verübte zuletzt die antikommunistische Tat schlechthin – die (bzw. den Versuch der massenhaften) Ermordung Unschuldiger (wobei hier über den Schuldbegriff zu reden wäre) inklusive der freiwilligen Aufgabe des eigenen Lebens.
Das scheinbare Paradox klärt sich ansatzweise bei Lektüre weiterer Textpassagen:
„Warum soll ich mich noch anstrengen irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich sowieso für’n Arsch ist weil ich früher oder später krepiere? Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiss ich nicht alles. Aber wozu? Das Haus wird irgendwann abgerissen, und die Kinder sterben auch mal. Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft. Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie alle anderen zuvor verschwenden!“
Was als rudimentäre Form von Gesellschaftskritik erschien wird nun überführt in ein generelles Ressentiment gegen ‚das Leben‘, das ob seiner Vergänglichkeit ‚keinen Sinn‘ kenne, darum wertlos sei. Weil nichts zurückbleibe, nichts für die Ewigkeit geschaffen werde, sondern alle letzten Endes nur unbedeutende Sandkörner im unvorstellbar großen und gleichgültig den Einzelnen gegenübertretenden Universum seien, sucht sich Bosse selbst, quasi künstlich, einen ‚Sinn‘ zu konstruieren. Dieser ‚Sinn‘, der Schluss mit der ‚im Arsch herumkriechenden Verarsche‘ macht, kann nur durch eine Tat gegeben werden, eine Tat, die sich ganz konkret gegen die (scheinbare) Norm richtet.
War es zuvor eine Benennung von Institutionen wie Schule und Polizei bei gleichzeitigen Ressentiments gegen deren Repräsentant_innen („fette Politiker“), so formuliert Bosse nun einen verallgemeinerten Hass auf die Gattung als Ganze:
„Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.“
Die Menschen, die ihm vermeintlich oder tatsächlich als Feinde gegenübertreten, werden so zum Abschuss freigegeben, ein Abschuss, der wie oben angedeutet zwecks Sinnstiftung notwendig ist:
„Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst! Ich will das ihr erkennt, das niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in fremdes Leben einzugreifen!“
Der Amoklauf richtete sich zwar gegen seine ehemalige Schule, scheint jedoch weniger einzelne Menschen, sondern eher einen (imaginierten) Gegenschlag zu meinen, eine spektakuläre, Angst und Schrecken verbreitende Tat, welche über ihre Ausmaße sich einbrennt. Die negative Grandesse soll einen Ruhm von ewiger Dauer schaffen und damit den vermissten ‚Sinn‘ stiften.
Aus den folgenden Sätzen sind konkrete Einblicke in Bosses Gesellschaftsbild zu bekommen:
„WERDET ENDLICH WACH – GEHT AUF DIE STRASSE – DAS HAT IN DEUTSCHLAND SCHONMAL FUNKTIONIERT!“
Dieser Satz steht recht unvermittelt im Text und wird auch nicht weiter aufgegriffen, soweit ich sehe auch nicht in der medialen Rezeption. Er appelliert scheinbar genau an die sonst so verhasste Masse und fordert deren Widerstand ein – unklar und vielleicht absichtlich ambivalent ist der Rekurs auf ein früheres Deutschland, in dem ‚das‘ ’schonmal funktioniert‘ hat – 1933 oder 1989?
„Nazis, HipHoper, Türken, Staat, Staatsdiener, Gläubige…einfach alle sind zum kotzen und müssen vernichtet werden! (Den begriff “Türken” benutze ich für alle HipHopMuchels und Kleingangster; Sie kommen nach Deutschland weil die Bedingungen bei ihnen zu hause zu schlecht sind, weil Krieg ist… und dann kommen Sie nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassne hier die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden! Keine Juden, keine Neger, keine Holländer, aber Muchels! ICH BIN KEIN SCHEISS NAZI) Ich hasse euch und eure Art! Ihr müsst alle sterben!“
Plötzlich identifiziert sich Bosse wieder mit dem Staat, den er sonst doch so intensiv bekämpft, und beweint dessen angebliche Ausnutzung als Sozialhängematte durch Fremde, die nicht hierher gehören – konkret ‚Türken‘, welche ‚die Sau raus‘ lassen (so wie Bosse?). Nicht wie damals, als es ’schon einmal funktioniert‘ hat, die Jüd_innen, sondern die Türk_innen sind es, gegen die sich sein Vernichtungswunsch richtet. Zwar stellt er sie zunächst in eine zu vernichtende Reihe mit Nazis, Beamt_innen und Religiösen, doch ernst zu sein scheint es ihm nur im Fall der Türk_innen, für die er unmissverständlich die Vergasung einfordert.
„Jeder hat frei zu sein! Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot.“
Hier formuliert der Amokläufer seine Utopie, die ich Bossismus nennen möchte. Der Bossismus fordert die absolute Freiheit von äußeren Zwängen und Gängelungen ein – es soll keine vermittelnde Instanz mehr geben, keine ‚Einmischung‘. Alle sind auf sich gestellt in direkter Konfrontation und besitzen von Geburt an die Lizenz zum Töten. Der Tod ist dann auch nichts Bedauernswertes mehr, der Kontrapunkt zum anfangs eingeforderten glücklichen Leben, sondern ein gerechtes Urteil, das vom Tribunal des Sozialdarwinismus gesprochen wird.
Die für dieses Posting aufgemachte Unterscheidung in verschiedene zeitliche Phasen ist natürlich eine künstliche, dem Zweck der Analyse geschuldete. In der Realität schwankte Bosse vermutlich beständig zwischen den aufgemachten Widersprüchen. Reale, äußerst intensive Erfahrungen von Demütigung, Ausgrenzung, Verhöhnung, Heuchelei, das ganze Leid des Alltags, werden von ihm offen eingestanden und formuliert, anstatt, wie sonst die Regel, absorbiert durch (Selbst-)Zensur aufgrund von Scham bzw. soziale Institutionen wie Sport, Kulturindustrie, Tierquälerei oder eheliche Gewalt. Doch über diesen spontanen, bornierten Seufzer der bedrängten Kreatur kommt der Bossismus nicht hinaus – es entwickelt sich weder Gesellschaftskritik noch intuitive Empathie für die Mitmenschen, die Unterdrückten. Er bleibt ideell wie materiell befangen in der so verhassten Normalität. Kein Wunder, ist es doch letzten Endes nur der Kommunismus, der Bosse einen Ausweg weisen könnte, die Möglichkeit bietet, eben nicht zu arbeiten, nicht eine isolierte Monade zu sein, nicht ein Mann und Deutscher sein zu müssen. Da er die sowieso aktuell kaum existente Bewegung zum Kommunismus nicht aufzunehmen vermag, reproduziert er in seiner scheinbaren Rebellion die Kategorien der ganzen Misere – Monadentum, nationale und geschlechtliche Identität – auf erweiterter Stufenleiter, in verschärfter Form. Die Revolte gerät zur Erzählung vom einzigen Aufrechten, Treuen, Ehrlichen, vom Möchtegern-Ewig-/Übermenschen, der seine nur von außen bedrohte Freiheit (Ausfall der Selbstreflektion!) gegen die wahnhafte Züge annehmende Feindbilder (Türken-Muchels) ‚verteidigt‘ – last man standing and dying. Die nachvollziehbaren unglaublichen Anstrengungen, die Widersprüche auszuhalten, werden nicht mehr ertragen und den aufgestauten Aggressionen wird freier Lauf gelassen – der bossistische Amoklauf als letzte Katharsis, die faschistische Züge annimmt, eine Reinigung, die möglichst viel ‚Dreck‘ beseitigen will und das zu reinigende Objekt selbst pulverisiert.
Bosse taugt somit weder als Märtyrer noch als Monster. Beide Figuren tauchen im aktuellen Diskurs auf, dem ich mich fragmenthaft später/morgen/irgendwann widmen werde.

Danke dafür!!!! Ich suche nach erklärungen für diese Tat. Meine Tochter ist hin und hergerissen, weil sie (wir leben in Emsdetten, sie geht Gottseidank nicht auf die GSS) zum einem Freundinnen und Bekannte dort hat und das ganze ganz schrecklich findet. Andererseits hat sie den Brief in der Schule gelesen und ist erschrocken, weil sie nachvollziehen kann, wie es ihm ging. Das ist mit 14 Jahren auch nicht schwer, da die Welt sich in dem Alter sowieso gegen einem verschworen hat. Wir reden viel über die Tat und seine Folgen für unser Städtchen und brauchen solche erklärungen für unsere Kinder. Ich bekomme Angst, welche Auswirkungen diese Tat, in Verbindung mit den ganzen Texten die Sebastian Bosse hinterlassen hat auf unsere Kinder, nicht nur in Emsdetten, hat. Es hat schon mehrere Nachahmer gegeben. Alle ungefähr im Alter meiner Tochter. Sie können nicht auseinanderhalten und selektieren. Sie fühlen sich auf gewisse Weise angesprochen und ich kann es nachvollziehen. Darum brauchen wir Eltern, Erzieher und alle die wir mit Jugendlichen zusammen sind Erklärungen, Analysen und nicht diese abgeschmackten Spielediskussionen, die uns weit von dem Verständnis unserer Kinder wegbringen. Die gehen am Thema vorbei und sind eher kontraproduktiv in jeglicher Hinsicht. Meine Tochter spielt diese Spiele nicht (sind ihr zu blöd und langweilig) Ich hoffe das bleibt auch so. Aber sie sagt auch, daß man dann ja die meißten PC und Konsolenspiele verbieten müsse, auch die für kleine Kinder, da auch dort geschossen und getötet wird, auch wenn das nur Tierchen oder witzige Figuren sind. Recht hat sie!!! Ist vielleicht eine andere Dimension, aber irgendwie doch das gleiche. Man muss es nur auseinanderhalten können, das es nicht real ist.
Also nochmal danke
Comment von solo — 28. November 2006 @ 12:13
[…] Ivo Bozic greift in der Disko-Rubrik der Jungle World die seit heute wieder heiße Frage nach den Motiven und Auslösern von Amokläufen auf. Zurecht warnt er vor einer Viktimisierung, wie sie meines Erachtens trotz Bosses eklatantem Rassismus vor allem in linken Kreisen zu beobachten war: der Täter als Gedemütiger, der keinen anderen Ausweg mehr gehabt habe, und dessen nihilistische Tat insgeheim vielleicht als eine Art antikapitalistische Antwort auf die angebliche Dekadenz und Korruption westlicher Gesellschaften – Handys, Videospiele, Bling-Bling – gelesen wird. Allerdings gelingt es Bozic im Weiteren nicht, einen eigenen Punkt zu machen – stattdessen schlägt sein Beharren auf individueller Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortung um in eine grundsätzliche Leugnung eines Zusammenhangs zwischen Amok und Gesellschaft, letztlich Subjekt und Objekt. Zwar revidiert er diese Negation zum Ende der Diskose wieder, indem er einige Fragen aufwirft (u.a. den konstruierten Verweis auf Islamist_innen als mögliche politische Vorbilder) – es bleibt aber unklar, wieso die darin genannten Faktoren – Maskulinismus, Prekarisierung, Globalisierung – nun irgendwie doch einen (indirekten?) Einfluss ausüben sollen und wie dieser sich gestaltet. Statt diese Relation zu klären, macht Bozic sich plötzlich Sorgen um die “Zukunft der Gesellschaft” und schlägt sich damit wieder einmal, wie bereits in seiner berüchtigten Forderung nach einem Schlussstrich zugunsten eines Bundeswehr-Einsatzes im Libanon, gnadenlos auf die Seite des falschen Ganzen. So gesehen, stellt sich sein Beharren auf individueller Schuld weniger als Mahnung vor Täter-Opfer-Verkehrungen dar, mehr als Entlastung der gewaltförmigen Gesellschaft in Form der Individualisierung sozialer Tatbestände. Statt positivistisch die geringe Zahl der Amokläufe in Anschlag zu bringen (und seltsamerweise zugleich dennoch bestet aber beleglos einen Anstieg dieser Zahl zu suggerieren), wäre es nötig, sich genau anzuschauen, was Bosse zu dieser faschistoiden Tat angeleitet hat, wie ich es kürzlich amateurhaft auf diesem Blog versucht habe (Klick). So würde deutlich, dass Bosse durchaus real existierende soziale Strukturen wahrgenommen und verarbeitet hat, Erfahrungen thematisiert, die unmöglich als Einzelfälle abzutun sind – etwa die gnadenlose Ausgrenzung durch dauernden Spott, der befürchtete Arbeitsterror, unterschwellig seine Rolle als Mann, potentieller Ehemann und Vater usw. Dass er im Gegensatz zur absoluten Mehrheit seiner Mitschüler_innen zum Mittel des Amoklaufs gegriffen hat sollte nicht dazu verführen, dieser Mehrheit per se Friedfertigkeit zu attestieren, wie es Bozic indirekt tut. Eher wäre zu fragen, was die majoritären Formen von Konfliktverarbeitung sind – dabei würde man ebenfalls auf massenhaft Gewalt treffen, die aber weitaus unspektakulärer ist als der Amoklauf. Entweder weil sie auf der verbalen – “Ich kill dich” …. oder symbolischen – eben PC-Spiele, Kampfsport, HipHop, Fussball – Ebene verbleibt, weil sie aufgrund der Trennung von Privatem und Öffentlichem unsichtbar gemacht wird – Schläge, Vergewaltigungen etc. im engeren sozialen Umfeld (ältere gegen jüngere Brüder/Schwestern, Beziehungspartner_innen untereinander …), weil sie in kleinen Dosen abgegeben wird – Kleinkriminalität, Schulhof-, Disco- und Kiezschlägereien – oder weil sie eben der von Bozic umsorgten Gesellschaft sinnvoll erscheint. Nicht umsonst titelte der ‘Spiegel’ in der Woche von Emsdetten mit “Die Deutschen müssen das Töten wieder lernen”: die ehrenwerte Profession von Cops und v.a. Soldat_innen ist ja gerade das massenhafte Töten Unbekannter. Damit sollen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen der Gewalt nicht plattgewalzt werden, genausowenig ist damit die Frage nach der konkreten Tat Emsdetten zu beantworten. Aber es führt nichts vorbei an der Analyse einer Gesellschaft, die Massenmord in Form von Amokläufen, Pogromen, Hungerkatastrophen, Kriegen stets aus sich selbst heraus hervorbringt und in einem dialektischen Prozess Subjekte produziert, welche die widersprüchlichsten Anforderungen zwanghaft vereinen müssen und daran regelmäßig scheitern – als Junkie, Arbeitslose, Depressive, Bulimiekranke, Kaufsüchtige, Arbeitswütige, Suizidale, Stalker_in, Vergewaltiger, Eifersuchtsmörder oder eben Amokläufer. […]
Pingback von Wartezeit überbrücken … :: Individualisieren, Sozialisieren, Dialektisieren :: Dezember :: 2006 — 7. Dezember 2006 @ 03:21
nmvyk imvgngpahg iptqzxim wjzgokggtm aqvqitdvsa qgebwkte iacsilgxm
yshjoqgbe xzzqtrrccu ncokybyik hahzgwi cttdmotv jvluwmlwru gyjglxkea
Trackback von lsssdqmui — 14. Januar 2007 @ 16:44