Mixed Stuff
23. November 2006*************************
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Dazu exklusiv in der Kommentarspalte ein offenbar nicht mehr online verfügbares FR-Interview mit dem lokalen Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, Ulrich Wilken, der während der oben verlinkten Graumann-Rede unter Protest aus der Paulskirche auszog. Wilken fordert darin die „Gemeinschaft der Demokraten“ (= Arier_innen) gegen den bösen Juden und beklagt sich, dass sich die konservative OB Petra Roth nicht „schützend vor ihre Kollegen gestellt“ habe – mal abgesehen von seinem unetrwürfigen Appell an die Institution Oberbürgermeister_in zeigt sich schon in dieser Manöverkritik, wie ‚Die Linke‘ einen lokalen bzw. nationalen Konsens mit der Rechten unter Ausschluss der Jüd_innen herzustellen bemüht ist. Die obligatorischen Anmerkungen zu Israel und die Instrumentalisierung Peter Gingolds als gutem, widerständigen Juden runden das Bild dann nur noch ab.

Linke und Antisemitismus
„Abstruser Vorwurf“
Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrates der Juden, hat in seiner Rede in der Gedenkstunde zum 9. November in der Paulskirche der Linken Antisemitismus vorgeworfen. Daraufhin haben die Vertreter dieser Partei die Feierstunde verlassen.
Frankfurter Rundschau: Herr Wilken, war das die richtige Reaktion?
Ulrich Wilken: Das war eine absolut notwendige Reaktion. Für mich ist vollkommen unverständlich, wie Herr Graumann da agiert hat. Für mich ist das ganz schwer auszuhalten. Wir haben am vergangenen Sonntag mit 600 Teilnehmern im Gewerkschaftshaus dem Antifaschisten und ehemaligen Widerstandskämpfer Peter Gingold die letzte Ehre erwiesen. Uns in der selben Woche Antisemitismus vorzuhalten, ist unerträglich. Wir treten als Linke für Frieden und gegen Antisemitismus ein. Ich bezweifele an diesem Beispiel den Anspruch der OB, alle Frankfurter zu vertreten. Die Repräsentanten der Linken sind alleine aufgestanden und haben die Paulskirche verlassen. Es wäre eine Gemeinschaft der Demokraten notwendig gewesen an diesem Punkt.
Die OB hätte auch reagieren müssen an diesem Punkt?
Ja, sicherlich. Wir sind eine demokratische Partei, wir sind Bestandteil der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats. Da muss sich auch eine OB schützend vor ihre Kollegen stellen.
Man kann doch darüber diskutieren, ob der Auszug eine angemessene Reaktion war.
Dass unser Eintreten für Frieden mit dem Vorwurf des Antisemitismus gekontert wird, ist abstrus. Antisemitismus ist der Linken ebenso zuwider, wie andere Menschen verachtende Ideologien. Niemand in der Friedensbewegung tritt für diesen Idioten, den iranischen Präsidenten, ein. Wenn ich dabei gewesen wäre, hätte ich das persönlich und körperlich auch nicht ausgehalten.
Trennen Sie die Kritik an der Politik der israelischen Regierung immer scharf von Angriffen auf das israelische Volk?
Ja. Die Friedensbewegung tritt für Frieden ein, die Alternative ist Krieg. Wir benennen dabei die israelische und die palästinensische Seite. Die Waffen müssen auf beiden Seiten schweigen. Unsere Kritik meint nicht die Juden.
Würden Sie sich mit Dieter Graumann an einen Tisch setzen?
Aber selbstverständlich. Vielleicht können in einem solchen Gespräch die Vorwürfe ausgeräumt werden. Wir treffen uns gerne und ohne jede Einschränkung mit Herrn Graumann.
Sie werden selbst aktiv werden?
Wir werden jetzt auf die Jüdische Gemeinde zugehen und da den Dialog suchen. Ich hoffe, dass dann solche solche Vorwürfe nicht mehr wiederholt werden. Das wäre ein großer Erfolg.
Interview: Claus-Jürgen Göpfert und Martin Müller-Bialon
Comment von Administrator — 23. November 2006 @ 23:23
Wieso ist die Schrift der drei unteren Links wohl in rot gehalten?
Comment von Administrator — 23. November 2006 @ 23:41
rot = schon besucht.
Comment von gigi — 26. November 2006 @ 21:11